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Hundetherapie im Hennefer Kurhaus-Residenz: Hunde zaubern ein Lächeln aufs Gesicht

Hundetherapie im Hennefer Kurhaus-Residenz : Hunde zaubern ein Lächeln aufs Gesicht

Für den französischen Philosophen Voltaire stand fest, "der Hund ist der beste Freund des Menschen". Dass daran ganz viel dran ist, machen sich heute Therapeuten zu Nutze, wenn sie etwa mit demenziell erkrankten oder behinderten Menschen arbeiten. Und sogar Menschen, die im Wachkoma leben, reagieren darauf, wenn sie einen Hund berühren.

In der Hennefer Kurhaus-Residenz arbeiten Therapeuten schon länger mit Therapiehunden. Angefangen hat es bereits 2010 nach einer Geldspende durch die Hennefer Bürgerstiftung mit der Golden-Retrieverhündin Luna, die allerdings inzwischen verstorben ist. Jetzt geht es alle 14 Tage weiter mit den Retrievern Maya und Nino, die der Hundeausbilderin Susanne Schatulat aus Bendorf gehören. Retriever sind für solche Zwecke besonders geeignet, weil sie den "will top lease", den Willen zu gefallen, besitzen, erzählt Kerstin Müller. Die junge Frau ist die Leiterin des sozialtherapeutischen Dienstes in der Senioreneinrichtung. Und Schatulat ergänzt, dass auch das goldene Fell der Hunde den Kontakt zu den Menschen erleichtert. Denn vor schwarzen Hunden haben gerade ältere Menschen oft Angst.

"Vielen Menschen liegen Tiere und besonders Hunde am Herzen", sagt Müller. "Und gerade bei Menschen mit Demenz ist es besonders wichtig, dass sie die Wärme, das Zutrauen und die Zuwendung der Hunde spüren. Es beruhigt sie und tut ihnen gut", weiß sie um die Wirkung der Hunde auf erkrankte Menschen.

Es sind generell alte Leute, die in der "Luna"-Gruppe 14täglich Kontakt mit den Hunden haben. Aber auch stark demenziell erkrankte Bewohner des Seniorenheims aus dem sogenannten geschützten Bereich kommen mit in die Gruppe. Geschützter Bereich heißt, dass die Bewohner dort nicht alleine herauskommen, denn sie sind so desorientiert, dass sie nicht mehr zurückfinden würden.

In der Stunde mit Sabine Matulat werden nun keine Zirkusnummern vorgeführt. Sie bekommen mal ein Leckerchen, sie reagieren auch auf ein Kommando wie "sitz" oder "Platz" oder sie sitzen gar mal auf einem Stuhl neben einem Gruppenmitglied und lassen sich einfach nur streicheln. "Die Hunde haben eine sehr feinfühlige Art, sich auf die Schwächen der Menschen einzustellen", sagt Müller, "sie nehmen sich zurück in ihrem Temperament."

Das wirkt, hat Müller festgestellt. "Da ist plötzlich ein Lächeln auf dem Gesicht wie dahin gezaubert, und auch sehr unruhige Menschen werden entspannt." Selbst auf der Wachkoma- und Beatmungsstation werden Therapiehunde eingesetzt. "Da sieht man sehr klar, was passiert", freut sich Kerstin Müller. Die Reaktionen der Menschen seien zwar minimal, es bewege sich manchmal nur ein Finger, aber es sei "einfach imposant und schön", wenigstens das zu sehen. "Das ist eine sehr dankbare Aufgabe, die Bewohner nehmen das Angebot gerne an."

Die Ausbildung der Hunde ist jedenfalls außerordentlich aufwendig. Nicht allein die Kosten von rund 4000 Euro pro Hund schlagen zu Buche, es dauert auch zwei Jahre, bis die Tiere zum Therapiebegleithund ausgebildet sind. Und der Führer oder die Führerin braucht ein "medizinische Grundqualifikation", sagt die gelernte Krankenschwester Schatulat weiter, um die jeweiligen Situationen richtig einschätzen zu können.

So ist Nino, zweieinhalbjährig, noch so ein wenig dynamisch, "fordernd und schmusig", lacht Sabine Schatulat. Damit könne sie nur zu Erkrankten gehen, die das aushalten. Maya (5) hingegen hat ein sehr ausgeprägtes Gespür für ihr Gegenüber und wird etwa bei Patienten eingesetzt, die eine "Weglauftendenz" haben.

Die Wirkung der Tiere ist jedenfalls messbar, erklärt Schatulat. "Der Puls geht runter, der Blutdruck sinkt, und der Mensch entspannt, das ist objektiv messbar" sagt sie. Und viele Patienten freuen sich nach der Stunde mit den Hunden darüber, dass ihre Schmerzen wenigstens für eine Zeit verschwunden sind.

Weitere Informationen zu den Therapiehunden finden sich unter www.caredogs.de.