Wachhund rettete ihr das Leben: Holocaust-Überlebende Dreifuss spricht in Hennef

Wachhund rettete ihr das Leben : Holocaust-Überlebende Dreifuss spricht in Hennef

Tamar Dreifuss überlebte auf wundersame Weise den Holocaust. Über ihre Geschichte sprach sie bereits zum fünften Mal an der Gesamtschule in Hennef.

Sehr still wurde es am Dienstagmittag in der Mensa der Gesamtschule Meiersheide, als Tamar Dreifuss beginnt, ihre Geschichte zu erzählen. Es sind die Erlebnisse einer Frau, die es geschafft hat, als Kind auf wundersame Weise den Holocaust zu überleben. Auf Einladung der Schule war die 80-Jährige bereits im fünften Jahr in Folge nach Hennef gekommen, um zum Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, der sich am vergangenen Sonntag zum 74. Mal jährte, vor 180 Fünftklässlern von ihren Erlebnissen zu berichten. Als Grundlage ihres Vortrags diente ihr Buch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944: Ein jüdisches Mädchen überlebt den Holocaust in Osteuropa“.

Behutsam führte Dreifuss die Schüler in die Zeit der NS-Diktatur, ohne sie dabei zu überfordern. Die pensionierte Pädagogin wurde 1938 in der litauischen Stadt Wilna geboren und erlebte die Gräuel des Holocausts am eigenen Leib, erzählte sie. So musste sie als kleines Mädchen ihre Familie verlassen und wurde bei einer Tante versteckt. Ihre Mutter und andere Verwandte fanden Zuflucht in einem Nonnenkloster.

Als die Nazis das Kloster auflösten, landete sie mit ihrer Familie im Ghetto von Wilna. Ihre Großeltern fielen Massenerschießungen zum Opfer, ihr Vater starb im Konzentrationslager. Tamar und ihre Mutter wurden in Viehwaggons in ein Übergangslager nach Estland deportiert. Mehrere Fluchtversuche von Mutter und Tochter misslangen.

Auf Bauerngütern durchgeschlagen

Nach der Reise im Lager angekommen, mussten die Häftlinge duschen. Ihre Mutter habe sich danach auf einen Wäscheberg gestürzt und sich ein schickes Kostüm und ihrer Tochter ein Kleid angezogen. „Den gelben Judenstern hat sie von der Kleidung entfernt“, erinnerte sich Dreifuss. Dann sei ihre Mutter mit ihr an der Hand aus dem Lager gegangen. „Aufrecht und stolz war meine Mutter. Sie sah nicht wie eine Gefangene aus. Vermutlich konnten wir deshalb passieren“, sagte die 80-Jährige.

Mit ihren Russischkenntnissen habe sich die Mutter mit ihr bis zum Kriegsende auf Bauerngütern durchgeschlagen. Bei einem Bauern versteckten sie sich in der Hütte des Wachhundes Tigris vor litauischen Partisanen und teilten sich mit ihm das Essen. „Dieser Hund hat uns das Leben gerettet“, so Dreifuss.

„Haben sie damals viel geweint“? wollte ein Schüler bei der anschließenden Fragerunde wissen. „Oh ja“, sagte Dreifuss und appellierte an die Schüler: „Ihr müsst Euch gegen den Antisemitismus stellen. So lange es Demokratie gibt, besteht Hoffnung und die Hoffnung stirbt zuletzt“. Am Ende sang sie mit den Jungen und Mädchen das israelische Volkslied Lied „Hevenu Shalom Alechem (Wir wollen Frieden für alle)“.

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