Weltweites Erfolgsmodell: Idee der Jugendherberge wurde in Hennef geboren

Weltweites Erfolgsmodell : Idee der Jugendherberge wurde in Hennef geboren

Ein Unwetter zwang 1909 den Lehrer Richard Schirrmann, mit seiner Klasse in der Dorfschule in Hennef-Bröl zu übernachten. In der Notunterkunft kam ihm die Idee, leere Schulen als Herbergen einzusetzen. Der Beginn eines weltweiten Erfolgsmodells.

Wer sich auf der Bröltalstraße von Hennef Richtung Bröl begibt, kennt das Gebäude auf der linken Seite und weiß vielleicht, dass dort die Richard-Schirrmann-Förderschule sitzt, die vor knapp 41 Jahren ihren Betrieb aufnahm. Eventuell ist sogar bekannt, dass es sich dabei um die ehemalige Bröler Dorfschule handelt, die laut Recherchen des Heimatforschers Helmut Fischer im Jahr 1865 erbaut wurde.

Nur wenige dürften allerdings wissen, dass Richard Schirrmann (1874-1961), Lehrer und Namensgeber der Förderschule, dort die Idee für eine Jugendherbergsbewegung kam. In der damaligen Dorfschule fanden er und eine Schülergruppe einst Zuflucht, als während einer Wanderung ein Unwetter losbrach.

Am Samstag, 16. März, begibt sich Michael Laska, Vorsitzender des Fördervereins des Kaldauer Pfadfinderstamms „Exodus“, auf die Spuren des Dorfschullehrers Schirrmann und bietet eine Wanderung an, bei der die Förderschule ein Haltepunkt sein wird.

Und das nicht zum ersten Mal. „Es sind immer zwei Themenwanderungen pro Jahr, die wir organisieren. Immer im Frühjahr und im Herbst“, sagt Laska. Die letzte Wanderung drehte sich um Heinrich Böll, die übernächste wird sich mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Gründer der genossenschaftlichen Bewegung, beschäftigen. Am Samstag wird allerdings das Wirken von Richard Schirmann beleuchtet.

„Als Anhänger des Anschauungsunterrichts nahm Schirrmann seine Schulklassen häufig mit auf Ausflüge und Wanderungen, die manchmal mehrere Tage dauerten“, sagt Laska. Normalerweise habe Schirrmann bei den Schülerwanderungen zumeist Bauernhöfe als Unterkunft genutzt, weiß der Vorsitzende. Bei einem dieser Ausflüge, am 26. August 1909, geriet die Gruppe in ein schweres Gewitter und fand Zuflucht in der Bröler Dorfschule.

Bauer gab Stroh für Lagerstätten

Elfriede Gerling, Ehefrau des damaligen Schulleiters, ließ sie schließlich in einem Klassenzimmer übernachten, denn es waren zu diesem Zeitpunkt Sommerferien. „Somit war Elfriede Gerling die erste Herbergsmutter der Welt“, sagt Laska. Ein Bauer gab der Wandergruppe schließlich Stroh für ihre Lagerstätten und etwas Milch fürs Abendessen.

Während die Schüler schliefen, dachte Schirrmann darüber nach, wie gut sich deutsche Schulen doch während der Ferien als Unterkünfte eigneten. „Zwei Klassenzimmer genügen, eins für Buben, eins für Mädel“, schrieb Schirrmann später in einem Aufsatz und legte die grundlegende Idee für Volksschulherbergen dar.

„Die Bänke werden teilweise übereinander gesetzt. Das gibt freien Raum zur Aufstellung von 15 Betten. Jede Lagerstatt besteht aus einem straff mit Stroh gestopften Sack und Kopfpolster, zwei Betttüchern und einer Wolldecke. Jedes Kind wird angehalten, seine Lagerstatt wieder fein säuberlich in Ordnung zu bringen“, fügte Schirrmann hinzu.

In jener Nacht in Bröl kam Schirrmann der Gedanke, die in den Ferien leerstehenden Schulen als Herbergen der wanderlustigen Jugend zur Verfügung zu stellen. Zwar hatte er bereits 1907 probeweise in einer Schule in Altena die erste Jugendherberge der Welt eingerichtet. Die Geburtsstunde der weltweiten Jugendherbergsbewegung war aber in Bröl. Schirrmann gründete wenig später das Deutsche Jugendherbergswerk.

Gedenktafel lässt Geschichte der Unwetternacht Revue passieren

Dass die nach ihm benannte Förderschule dieser wegweisenden Idee nach wie vor Rechnung trägt, davon kündet eine Gedenktafel vor Ort, die in wenigen Sätzen die Geschichte der Unwetternacht Revue passieren lässt und auch Elfriede Gerlings Verdienste würdigt. Derzeit werden an der Richard-Schirrmann-Schule 89 Schüler von 24 Pädagogen unterrichtet. Nebenstandorte in Siegburg-Zange werden von 48 sowie in Eitorf-Irlenborn von 12 Schülern besucht.

Am Samstag treffen sich die Wanderer um 10 Uhr an der Kaldauer Liebfrauenkirche, Antoniusweg 1, mit Michael Laska, um sich auf einen zwölf Kilometer langen Teilabschnitt des Richard-Schirrmann-Wanderwegs zwischen Kaldauen und Bröltal zu begeben. „Interessierte können aber auch einfach am Samstag zur Kirche kommen“, sagte Laska. Die Teilnahme kostet 20 Euro pro Person, es sollte Rucksackverpflegung mitgebracht werden.

Anmeldungen an michael.laska@t-online.de.