Hennef: Trio wegen räuberischer Erpressung vor Gericht

Frauen als Lockvogel eingesetzt : Hennefer Trio wegen räuberischer Erpressung vor Gericht

Zwei Frauen und ein Mann aus Hennef stehen wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Bonner Landgericht. Die beiden Frauen sollen als Lockvögel einen jungen Mann in eine Falle gelotst haben.

"Ansprechen auf eigene Gefahr" stand auf dem Kapuzenpulli der 20-jährigen Angeklagten zu lesen. Und in große Gefahr hatte sich ein 24-jähriger Schlosser begeben, als er sich am Abend des 27. Juli 2017 mit einer mitangeklagten 19-Jährigen auf dem Parkplatz eines Hennefer Einkaufszentrums verabredete.

Die beiden Frauen sollen eine Lockvogel-Falle aufgebaut haben, in deren Verlauf der Mann krankenhausreif geschlagen wurde, lautet der Vorwurf gegen die beiden Frauen.

Seit Freitag stehen sie wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Bonner Landgericht. Mit angeklagt ist ein 26-jähriger Mann. Er muss sich zusätzlich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Nachdem sich zunächst die 19-Jährige und im Anschluss auch der Mann und die 20-Jährige zum Geschehen einließen, folgte die Überraschung: Den Angriff soll nicht der Angeklagte, sondern ein anderer Mann begangen haben.

Relativ unstrittig ist die Ausgangssituation: Die beiden jungen Frauen sollen sich am Abend mit drei männlichen Bekannten in der Hennefer Wohnung eines der Männer getroffen haben. Offenbar hat auch Drogenkonsum eine Rolle gespielt. Dann soll die Rede auf den 24-Jährigen gekommen sein, der der 20-Jährigen noch fünf Euro geschuldet haben soll.

Treffen auf dem Parkplatz eines Möbelhauses in Hennef

Schnell wurde beschlossen, dass sich die 19-jährige als Lockvogel per Facebook-Nachricht mit diesem verabreden solle. Der junge Mann ging auf den Verabredungswunsch ein, und man traf sich am späten Abend auf dem Parkplatz eines Hennefer Möbelhauses. Während die beiden dann in Richtung einer Schule spazierten, soll die 20-Jährige plötzlich dazugestoßen sein und ihre Forderung geltend gemacht haben.

Auf dem Schulhof soll dann plötzlich ein dunkel gekleideter Mann mit einem Messer auf den 24-jährigen Schlosser zugestürmt sein und diesen hinter einen Container gezogen haben. Die Frauen traten daraufhin den Rückzug an, angeblich aus Angst. Hinter dem Container wurde der Schlosser nun von dem Angreifer ausgeraubt: Nachdem er seine Brieftasche, sein Handy und seine Jacke abgezogen hatte, verlangte der Angreifer auch noch dessen Hose.

Weil der Schlosser sich weigerte, schlug er ihn brutal zusammen. Der Angegriffene wurde ohnmächtig und wachte erst nach über vier Stunden im Morgengrauen wieder auf. Nicht der 26-Jährige, sondern ein anderer der männlichen Bekannten solle die Tat begangen haben, sagten die Angeklagten aus. Der Mann auf der Anklagebank habe von diesem nach der Tat allerdings die Brieftasche des Opfers erhalten. Mit dessen Ausweis habe er dann auf dessen Namen einen Kredit beantragt. Der von dem Trio Belastete ist der Justiz nicht unbekannt: Er sitzt derzeit wegen einer Axtattacke auf zwei Jugendliche auf dem Gelände des alten Bonner Schlachthofs in Haft.

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