Tierrettung dauerte die ganze Nacht: Hennefer Feuerwehr rettet Karpfen vor dem Tod

Tierrettung dauerte die ganze Nacht : Hennefer Feuerwehr rettet Karpfen vor dem Tod

Die Freiwillige Feuerwehr hat eine Million Liter Wasser in einen Teich voller Karpfen gepumpt, dem aufgrund der Hitze der Sauerstoff auszugehen drohte. Die Aktion lief die ganze Nacht und dauerte am Montag an.

Glücklicherweise sind Karpfen und Schleihen anpassungsfähige und robuste Fischarten. Sonst wären wohl mehr als die rund 60 verendet, die die Eigentümerin eines Teiches am Gut Zissendorf am Sonntagabend aus dem Wasser geholt und dann die Feuerwehr alarmiert haben.

Stadtbrandinspektor Uwe Faber rief eine „akute Gefährdung“ der Tiere aus und alarmierte die Löschgruppe Söven, die als eine von zwei Feuerwehrtruppen im Rhein-Sieg-Kreis darauf spezialisiert ist, Wasserleitungen auf langen Wegstrecken zu legen. Aus bis zu fünf Kilometern Entfernung können die Männer das Wasser zu jedem beliebigen Punkt liefern – in diesem Fall aus der etwa 1500 Meter entfernten Sieg.

Aufgrund der langen Hitze- und Trockenperiode war der Wasserstand in dem Teich gefährlich niedrig geworden. „Der Wolfsbach, aus dem der Teich wohl gespeist wird, trägt ja schon seit Wochen kein Wasser“, so der Einsatzleiter und stellvertretende Löschgruppenführer Matthias Moore. Noch in der Nach wurde die lange Schlauchleitung gelegt und das Wasser aus der Sieg über zwei Verstärkerpumpen in den Teich geleitet. Die Aktion dauerte für die vier Einsatzkräfte die ganze Nacht an.

Am Morgen wurden sie von vier weiteren Kameraden ersetzt. „Alle Männer arbeiten während ihres Sommerurlaubs“, betont Moore. Der Einsatz wird der Eigentümerin des Teiches wohl nicht in Rechnung gestellt, so Moore. „Es geht ja um Tierrettung. Dennoch ist eine absolute Ausnahme. Denn letztlich sind die Eigentümer selbst für ihre Teiche und die Fische darin verantwortlich.“ 800 Liter Wasser schießen pro Minute aus dem Schlauch. „Am Ende werden es gut eine Million Liter sein, die wir da reingeführt haben“, schätzt Moore.

Der etwa 200 Jahre alte und knapp 5000 Quadratmeter große Teich gehört zum Gut Zissendorf. Nach Auskunft der Eigentümerin des Teiches werde dieser schon lange nicht mehr bewirtschaftet. Vor Jahrzehnten seien mal jeweils 200 Karpfen und Schleie eingesetzt worden, die sich seitdem ohne Entnahme fortgepflanzt haben. Die heutige Anzahl der Fische sei nicht genau bekannt. Moore schätzt, dass darin jeweils rund 400 Karpfen und Schleie schwimmen.

Karpfen brauchen verhältnismäßig wenig Sauerstoff

Schon bei der Hitzeperiode im Juni hätten rund 30 tote Karpfen aus dem Teich geborgen werden müssen. Aktuell war der Teich an den tiefsten Stellen auf einen Wasserstand von nur noch rund 30 Zentimetern abgesunken, teilweise deutlich weniger. Die Rücken der Karpfen ragten schon aus dem Wasser. Problem war wohl weniger, dass der See „umgekippt“ sei, als vielmehr der niedrige Wasserstand. Karpfen brauchen verhältnismäßig wenig Sauerstoff.

Falls das Wasser mal zu wenig Sauerstoff hat, kann man beobachten, wie Karpfen ihr Maul aus dem Wasser strecken und dort nach Luft schnappen. Ähnlich verhält es sich mit Schleie. Der sogenannte Grundfisch hält sich meist in Ufernähe auf. Ihr bevorzugter Lebensraum sind stark bewachsene Stellen in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, und sie lieben dichten Pflanzenbewuchs und Schlammgrund.

Die Löschgruppe Söven war bereits im April bei einem spektakulären Einsatz dabei: Da ging es um das Überleben der Knoblauchkröte. Der Rhein-Sieg-Kreis und der Nabu ließen zwei Maare in Swisttal-Miel mit Wasser füllen.

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