Hennefer Gruppe "Frauenselbsthilfe nach Krebs": Auffangen, informieren, begleiten

Hennefer Gruppe "Frauenselbsthilfe nach Krebs" : Auffangen, informieren, begleiten

Es ist eine Diagnose, die Frauen zunächst einmal den Boden unter den Füßen wegzieht: Brustkrebs. Mit rund 70.000 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs nach den statistischen Erhebungen des Robert-Koch-Instituts die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Das Mammakarzinom tritt wesentlich früher auf als die meisten anderen Krebsarten.

Etwa jede vierte betroffene Frau ist bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre, jede zehnte unter 45 Jahre alt. Ein Alter also, in dem die meisten übrigen Krebserkrankungen zahlenmäßig noch kaum eine Rolle spielen. Viele Frauen, die mit dieser Diagnose konfrontiert werden, fallen erst einmal in ein tiefes, seelisches Loch. Hinzu kommen die körperlichen Belastungen, denen sie sich mit Chemotherapien und Bestrahlungen aussetzen.

Damit diese Frauen nicht alleine gelassen werden, gibt es die Frauenselbsthilfe nach Krebs, ein landesweit organisierter Verband, der über etliche Ortsgruppen verfügt. Eine davon ist die Hennefer Gruppe, die vor 15 Jahren von Gisela Marschner ins Leben gerufen wurde.

Hervorgegangen aus einem Gesprächskreis der Siegburger Selbsthilfegruppe, machten sich die Hennefer Damen am 3. Oktober 1999 selbstständig und gründeten die Hennefer Gruppe "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Mittlerweile sind es rund 60 Damen, die sich zu großen Teilen an jedem ersten Montag des Monats in einem Raum an der Frankfurter Straße zu Gesprächen treffen.

Dabei können Frauen, die gerade erkrankt sind, von den Erfahrungen der Vorsitzenden Gisela Marschner, der Sprecherin Margot Schumacher und der Kassiererin Elisabeth Dittsche profitieren. "Wir sind die einzigen festen Mitglieder. Alle anderen Frauen benötigen keine Mitgliedschaft."

Zwei Mal erkrankte die heute 71-jährige Gisela Marschner an Brustkrebs. Erstmalig trat die Krankheit im Juni 1996 bei ihr auf. Damals gab es weder psychologische Unterstützung noch das so genannte Screening, mit dem der Brustkrebs frühzeitig entdeckt werden kann. "Dass nach fünf Jahren der Krebs nicht mehr auftreten kann, ist ein Märchen, da es viele Patientinnen gibt, wo er auch nach zehn oder zwölf Jahren zurückkommen kann", sagt Marschner, die sich mittlerweile nur noch ein Mal pro Jahr untersuchen lassen muss.

Auch Margot Schumacher und Elisabeth Ditsche erkrankten an Brustkrebs. Alle drei wissen, dass Frauen ab dem Zeitpunkt der Diagnose in ein tiefes Loch fallen. Zwar bietet das Troisdorfer Krankenhaus, das als Brustkrebszentrum mit der Selbsthilfegruppe kooperiert, postoperative, psychologische Unterstützung an. "Das sind dann meistens aber nur zwei Sitzungen, weil nicht genügend Kapazitäten vorhanden sind. Die Wartezeiten für einen Therapeuten-Termin können schon mal drei Monate lang sein und die Sitzungen sind auch nicht ganz billig", sagt Marschner.

Auffangen, informieren und begleiten - das hat sich die Hennefer Selbsthilfegruppe auf die Fahnen geschrieben. "Wichtig ist zunächst, dass die Frauen die Krankheit annehmen und lernen, damit umzugehen", so Margot Schumacher. "Auch ich musste feststellen, dass die Diagnose nicht das Todesurteil ist. Das hat mich aufgebaut. Wenn man die Diagnose gestellt bekommt, macht man sich das aber erst einmal nicht klar", sagt Elisabeth Ditsche. "Man ist zunächst auch voller Wut, weil man nicht begreift, warum einen diese Krankheit ereilt hat", ergänzt Schumacher.

Die Damen der Selbsthilfegruppe fangen die Patientinnen und deren Angehörige auf, begleiten auch mal zu Arztterminen. Darüber hinaus bietet die Gruppe einmal pro Woche einen Schwimmnachmittag sowie Gymnastik und einmal pro Monat eine gemeinsame Wanderung an. "Bewegung ist wichtig, damit man den Kopf frei bekommt", sagt Schumacher. Einmal pro Jahr machen die Damen einen gemeinsamen größeren Ausflug und jedes Jahr gibt es eine Weihnachtsfeier. Ärztliche Fachvorträge runden das Angebot ab. Trotz des ernsten Themas lassen sich die Frauen ihre Lebensfreude nicht nehmen. Gisela Marschner: "Wir sind keine Trauerklöße."