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Feierstunde in Hennef: Grauen einer dunklen Zeit

Feierstunde in Hennef : Grauen einer dunklen Zeit

"Hewenu Shalom alejchem - Wir wollen Frieden für alle" lautete das letzte Lied, das am Dienstagabend in der Geistinger Kirche Sankt Michael erklang.

Der Ökumenekreis Hennef, bestehend aus Vertretern der katholischen und evangelischen Gemeinden in Hennef, hatte am Abend zu einer Feierstunde in die Pfarrkirche an der Kurhausstraße eingeladen, um wie jedes Jahr der Zerstörung der Geistinger Synagoge im Jahr 1938 und der deportierten und ermordeten jüdischen Bürger Hennefs zu gedenken.

Nach der Feierstunde, die von Musik und der Lesung ergreifender Texte der jüdischen Schriftstellerin Ruth Klüger geprägt war, gingen die Gäste mit Kerzenlichtern zur Gedenkstätte der Synagoge an der Bergstraße, die vor 15 Jahren eingerichtet wurde, um in stillem Gedenken an die Hennefer Opfer der Naziherrschaft innezuhalten.

Sie war ein Symbol und das Zentrum des jüdischen Lebens in Geistingen: die Synagoge, die 1862 auf einem Grundstück zwischen Berg- und Sövener Straße errichtet wurde. Am 10. November 1938 brannte das Gebäude im Zuge des Naziterrors und der Novemberpogrome bis auf die Grundmauern nieder. Die männlichen Juden der Gemeinde wurden verhaftet. Sie und ihre Angehörigen, rund 60 Bürger jüdischen Glaubens, kamen in den folgenden Jahren ums Leben.

An der Ruine halten seit einigen Jahren mehrere Gedenksteine die Erinnerung wach. Seit dem Jahr 2000 ist die Fläche, wo einst die Synagoge stand, offiziell eine Gedenkstätte und seit 15 Jahren gibt es auch den alljährlichen Gang des Gedenkens, bei dem die Hennefer sich noch einmal die Zerstörung des Gotteshauses und die Ermordung der jüdischen Mitbürger in Erinnerung rufen. So wie am Dienstagabend, als sich zahlreiche Gäste zunächst zu einer Feierstunde des Ökumenekreises in der Geistinger Sankt Michael-Kirche trafen.

Kurze Ansprachen hielten der evangelische Pfarrer Niko Herzner und sein katholischer Kollege Christoph Jansen. "Das Gedenken erinnert uns an unsere Verantwortung", sagte Herzner und warnte vor dem rechtspopulistischen Gedankengut, das im Zuge der Flüchtlingsthematik wieder gegenwärtig sei.

Mit Lesungen aus Texten des Buches "Weiter leben" der Autorin Ruth Klüger ließ der Ökumenekreis dann ein Opfer des Naziterrors zu Wort kommen. Die 1931 in Wien geborene und heute in Kalifornien lebende Schriftstellerin beschreibt in dem Buch ihre schrecklichen Erfahrungen in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz, die sehr nachdenklich stimmten. Im Schein von Kerzenlicht hatten die Gäste an der Gedenkstätte zum Abschluss noch einmal Gelegenheit, innezuhalten und der Hennefer Opfer der Naziherrschaft zu gedenken.