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Lesung in Hennef: „Der Rhein beflügelt die Fantasien“

Lesung in Hennef : „Der Rhein beflügelt die Fantasien“

Ulrich Meyer-Doerpinghaus präsentiert in der Hennefer Stadtbibliothek sein Buch „Am Zauberfluss“

Die Loreley, der Rolandsbogen, der Drachenfels: Es gibt so viele Orte entlang des Rheines, die dazu beitragen, dass dieser Strom für viele Menschen zu einem Sehnsuchtsort geworden ist. Zahlreiche Gedichte und Lieder über den Rhein und das Rheintal zeugen vom Einfluss, den diese wundervolle Landschaft und der Fluss besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Dichter und Komponisten hatte. Dem konnte sich auch Ulrich Meyer-Doerpinghaus, Kommunikationsleiter der Bonner Hochschulrektorenkonferenz und Autor, nicht entziehen. „Der Rhein beflügelt die Fantasien“, sagte Meyer-Doerpinghaus, der am Mittwochabend im Lesecafé der Hennefer Stadtbibliothek sein Erstlingswerk „Am Zauberfluss – Szenen aus der rheinischen Romantik“ präsentierte.

„Ich stamme eigentlich aus Münster“, sagt der 1967 geborene Schriftsteller. Seit 20 Jahren lebe er aber in Oberwinter am Rhein, und der Blick auf den Fluss und die beeindruckende Landschaft habe auch bei ihm Spuren hinterlassen. „Wir haben ein großes Wohnzimmerfenster und konnten den Fernseher abschaffen, weil das Programm, dass dieser Ausblick auf den Rhein bietet, einfach spannender ist“, sagte Meyer-Doerpinghaus, der nach seinem Studium der Geschichte, der katholischen Theologie und der Sozialwissenschaften 1995 am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen promovierte. Dem Rat seiner Freunde folgend, dass man etwas schreiben müsse, wenn man am Rhein lebt, verfasste Meyer-Doerpinghaus mit „Am Zauberfluss“ ein Buch, dass die Zuhörer der Lesung in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts entführte, als die Rheinromantik ihre Hochzeit hatte.

Dem Autor geht es allerdings nicht nur um die simple Aufzählung von Persönlichkeiten wie Franz Liszt, Annette von Droste- Hülshoff oder Robert und Clara Schumann, die am Rhein gelebt haben. Er erzählt die Geschichten hinter diesen kreativen Menschen, die allesamt eines verbindet – eine persönliche Beziehung zur traumhaften Kulisse des Rheintals. Dabei bringt der Autor dem Leser diese Persönlichkeiten sehr nah und verschafft so manchem Rheinländer einen neuen Zugang zu seiner Heimat. All diese Persönlichkeiten und ihre Kreativität, die durch das Rheintal beflügelt wurde, widerlegen den Naturforscher und Aufklärer Georg Forster, der nach seiner Rheinreise im Jahr 1790 die Gegend noch als „einförmig“ und die Städte entlang des Flusses als „melancholisch und schauderhaft“ gescholten hatte.

Die Szenen aus der rheinischen Romantik, die Meyer-Doerpinghaus in flüssige Sprache und eindrucksvolle Geschichten verpackt und mit akribisch recherchierten Zitaten versieht, führte den Zuhörern vor Augen, welchen Einfluss die Rheinromantik bis heute auf die Menschen hat.