Familienberatung in Sankt Augustin: Begleitung, wenn der Ansprechpartner fehlt

Familienberatung in Sankt Augustin : Begleitung, wenn der Ansprechpartner fehlt

Seit zehn Jahren helfen ehrenamtliche Fanmilienbegleiter bei Problemen. Als Ferdinand Hommes vor ungefähr acht Jahren beschloss, Familienbegleiter zu werden, hatte er nur wenig Vorstellung davon, was ihn wohl erwarten würde.

„Ich wollte in meinem Vorruhestand gerne etwas Sinnvolles machen und sah zufällig die Anzeige, dass die Familienberatungsstelle ehrenamtliche Familienbegleiter sucht.“ Hommes meldete sich und wurde einem damals 13-jährigen Jungen zugeteilt. „Wir waren uns auf Anhieb sympathisch.“ Und weil die Chemie stimmte zwischen den beiden, hielt diese Beziehung auch über vier Jahre. „Das war für diesen Jungen eine enorm lange Zeit“, bemerkt Projektleiterin Iris Krause anlässlich eines Pressetermins zum zehnjährigen Geburtstag des Projektes der ehrenamtlichen Familienbegleiter in Sankt Augustin. Zuvor habe der Junge alles, was er begonnen habe, nach kurzer Zeit wieder abgebrochen, berichtet sie von den Schwierigkeiten.

Mit sechs Familienbegleitern in einem Qualifizierungskurs sei man vor zehn Jahren gestartet. Inzwischen sind immer noch fünf Ehrenamtler aktiv, die Gesichter sind jedoch andere. Über die zehn Jahre hinweg hat die Erziehungsberatungsstelle 22 Familienbegleiter qualifiziert und auch eingesetzt.

Auch im Leben von Elisabeth Knappstein hatte sich einiges geändert, bevor sie den Schritt ins Ehrenamt ging. Ihre eigenen Kinder waren aus dem Haus, der Mann verstarb, und sie suchte etwas, um neue Leute kennenzulernen. „Ich wollte und musste mein Leben neu aufstellen.“ Ihr Einstieg als Familienhelferin verlief etwas holpriger, denn die alleinerziehende Mutter, die sie begleitete, habe vor allem Angst vor Kontrolle gehabt, erinnert sich Knappstein. „Sie hat mir ihr Kind nicht gerne überlassen, aus Sorge, ich könnte es ihr entziehen.“ Umso schöner sei der Moment gewesen, als der Einjährige nach Wochen auf sie zugelaufen gekommen sei und sich gefreut habe. „Inzwischen ist die Beziehung zu der Familie mit den drei Kindern für beide Seiten eine Win-win-Situation“, sagt Knappstein.

Michael Laker hat lange Zeit als selbstständiger Unternehmensberater gearbeitet. „Damit war ich mehr als 100 Prozent eingespannt“, sagt er heute. Zeit mit seinen eigenen beiden Kindern sei damals knapp gewesen, und deshalb sei seine heutige Tätigkeit durchaus auch ein Stück weit Kompensation, gesteht er ein. Auch Laker musste sich das Vertrauen seines heute elfjährigen Schützlings erst erarbeiten. Nach einem Unfall war er traumatisiert und beeinträchtigt. „Er hat sich verschlossen und saß manchmal 30 bis 45 Minuten total verkrampft in einer Ecke“, erinnert sich Laker. Dank der Unterstützung der Familienberatungsstelle gab er ihm die Zeit und konnte helfen. „Früher rief er wenn ich kam, der soll gehen, heute ruft er mich an und fragt mich, ob ich kommen kann“, sagt Laker. Diese unwahrscheinliche Befriedigung darüber, wie die Beziehung sich verändert habe, sei mehr als ein Lohn für den Einsatz, sagt Laker.

In den meisten Fällen ist es eine Form der Überforderung, die letztendlich zu Problemen führt. Sei es, dass die Mütter alleinerziehend sind, oder beide Eltern viel arbeiten müssen. Derzeit warten fünf Familien auf Betreuung. Um als Familienbetreuer tätig zu werden, sollte man neben Offenheit und Toleranz vor allem die Lust mitbringen, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Wichtig ist den Profis, dass Betreuer und Familie zusammen passen, damit sich Beständigkeit entwickeln kann. Tätigkeitsfelder sind neben Hausaufgabenbetreuung, die Freizeitgestaltung mit den Kindern, um die Familien zu entlasten, oder aber die Unterstützung im Umgang mit Ämtern oder bei Arztbesuchen.

Wer Familienbegleiter werden will, wird an vier Vormittagen qualifiziert, zudem wird alle sechs bis acht Wochen eine Supervision angeboten. Die Mitarbeiter der Familienberatungsstelle stehen den Ehrenamtlichen jederzeit bei Fragen und Problemen zur Verfügung.

Wer Interesse hat als Familienbegleiter tätig zu werden, kann sich bei der Sankt Augustiner Aktivbörse unter 0 22 41/24 32 65 oder der Familienberatungsstelle unter 0 22 41/2 84 82 melden.

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