„Schuldneratlas 2016“ im Rhein-Sieg-Kreis: Die Quote überschuldeter Menschen steigt

„Schuldneratlas 2016“ im Rhein-Sieg-Kreis : Die Quote überschuldeter Menschen steigt

Der „Schuldneratlas 2016“ zeigt, dass trotz Konjunktur die Zahl der Überschuldeten zunimmt, die nicht mehr aus der Spirale heraus kommen. In Windeck und Eitorf sind die Schuldnerquoten am höchsten.

Die Quote der Einwohner des Rhein-Sieg-Kreises, die ihre angehäuften Schulden langfristig nicht mehr durch Vermögen oder Einkommen abbezahlen können und damit als überschuldet gelten, nimmt langsam, aber stetig zu. Zum Stichtag am 1. Oktober 2016 galten 42.810 Kreisbürger über 18 Jahren als überschuldet. Das sind neun Prozent der volljährigen Einwohner des Kreisgebietes. Wenngleich die absolute Zahl um 90 Personen zurückging, stieg die Schuldnerquote um 0,03 Prozent – und folgt damit einem landesweiten Trend.

Das Auto finanziert, das Handy und den Fernseher auf Pump und die Küche und das Sofa gab es mit der Null-Prozent-Finanzierung über fünf Jahre als Schnäppchenpaket – Kredite machen Konsum auch ohne vorhandenes Guthaben auf dem Konto möglich. Grundsätzlich ist das kein Problem, wenn man den genauen Überblick über seine Finanzen behält, nicht über seine Verhältnisse lebt, Risiken eines Lohnausfalls durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit abdeckt und somit Zahlungsverpflichtungen eingehalten werden können.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung und leben über den eigenen Verhältnissen sind weiterhin Hauptursachen für private Schuldenberge. Werden diese nicht abgetragen, wird aus Verschuldung die sogenannte Überschuldung. Die Quote der überschuldeten Menschen im Rhein-Sieg-Kreis steigt langsam, aber kontinuierlich an, hat die Creditreform Bonn im „Schuldneratlas 2016“ ermittelt.

6,8 Millionen Deutsche überschuldet

In Deutschland waren zum Stichtag, 1. Oktober 2016, insgesamt 6,8 Millionen Bürger über 18 Jahren überschuldet, die Quote liegt bei 10,06 Prozent – mit erheblichen Unterschieden bei den Bundesländern. In Bayern liegt die Quote bei 7,35 Prozent, in Bremen bei 14,01 Prozent. Nordrhein-Westfalen liegt im Ranking auf dem viertletzten Platz mit 11,66 Prozent – jeder zehnte volljährige NRW-Bürger hat also einen nahezu unüberwindbaren Schuldenberg. Theoretisch stehe der Rhein-Sieg-Kreis mit einer Schuldnerquote von neun Prozent (0,03 Prozentpunkte zum Vorjahr) mit der zweitniedrigsten Quote in der Region Köln/Bonn relativ gut dar, sagt Jörg Rossen, doch der Teufel stecke im Detail.

Der Geschäftsführer der Creditreform Bonn Domschke & Rossen KG hat das komplexe Zahlenwerk für die Region analysiert. Im Fünfjahresvergleich ist die Quote allerdings um 0,31 Prozentpunkte leicht angestiegen“, sagt Rossen, „und das trotz sinkender Arbeitslosigkeit und einem Konjunkturboom.“ Weiterhin sei Arbeitslosigkeit in durchschnittlich 9,8 Prozent der Fälle ein Auslöser für traurige Schuldenkarrieren, erklärt der Finanzexperte, doch die Quote sinke. „Viele Menschen bedenken einfach nicht mehr die Risiken eines Kredites im Voraus. Und rund 40 Prozent der Bevölkerung hat nichts auf dem Konto gespart – also wirklich keinen Cent. Diese Leute leben von der Hand in den Mund.“

Und das drücke sich auch in den Schuldnerquoten des Rhein-Sieg-Kreises aus. Mit 14,64 und 13,03 Prozent führen die Gemeinden Windeck und Eitorf die höchsten Schuldnerquoten im Kreisgebiet. In Sankt Augustin sind 8,61 Prozent der Volljährigen überschuldet, in Siegburg 11,37 Prozent, in Hennef 9,29 Prozent. In der Troisdorfer Innenstadt und Friedrich-Wilhelms-Hütte liegt die Quote bei 12,95 Prozent, dagegen in Sieglar, Bergheim und Kriegsdorf bei niedrigen 8,72 Prozent.

Starker Rückgang in Much

Am wenigsten überschuldete Bürger trifft man weiterhin in Wachtberg (6,01 Prozent), Alfter (6,94 Prozent) und Swisttal (7,04 Prozent). Den stärksten Rückgang an überschuldeten Personen verzeichnete die Creditreform erneut in Much, wo die Quote um 0,59 Punkte auf 9,83 Prozent sank. Das größte Plus verbuchte Lohmar mit 0,26 Prozent, allerdings auf weiterhin gute 7,19 Prozent. Von den 21 Postleitzahlenbezirken im links- und rechtsrheinischen Kreisgebiet schafften im Fünf-Jahres-Vergleich nur sechs einen Rückgang bei der Schuldnerquote, rechnet Jörg Rossen vor.

Die Schere gehe weiter auseinander, gute Wohngegenden verbesserten sich, Gebietet mit höherer Schuldenquote verschlechterten sich. Und noch einen Aspekte zeigt das Zahlenwerk, so Jörg Rossen: „Überschuldung hat auch viel mit mangelnder Bildung zu tun, damit, nicht gelernt zu haben, wie man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln vernünftig wirtschaftet.

Hinzu kommt, dass die öffentlichen Haushalte es den Menschen im Grunde vorleben. Durch Ausgaben, die regelmäßig über den Einnahmen liegen, werden die Schulden hochgetrieben. Da fällt es vielen umso schwerer, im Privaten eisern zu verzichten und das Konsumverhalten strikt zu ändern."