Blick hinter die Kulissen: Das Hennefer Kur-Theater feiert 80. Geburtstag

Blick hinter die Kulissen : Das Hennefer Kur-Theater feiert 80. Geburtstag

Das Kur-Theater in Hennef gewährt zum Geburtstag einen Blick hinter die Kulissen des Kinos, das 1938 von der Familie Bellinghausen eröffnet wurde. Vor 15 Jahren rettete ein Verein das Lichtspielhaus – zur Freude der treuen Gäste.

Die Wände des winzigen Raumes sind komplett mit Plakaten überklebt, Filmrollen liegen auf dem Schneidetisch und auf dem Regal steht ein kleines Fläschchen mit der Aufschrift „Projektorenöl“. Ein leises Brummen ist zu hören. „Das ist das technische Herzstück des Kinos: Der Vorführraum“, erklärt Daniel Huys im Kur-Theater Hennef. Er ist Vorstandsmitglied in dem Verein, der das Kur-Theater vor 15 Jahren rettete, und gewährte am Samstag allen Interessierten zum 80-jährigen Bestehen des Kultkinos einen „Blick hinter die Kulissen“.

Bereits in den 1920er Jahren wollte die Familie Bellinghausen den Kurort Hennef auf kultureller Ebene voranbringen und stellte dafür einen Tanzsaal in dem Gebäude gleich neben dem heutigen Kino zur Verfügung. In diesem provisorischen Lichtspielhaus zeigte Richard Bellinghausen zunächst nur Stummfilme, die später durch Klavierbegleitung belebt wurden. 1938 eröffneten die Bellinghausens das neu errichtete Gebäude „Kur-Lichtspiele“ mit dem Film „Immer wenn ich glücklich bin“.

Vom Film bis zur Oper

„Der Eröffnungsfilm war noch in schwarz-weiß, aber nach einigen Jahren gab es dann auch schon die ersten Farbfilme“, erzählt Huys. Doch der Saal in der Königstraße musste schon kurz nach der Eröffnung aufgrund des Zweiten Weltkriegs schließen. Nachdem britische Truppen 1945 für einige Zeit das Kino für ihre Soldaten in Anspruch genommen hatten, ging es wieder in den Besitz der Familie Bellinghausen über, die das Haus drei Generationen lang betrieb. „Es gibt sogar die Anekdote, dass nach dem Krieg hier Schwarzhandel betrieben wurde. Unter den Sitzen tauschten die einen Zigaretten gegen Kartoffeln oder ähnliches aus. Aber das ist natürlich nicht bewiesen“, berichtet Ingo Teusch, ebenfalls Vorstandsmitglied im Verein des Theaters.

In den 1950er Jahren konnten sich die bis zu 375 Zuschauer neben Filmen auch Opern oder Operetten anschauen. Mit einer Drehbühne und einem Orchestergraben boten sich die Kur-Lichtspiele für solche Vorführungen sehr gut an. Auch die Bonner Oper und Willy Millowitsch hatten zu dieser Zeit Gastauftritte in Hennef.

Der Filmprojektor aus den 50er Jahren spielte bis 2010 etliche Filme ab: Jedes Mal musste der Vorführer, manchmal Bellinghausen persönlich, sechs bis acht Filmrollen erst zusammenkleben und nach dem Vorführen des Films wieder auseinanderschneiden. Denn die Kinos gaben sich die Rollen weiter, worunter die Qualität häufig litt. „Wir waren eines der ersten Kinos, das umgerüstet hat“, erläutert Huys. Der neue digitale Projektor für 95 000 Euro habe zwar „so viel Charme wie eine Tiefkühltruhe“, so Huys, sei aber qualitativ viel hochwertiger als das Vorgängermodell.

Probleme in den 90er Jahren

Der Charme der alten Projektoren und des alten Kinosaals ging Mitte der 90er Jahre verloren: „Der eine oder andere Zuschauer konnte dann schon manchmal eine Maus entdecken oder sah die Decke abbröseln. Die Einnahmen gingen zurück“, erklärt Teusch. „Bald bleibt die Leinwand für immer weiß“ hieß es 2002 in einer Zeitung, woraufhin das Kur-Theater einige Anrufe von regelmäßigen Gästen erhielt.

Huys, der schon als 15-Jähriger im Hennefer Kino gearbeitet hatte, überlegte sich, einen Verein zu gründen, um das Lichtspielhaus zu retten. Was zunächst nur ein Versuch sein sollte, stellte sich als sehr erfolgreiches Konzept heraus. Nach langen Renovierungen zählt der Kinosaal mit den grünen Vorhängen und den roten Veloursstühlen seit 2003 nur noch 190 Plätze, ist dafür mit einem Umsatz von 250 000 Euro im Jahr aber umso erfolgreicher. Die 20 bis 30 Helfer arbeiten auf Minijobbasis oder ehrenamtlich, um die 15 000 bis 20 000 Besucher pro Jahr zu empfangen.

Und die kommen gerne wieder: „So etwas muss einfach erhalten bleiben. Es ist ein Stück Heimat und da ist großer Prunk gar nicht nötig“, findet der 78-jährige Heinz Siewert, der 1958 selbst in Köln an Projektoren gearbeitet hat und sich die Feier zum 80-jährigen Bestehen des Kur-Theaters und zur 15-jährigen Existenz des Vereins nicht entgehen lassen wollte.

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