Internet in Hennef: Freies Netz für jedermann

Internet in Hennef : Freies Netz für jedermann

Die Freifunk-Community in Hennef versorgt Jugendzentren, Unterkünfte und Cafés mit WLAN

Die Freifunk-Karte im Internet ist gespickt mit kleinen roten Punkten. Besonders viele tummeln sich am Hennefer Jugendpark, und auch an der Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle des Berufskollegs ist einiges los. Die Momentaufnahme zeigt: Viele Menschen nutzen den Freifunk in Hennef und surfen damit über öffentliche Verbindungen kostenlos im Internet – ohne Registrierung oder Anmeldung. Seit gut einem Jahr gibt es in der Stadt eine Freifunk-Community. Zur Kerntruppe gehören Chris (28), Jean (29) und Caspar (42). Die Idee: Ein nicht-kommerzielles freies Netzwerk von Bürgern für Bürger zu schaffen. Das Wort „gratis“ hören die drei Hennefer dabei gar nicht gerne. „Es geht um mehr als nur kostenloses Internet“, erzählt Chris. „Es geht um die Menschen, darum, Wissen weiterzugeben und dass viele mitmachen“, sagt der 28-Jährige. Deshalb wollen die drei Hennefer nicht im Vordergrund stehen – ihre Nachnamen sind unwichtig, Fotos auch. „Wir sind wie die anderen auch nur Teil der Community.“

Und die Gemeinschaft wächst und wächst: Mehr als 160 Router sind in der gesamten Stadt bereits aktiv. Privathaushalte oder Geschäftsleute betreiben sie und versorgen so Bushaltestellen, Jugendzentren oder Cafés. Seit Oktober ist auch die Notunterkunft in der Halle des Berufskollegs vernetzt, damit die Flüchtlinge mit ihren Familien Kontakt aufnehmen können. „Wir sind jetzt gerade dabei, auch kleinere Flüchtlingseinrichtungen anzuschließen“, sagt Chris. Grundsätzlich sollen die Bürger die Technik aber selbst einrichten. Die Freifunker leisten Hilfe zur Selbsthilfe.

Angefangen hat alles ganz spontan: Im Februar 2015 erzählt Chris seinem Kumpel Jean vom Freifunk. „Noch am selben Tag haben wir eine Subdomain registriert“, sagt Chris. Bis zum Herbst organisieren die beiden alles allein. „Die ersten Monate waren echt heftig“, erzählt Jean. Auch weil der Freifunk kein leichtes Thema ist, selbst für Technikinteressierte. Chris: „Man muss erst mal wissen: Die Struktur des Freifunks ist, dass er keine Struktur hat.“ Inzwischen haben sie den Verein Freie Netzwerker gegründet, in dem zehn feste Mitglieder organisiert sind. Weitere 18 Fördermitglieder unterstützen ihn. „Wer freifunken will, muss aber nicht Vereinsmitglied werden“, sagt Chris.

Aufkleber zeigen in der Stadt, wo es überall Freifunk gibt. Einer davon klebt am Fenster der Gaststätte „Zum Alten Turm“ in Stadt Blankenberg. „Für mich persönlich ist es gut, dass ich aus der Haftung raus bin“, sagt Inhaber Franz Drecker. Er habe seinen Gästen vorher sein privates Internet zur Verfügung gestellt. „Aber die haben dann auch schon mal meine Musik verstellt“, sagt Drecker. Das ist mit dem Freifunk nicht mehr möglich. Denn das private und das öffentliche Netz sind komplett voneinander getrennt. „Wir gehen nicht direkt beim Anschlussinhaber ins Netz, sondern über die Server des Freifunks Rheinland, der als Provider bei der Bundesnetzagentur gemeldet ist“, erklärt Chris. Das läuft über einen virtuellen Tunnel. Der Vorteil: Die Anschlussinhaber können nicht ermittelt werden. Sie haften damit auch nicht, sollte ein Nutzer Schindluder über das Freifunk-Netz treiben. Die sogenannte Störerhaftung greift nicht. „Das ist schon praktisch“, sagt Franz Drecker, der sich noch mehr Freifunker in Blankenberg wünscht. „Es ist eine gute Sache, und die 20 Euro für einen Router hat jeder.“ Überzeugt vom Angebot ist auch die Stadtverwaltung, die ebenfalls Teil der Community ist. Sie hat etwa das Rathaus und die Stadtbibliothek vernetzt. Die Sicherheit liegt dabei beim Nutzer. Sprich: Jeder muss selbst wissen, was er im freien Netz tut.

Für die Zukunft können sich Chris, Jean und Caspar auch vorstellen, Sehenswürdigkeiten einzubeziehen oder Wanderungen wie den Kindererlebnisweg in Stadt Blankenberg. „Im Moment muss man die Anleitung dazu vorher runterladen“, sagt Caspar. Ein weiteres großes Thema: der Richtfunk, damit weite Strecken überbrückt werden können. Damit auf Dauer möglichst viele der 122 Hennefer Orte vernetzt sind, hofft die Community auch auf weitere Mitstreiter – und Förderer. „Wir sind glücklich, wenn auf der Karte weitere Router dazukommen“, sagt Jean. „Es ist einfach wichtig, dass Leute mitmachen.“