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Kooperation zwischen Hennef und Königswinter: Eine Ritterburg für zwei Vereine

Kooperation zwischen Hennef und Königswinter : Eine Ritterburg für zwei Vereine

Die Große Geistinger KG aus Hennef und die KG Neues Rauschendorf aus Königswinter nutzen für ihre Karnevalszüge am Sonntag und Montag gemeinsam einen Mottowagen.

Letzte Hand legt Udo Wichartz, Vorsitzender der KG „Neues Rauschendorf“, an einen Mottowagen an, der in einer Halle der Fensterfirma von Bernd Schmitz in Rauschendorf steht. Wochen hat es gedauert, bis ein zehnköpfiges Team, darunter Schreiner- und Karosseriebaumeister, auf den zwölf Meter langen Anhänger, ein wahres Kunstwerk zauberten, das als Mottowagen am Karnevalssonntag den Rauschendorfer Zug bereichern wird. Der Clou: Die Ritterburg dient nicht nur den Rauschendorfer Karnevalisten, sondern wird, mit anderen Schildern versehen, als Prinzenwagen der Großen Geistinger KG, auf dem Prinz Christoph I. und Anja I. (Morell), thronen werden, beim Hennefer Rosenmontagszug zu sehen sein.

„Es wurde in den vergangenen Jahren immer schwieriger, einen Motto- oder Prinzenwagen zu bauen“, sagte Jörg Reinhardt, Geschäftsführer der Großen Geistinger KG. Zwar wäre es der Karnevalsgesellschaft jedes Jahr gelungen, einen schönen Wagen auf die Räder zu stellen, es fehlte aber an Zeit, an Know-how, an Werkzeugen und an einer vernünftigen Halle. „Wir haben in einer Fahrzeughalle bei einem Bauern in Geistingen gearbeitet. Leider gab es dort weder Licht noch eine Heizung“, erinnert sich Reinhardt, der 2011 Hennefer Prinz war.

Motto wird abgestimmt

Vor zwei Jahren entstand die Idee, den Wagenbau auszulagern. Initialzündung seien Gespräche zwischen Andreas Flöhl, 1. Kassierer der Großen Geistinger KG, und Udo Wichartz gewesen. Die beiden Arbeitskollegen entwickelten eine Idee, die für beide Karnevalsvereine Vorteile hat. „Da wir seit ein paar Jahren unsere Mottowagen selbst bauen, kam die Idee, dass doch beide Vereine den Wagen nutzen können, da unser Zug am Karnevalssonntag und der Hennefer Zug am Rosenmontag ist“, sagte Wichartz.

Das jeweilige Motto würde zwischen den Vereinen abgestimmt, erste Ideen würden bereits ein Jahr vorher entwickelt und dann beginnt die Planung, für die Bernd Schmitz verantwortlich zeichnet. „Ich mache dann erst mal die Zeichnungen“, sagte Schmitz und bestätigte, dass der Wagenbau nicht nur Spaß mache, sondern auch Vorteile hat.

„Viele Vereine leihen sich für den Zug einen Wagen. Das haben wir bis vor ein paar Jahren auch gemacht, bis der Wagen, den wir leihen wollten, ein paar Wochen vor unserem Karnevalszug verkauft wurde“, erinnert sich Schmitz. Zwar gelang es dem Verein damals, einen anderen Wagen zu bekommen, aber die Rauschendorfer wollten nicht noch einmal in eine solche Situation kommen. „Wir entschieden uns, unsere Wagen selbst zu bauen. Die Halle ist groß genug, und wir haben einige begeisterte Mitglieder, die gerne Hand anlegen“, sagte Schmitz. Von der Idee, dass sich die beiden Vereine den Wagen teilen, waren alle Akteure begeistert. „Das ist eine klassische Win-win-Situation“, sagte Jörg Reinhardt.

Es gibt schon Ideen für den nächsten Wagen

Im vergangenen Jahr hatte die Große Geistinger KG bereits den Rauschendorfer Mottowagen, eine prachtvolle Yacht, im Hennefer Zug genutzt. Am Rosenmontag wird es eine Ritterburg sein, die in wochenlanger Arbeit in der Rauschendorfer Halle gebaut wurde. „Die Burg haben wir gewählt, weil Rauschendorf urkundlich erstmalig am 27. März 1117 erwähnt wurde und unser Dorf somit 900 Jahre alt wird“, sagte Wolfgang Bonerath, 2. Vorsitzender der Rauschendorfer Karnevalisten. „Wir fanden die Ritterburg natürlich auch als Prinzenwagen sehr passend“, sagte Jörg Reinhardt.

So wird die Ritterburg am Sonntag in Rauschendorf als Mottowagen und am Rosenmontag als Prinzenwagen in Hennef eine Augenweide für die Jecken sein. Die freundschaftliche Kooperation der beiden Karnevalsvereine beim Wagenbau dürfte einzigartig sein. „Erste Ideen für den nächsten Wagen haben wir bereits“, sagte Udo Wichartz.