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Ärger um den Wochenmarkt: Deutsche Marktgilde will die Stadt Hennef verklagen

Ärger um den Wochenmarkt : Deutsche Marktgilde will die Stadt Hennef verklagen

Die Stadt will künftig den Wochenmarkt neu organisieren. Seit geraumer Zeit gibt es von Händlern und Kunden Kritik an dem Angebot. Die Deutsche Marktgilde, die den Markt seit 35 Jahren ausrichtet, kündigt juristische Schritte an.

Besucherregistrierung, Einzeltische, Händedesinfektion – nur unter diesen Bedingungen konnte der Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss am Montagabend in der Mehrzweckhalle Meiersheide tagen. Die Mund-Nase-Schutzmaske konnten die Anwesenden allerdings während der Sitzung abnehmen. Auf der Tagesordnung der einzigen Hennefer Ausschusssitzung, die bis zu den Sommerferien stattfinden wird, standen einige Dringlichkeitsentscheidungen, darunter auch die Übernahme des Hennefer Wochenmarktes durch die Stadt, die vom Ausschuss einstimmig beschlossen wurde.

Die Deutsche Marktgilde als bisheriger Betreiber kündigte indes juristische Schritte an. Denn es bestehe eine unbefristete Festsetzung, die die Stadt, allerdings in einer angemessenen Frist, bis Jahresende widerrufen will. „Das Klagerisiko ist natürlich hoch. Es wird wohl auf eine juristische Auseinandersetzung hinauslaufen“ sagte Jochen Breuer, Leiter des Hennefer Amtes für Zivil- und Bevölkerungsschutz.

Zu viele Textilhändler, zu unattraktiv

35 Jahre lang richtete die Deutsche Marktgilde den Hennefer Wochenmarkt aus. Jeweils dienstags, donnerstags und samstags sollte das Händlerangebot auch ein wenig dafür sorgen, den Marktplatz zu beleben.

Allerdings steht die Veranstaltung bereits länger in der Kritik: Zu viele Stände mit Textilien, kein ausgewogener Mix und mangelnde Attraktivität. Das hatte dazu geführt, dass bereits vor zwei Jahren Sozialdemokraten und Linke forderten, die Stadt möge den Wochenmarkt in Eigenregie betreiben.

Damals hatte sich die Marktgilde laut Breuer offen mit der Kritik auseinandergesetzt. Die Stadt führte Gespräche mit dem Marktgilde-Niederlassungsleiter Martin Rosmiarek, um Verbesserungen zu erreichen.

Auch ein neues Konzept änderte nichts an der Kritik

Die Marktgilde legte daraufhin das von ihr erarbeitete sogenannte „Konzept 2.0“ vor, das auch Vorgaben der Stadt Rechnung tragen sollte. Maximal vier Textilhändler durften teilnehmen, Stände wurden nur noch am Rand aufgebaut.

Mit Angeboten wie vergünstigten Standgebühren in den ersten vier Wochen sollten Markthändler gelockt werden, die die Lücken im Lebensmittelangebot füllen würden. Zudem sollten Aktionstage Kunden auf den Markt ziehen.

Breuer verzeichnete damals leichte Verbesserungen, die Kritik aus der Politik und seitens der Händler blieb. Fazit eines Gesprächs im Februar, an dem Händler sowie Vertreter der Marktgilde und der Stadt teilnahmen: Die Händler sind seit Jahren mit der Arbeit der Marktgilde unzufrieden, fühlen sich nicht gewertschätzt. Die Standgebühren seien zu hoch und die Marktgilde mache zu wenig Werbung.

Gespräch im März verlief ohne Ergebnis

Auch ein zweiter Gesprächstermin im März verlief nicht gütlich, da die Händler eine weitere Zusammenarbeit mit der Marktgilde ablehnten und von der Stadt ein eindeutiges Signal forderten, den Wochenmarkt in Eigenregie zu übernehmen.

Laut Stadtverwaltung war somit eine weitere Zusammenarbeit der Händler mit der Marktgilde nicht mehr möglich. Gegen die Kritik der Händler und die Vorgehensweise der Stadt, die künftige Ausrichtung des Hennefer Wochenmarktes per Dringlichkeitsentscheid herbeizuführen, wendet sich Marktgilde-Niederlassungsleiter Rosmiarek.

Zum Gespräch Anfang März seien gerade einmal drei Händler erschienen, die keinerlei Interesse an einer Einigung gehabt hätten. „Sie haben das Gespräch sogar abgebrochen und jegliche weitere Zusammenarbeit mit der Marktgilde pauschal abgelehnt.“

Er vermutet dahinter Kalkül: „Einige Händler agitieren gegen die Marktgilde als Marktveranstalter und spielen Stadt und Marktgilde gezielt gegeneinander aus. Sie nutzen ihre persönlichen Beziehungen zu Ratsmitgliedern, um Stimmung gegen die Marktgilde zu machen.“

Marktgilde will juristisch gegen Beschluss vorgehen

Von der Marktgilde neu angeworbene Händler seien laut Rosmiarek systematisch gemobbt worden, „um unliebsame Konkurrenz fernzuhalten“. Standgebührenerhöhungen hat es laut Rosmiarek nicht gegeben. Die Netto-Standgebühren von 92 Cent pro Quadratmeter für Tages- und 84 Cent pro Quadratmeter für Vertragshändler hätten sich seit April 2017 nicht verändert.

„Den Widerruf unserer auf Dauer angelegten Festsetzung als Betreiber des Wochenmarktes sehen wir als unbegründet und damit als Rechtsbruch an, der von der Marktgilde nicht hingenommen wird. Wir werden uns gegen einen solchen Beschluss juristisch zur Wehr setzen“, sagte Rosmiarek. „Der Vollständigkeit halber sei aber von unserer Seite noch erwähnt, dass die Stadt in der Vergangenheit pro Jahr jeweils über 9000 Euro an Pacht für den Marktplatz kassiert hat, was einen großen Teil der Standgelder ausmacht, die von den Händlern als zu hoch bezeichnet werden.“