Ein Platz für die Lebenden: In Hennef soll ein neues Hospiz entstehen

Ein Platz für die Lebenden : In Hennef soll ein neues Hospiz entstehen

Die Bonner Reinold Hagen-Stiftung investiert sieben Millionen Euro in den Bau eines Hospizes in Hennef-Bödingen. In drei Jahren könnte die Einrichtung fertig sein.

Noch grasen Pferde auf der 7000 Quadratmeter großen Weide neben dem Sankt Augustinus Seniorenhaus in Bödingen. Auf der Fläche, die den beiden Hennefern Clemens und Oliver Wirtz gehört, soll ein stationäres Hospiz entstehen. Insgesamt 16 Gäste sollen dort künftig in angenehmer Atmosphäre ihren letzten Lebensabschnitt verbringen können. „Dieses Hospiz wird ein Platz für die Lebenden. Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben“, sagte Willi Fuchs, Vorsitzender des Hennefer Vereins „Sibilla Hospiz Bödingen“, der das Hospiz betreiben wird.

Am Donnerstag präsentierte Fuchs gemeinsam mit Stefan Hagen, Vorstandsvorsitzender der Reinold Hagen-Stiftung, die als Investor das Hospiz bauen wird, sowie Clemens Wirtz und dem Architekten Eberhard Heider die konkreten Pläne. „Wenn alles reibungslos gelingt, kann das Hospiz bereits in drei Jahren stehen. Aus der Bevölkerung gab es für unsere Pläne bisher nur positive Resonanz“, sagte Fuchs.

Investor soll bei der Umsetzung helfen

Bereits vor zwei Jahren gab es konkrete Pläne für ein Hospiz, das zwischen A 560, dem Bauhof und dem Abzweig zum Wiesengut gebaut werden sollte. Das Grundstück lag allerdings nicht nur in der Nähe der Autobahn, sondern auch in der Einflugschneise des Flughafens Köln/Bonn. Nach schallschutztechnischen Untersuchungen war schnell klar, dass der Standort für ein Hospiz nicht geeignet ist. Nun wurde eine Fläche gefunden, bei der es keinerlei Probleme geben wird. „Ich halte die Idee und diesen Standort für fantastisch“, sagte Clemens Wirtz, der gemeinsam mit seinem Bruder Oliver das Grundstück kostenlos zur Verfügung stellt. Wie wichtig ein solches Haus ist, hatte Wirtz erst kürzlich erfahren, als ein guter Freund, der im Oktober verstarb, seinen letzten Lebensabschnitt in einem Hospiz verbrachte. „Er hat sich dort richtig wohl gefühlt.“

Damit das Projekt gelingen kann, hat sich der vor zwei Jahren gegründete Verein „Sibilla Hospiz Bödingen“ mit der Reinold Hagen-Stiftung einen Investor ins Boot geholt, der sieben Millionen Euro in den Bau des dreigeschossigen Gebäudes investieren wird. „Das ist ein großartiges Projekt, das wir wirklich mit Herzblut unterstützen“, sagte Stefan Hagen, Vorstandsvorsitzender der Reinold Hagen-Stiftung.

Architekt Eberhard Heider präsentierte die konkreten Pläne für das Haus, das auf insgesamt 2200 Quadratmetern Wohn-und Nutzfläche Platz für 16 Gäste sowie Angehörige und Personal bieten soll. „Zudem wird es ein Wohnzimmer, ein Café, eine großzügig gestaltete Küche, ein Wellness-Bad und einen geräumigen Lichthof geben“, sagte Heider. Der Lichthof soll auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Nur das Erdgeschoss wird massiv sein, der Rest des Hauses wird aus Holz gebaut. Erdwärme-Heizung, 24 Pkw- und zehn Radstellplätze runden das Angebot ab. „Die Bauanträge sind gestellt, in drei Jahren könnte das Hospiz stehen“, sagte Heider. 30 ausgebildete Vollzeitkräfte sowie bis zu 50 geschulte Ehrenamtliche werden sich um die Gäste und ihre Angehörigen kümmern.

Hospiz soll in Bödingen entstehen

Betrieben wird das Hospiz von dem Verein, der sich nach Sibilla Brombach benannt hat, einer Pionierin der Hospizbewegung. Sie gründete gemeinsam mit ihrem Mann Josef und zahlreichen Mitstreitern 1990 ein kleines Hospiz mit acht Betten neben ihrem Wohnhaus. Daraus wurde später ein größeres Pionierprojekt der deutschen Hospizbewegung, das heutige Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem. Der Verein „Sibilla Hospiz Bödingen“ besteht zurzeit aus 50 Mitgliedern, zu dem auch Hospiz-Fachleute und Palliativ-Mediziner wie Tobias Brombach gehören. „Jeder Mensch ist bei uns willkommen, wir arbeiten unabhängig und überkonfessionell“, sagte Vereinsgeschäftsführer Michael Ziegert. Das künftige Hospiz in Bödingen soll das bestehende Angebot ergänzen. Neben dem Elisabeth Hospiz in Lohmar-Deesem und dem Sankt Clara Hospiz in Troisdorf ist es dann das dritte Haus im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

„Zudem kooperiert der Verein mit Krankenhäusern und dem Hennefer Hospiz-Verein „Lebenskreis“. Laut Willi Fuchs werden die Gäste kostenlos in dem Hospiz wohnen. „95 Prozent der Kosten übernehmen die Krankenkassen. Der Verein geht allerdings davon aus, dass jedes Jahr für den Rest der Kosten ein sechsstelliger Betrag über Spenden finanziert werden muss“, sagte Fuchs und baut dabei auf die Unterstützung der Menschen.

Mehr von GA BONN