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Wohngebiet in Hennef: Bewohner fürchten um ihr Eigentum

Wohngebiet in Hennef : Bewohner fürchten um ihr Eigentum

Die Stadt Hennef will die Wochenendsiedlung Bülgenauel als Landwirtschaftsareal ausweisen und geht gegen unerlaubte Nutzung vor. Das hat Folgen für die Bewohner.

Umgeben von Wiesen und der Sieg liegt die Wochenendhaussiedlung Bülgenauel. Rund 70 Häuser stehen dort, 53 Menschen sind mit Erstwohnsitz gemeldet. Doch die Bewohner bangen um ihr Eigentum. Der Grund: Die Stadt Hennef hat einige Anwohner per Brief aufgefordert, ihren ersten Wohnsitz bis Ende September woanders anzumelden. Denn die Siedlung ist kein Wohngebiet, sondern Sonderfläche für Wochenendhäuser. Die Häuser dürfen demnach nicht dauerhaft genutzt werden. Außerdem möchte die Verwaltung das Gebiet im neuen Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche ausweisen – weil es seit 2014 als Überschwemmungsgebiet gilt. Am Mittwoch machte sich der Ausschuss für Dorfgestaltung und Denkmalschutz ein Bild von der Lage vor Ort. Viele Bewohner nutzten die Gelegenheit, den Politikern ihre Probleme zu schildern.

„Das kommt einer Enteignung gleich“, sagt Claudia Jansen. Sie lebt seit 24 Jahren im Unterdorf. „Das ist ein Unding, dass wir plötzlich so einen Wertverlust haben.“ Sie rechnet damit, dass der Quadratmeter statt 50 nur noch 1,70 Euro wert sein könnte. „Dass wir hier im Hochwassergebiet leben, ist uns allen bewusst. Bisher hat noch niemand an Regressforderungen gedacht“, sagt sie. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat Jansen eine Interessengemeinschaft gegründet. 499 Unterschriften hat die Initiative bereits an Bürgermeister Klaus Pipke übergeben, zudem läuft eine Onlinepetition. Die Forderungen: Ein dauerhaftes Wohnrecht für alle jetzigen und künftigen Besitzer einer Immobilie, zudem soll der Flächennutzungsplan in diesem Bereich nicht geändert werden. Denn: Die Siedlung habe sich längst zu einem neuen Ortsteil entwickelt.

„Viele leben seit mehr als 30 Jahren hier“, sagt Jansen. „Und weil sich sie sich mit erstem Wohnsitz anmelden konnten, glaubten wir nicht, dass das illegal sein könnte.“ So auch Georg Neumann, der seit fast 20 Jahren ein Haus im Wochenendgebiet hat. „Von der Stadt ist der Eindruck vermittelt worden, dass wäre in Ordnung. Das ist unsere Altersvorsorge“, sagt der Rentner. „Ich kann fast nicht mehr schlafen, ich weiß nicht wohin.“ Ihn ärgert, dass die Stadt Hennef nichts unternimmt, um den Menschen zu helfen. „Ich komme aus einer Verwaltung. Es gibt Möglichkeiten, etwas zu ändern“, sagt Neumann.

Eine Scheindebatte?

„Es muss niemand hier weg“, sagt Stadtsprecher Dominique Müller-Grote. Alle genehmigten Gebäude könnten als Wochenendhaus weiter genutzt werden, nur nicht als Erstwohnsitz. „Die Mitarbeiter des Bauordnungsamts sind an die Gesetze gebunden, sonst sind sie mitverantwortlich, wenn etwas passiert“, erklärt der Stadtsprecher. Aufgefallen waren der Verwaltung die Probleme, als die Bezirksregierung die neuen Überschwemmungsgebiete auswies. Daraufhin hat sie die Wochenendsiedlung unter die Lupe genommen – und neben unerlaubten Erstwohnsitzen auch Schwarzbauten entdeckt. Die Stadt habe bereits alle Möglichkeiten geprüft, das Gebiet in ein Wohnareal umzuwandeln, ergänzt Müller-Grote. Die Siedlung erfülle aber die Kriterien nicht, es fehle etwa eine ausreichende Erschließung.

Die Angst vor Wertverlust aufgrund des neuen Flächennutzungsplans sieht Müller-Grote als Scheindebatte. Der Stadt gehe es nur ums Hochwasser und die Gefahrenabwehr. „Bei Hochwasser läuft das Gebiet auf vier Meter voll“, sagt er. Und um den bestehenden Damm und das Areal zu ertüchtigen, sind laut Verwaltung acht Millionen Euro nötig. Wie dem Entwurf des Flächennutzungsplans zu entnehmen ist, strebt die Stadt deshalb langfristig die Aufgabe der Siedlung und „eine Wiedergewinnung als Rückhaltefläche für die Sieg“ an.

Das wollen die Mitglieder der Interessengemeinschaft nicht hinnehmen. Aus ihrer Sicht ließe sich der Damm für weniger Geld ausbauen. Auch seien die Bewohner bereit, mit der Stadt Lösungen zu erarbeiten, sagt Jansen. Sie möchte weiter für die Wochenendsiedlung kämpfen. Jansen: „Immerhin haben die Politiker nach dem Rundgang jetzt mehr Informationen.“