Bahnübergang in Eitorf-Merten: Das ist der wohl einsamste Arbeitsplatz in der Region

Bahnübergang in Eitorf-Merten : Das ist der wohl einsamste Arbeitsplatz in der Region

Der Bahnübergang in Eitorf-Merten gehört wohl zu den einsamsten Arbeitsplätzen der Welt. Der Posten ist einer der wenigen Übergänge, die noch nicht technisch gesichert wurden - und von einem Bahnwärter manuell bedient wird.

Einsam sitzt ein Mensch in einem Containerhäuschen, daneben eine mobile Toilette. Bahnübergangsposten nennt sich dieser ungewöhnliche Job, den Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) AG bereits seit vielen Monaten am Bahnübergang in Eitorf-Merten kurz vor der Stadtgrenze zu Hennef rund um die Uhr ausüben. Sobald ein Radfahrer, Fußgänger oder Traktor den mit einem Andreaskreuz, einem roten Signallicht und einer Halbschranke stets geschlossenen Bahnübergang am Wirtschaftsweg überqueren möchte, öffnet der DB-Mitarbeiter die Schranke. Der Bahnübergang gehört neben der Anrufschranke in Hennef-Auel zu den wenigen, die nicht technisch gesichert sind, sondern manuell bedient werden.

„Um festzustellen, ob die am Bahnübergang vorhandene Beschilderung und Technik in ihrem Zustand noch ausreichend ist, beziehungsweise ob sie erneuert werden muss, finden turnusmäßig alle zwei Jahre Verkehrsschauen statt“, erklärt eine Bahnsprecherin den Hintergrund dazu. In diesem Zusammenhang sei die Anlage in Eitorf-Merten vorübergehend außer Betrieb genommen und zur Überbrückung durchgängig von einem Bahnübergangsposten gesichert worden, so die Sprecherin. Doch aus dem „vorübergehend“ sind inzwischen schon mehr als ein Jahr geworden, wie Berufspendler versichern.

Normalerweise regeln Andreaskreuze an Bahnübergängen den Vorrang des Schienen- vor dem Straßenverkehr, was aber vielfach nicht ausreicht. Die Art der Sicherung hängt von der Bahnstrecke (Hauptbahn/Nebenbahn), der Geschwindigkeit der Züge und der Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße ab, wie die Bahnsprecherin mitteilt. In der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) sei dies geregelt. Von den 16.541 Bahnübergängen der DB sind über 60 Prozent technisch gesichert. 20 Prozent der Übergänge haben Schranken, rund 70 Prozent Halbschranken und zehn Prozent Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen (Stand: 2017). Bahnübergänge ohne technische Sicherung kommen fast ausschließlich an verkehrsarmen Strecken vor.

Bestand seit 1950 mehr als halbiert

Grundsätzlich sind Bahnübergänge eine Gemeinschaftsaufgabe von Bahn, Bund und Straßeneigentümer, was sich auch in der Drittelung der Kosten niederschlägt – geregelt im Eisenbahnkreuzungsgesetz. Schon seit Jahren ist die DB bestrebt, die Zahl der Bahnübergänge zu reduzieren. Darum hat sich deren Bestand seit 1950 mehr als halbiert. Besonders Anlagen, an denen es vermehrt zu Unfällen kam, werden beseitigt oder mit einer zusätzlichen Technik ausgestattet, wie etwa in Eitorf-Harmonie, wo eine Ampel vor Schließung der Schranken den Kreuzungsbereich sichert. An der Brückenstraße in Eitorf und der Frankfurter Straße in Hennef wiederum ist die Beseitigung der Bahnübergänge schon seit vielen Jahren geplant, konnte aber aus diversen Gründen noch nicht umgesetzt werden.

Unabhängig davon ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 für die Schiene der zweigleisige Ausbau der Siegstrecke festgeschrieben. „Damit werden einerseits nur Kriegsschäden beseitigt, andererseits ist dabei auch mit einer technischen Ertüchtigung der Strecke zu rechnen“, sagt Eitorfs Erster Beigeordnete Karl Heinz Sterzenbach. Denn nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sind zwei Abschnitte mit Brücken zwischen Blankenberg und Merten sowie in Windeck eingleisig geblieben, was oft zu Unregelmäßigkeiten auf der Bahnlinie zwischen Troisdorf und Eitorf führt. Der Bahnübergangsposten in Merten wird jedenfalls noch einige Zeit vor Ort sein. Bis Ende 2019 soll laut Bahn der neue vollautomatisierte, signalabhängige Bahnübergang in Betrieb gehen. In ein Gespräch verwickeln darf man die Bahnwärter nicht, auch nicht fotografieren. „Hier werden wichtige Arbeiten durchgeführt, die unter keinen Umständen gestört werden sollen“, so die Bahnsprecherin.

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