Das letzte Abendmahl: Erntedankteppich in Hennef enthüllt

Das letzte Abendmahl : Erntedankteppich in Hennef enthüllt

27 Quadratmeter ist er groß und zeigt mit dem letzten Abendmahl ein Motiv, das aus einem römischen Messbuch von 1907 stammt. Die Rede ist von einem Erntedankteppich, den insgesamt 14 Männer, Frauen und Jugendliche in akribischer und detailverliebter Arbeit während der vergangenen vier Wochen in der Hennefer Pfarrkirche Sankt Simon und Judas geschaffen haben.

Der Clou: Das riesige Bild, das Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl zeigt, wurde aus 40 Kilogramm getrockneten Gräsern, Körnern, Kräutern und Blüten geschaffen, die auf Folien mit dem darauf projizierten und vergrößerten Motiv ausgelegt wurden. Der Teppich wird während des Erntedankmesse am 6. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert und bis zum ersten Advent den Boden des Gotteshauses zieren.

"Ich hatte in den 90er Jahren in einer Zeitung ein Foto entdeckt, das einen Erntedankteppich in Bayern zeigte. Vor drei Jahren fiel mir dieser Artikel wieder in die Hände und so kam mir die Idee, zum Erntedankfest auch in unserer Kirche einen solch prachtvollen Teppich zu präsentieren", erzählt Hans-Josef Lahr, Kreisdechant und Gemeindepfarrer.

2017 einmalig an die Arbeit gemacht

2017 machten sich zum ersten Mal fleißige Helfer aus der Gemeinde an die Arbeit und kreierten den ersten Erntedankteppich für die Pfarrkirche. "Das ist nun der dritte Teppich in Folge, der entstanden ist", sagt Lahr. "Der erste Teppich war mit einer Größe von etwa sechs Quadratmetern noch sehr viel kleiner", fügt der Kreisdechant hinzu. Der zweite sei dann schon größer geworden und der neue Teppich nimmt mit 27 Quadratmetern schon eine ziemliche Bodenfläche in der Kirche ein. "Das Motiv habe ich im alten römischen Messbuch Missale Romanum entdeckt", so Lahr.

Das Bild des letzten Abendmahls stammt von einem unbekannten Künstler und ist in dem Buch in DIN-A4-Größe zu finden. "Dieses Bild wurde auf Folie projiziert, vergrößert, in zwölf Raster eingeteilt und zerschnitten", erläutert Lahr. Danach machten sich die Gemeindemitglieder an die Arbeit, zeichneten mit einem schwarzen Stift sämtliche Konturen nach, die sie später mit Rapssamen versahen.

Der Teppich wurde anschließend laut Gemeindemitglied Arlette Kriebs aus 40 Kilogramm getrockneten Gräsern, Körnern, Bohnen, Linsen, Senfkörnern, Rapskörnern, Bulgur, Kornblüten und Lavendel, Sämereien sowie Nüssen, Blüten, Kräutern und Traubenkernen gelegt.

Bereits der zweite Teppich

Als Werkzeuge kamen Handstaubsauger, Pinsel in verschiedenen Größen, Röhrchen, Löffel und Schüttschiffchen zum Einsatz, also Hilfsmittel, die man eigentlich bei einem so filigranem Legen nicht vermuten würde. "Wir kleben die getrockneten Gräser und Körner nicht auf, sondern legen sie lose, sodass wir später alles wieder aufsaugen, trennen, verpacken und im nächsten Jahr erneut verwenden können", sagt Kriebs.

Vor allem die Tatsache, dass der Teppich ein generationsübergreifendes Gemeinschaftsprojekt war, bei dem junge und alte Gemeindemitglieder viele Stunden zusammenarbeiteten, hat etwas Besonderes. "Das ist bereits der zweite Teppich, an dem ich mitgearbeitet habe und auch im kommenden Jahr werde ich wieder dabei sein", sagt Renate Hagen, die mit 74 Jahren die älteste Erntedankteppich-Künstlerin im Team ist.

Aber auch Mira Al-Khalil, die gerade einmal zwölf Jahre alt ist, machte die Arbeit an dem Teppich viel Spaß. "Es ist richtig schön, an einem solchen Bild mitwirken zu können", sagt das jüngste Teammitglied.

Fertiger Teppich kann ab Sonntag bewundert werden

Am Sonntag, 6. Oktober, kann der fertige Teppich ab 11 Uhr während der Erntedankmesse in der Pfarrkirche Sankt Simon und Judas bewundert werden.

Im Anschluss an die Messe kocht Pater Shaji im Pfarrzentrum gemeinsam mit indischen Familien verschiedene indische Gerichte. "Der Erlös kommt unserem Missionsprojekt, dem Kindergarten der Sankt Thomas Schule im indischen Kuchinda, zugute", sagt Arlette Kriebs.

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