Lesung in Hennef: Auf der Spur des Siegsteig-Killers

Lesung in Hennef : Auf der Spur des Siegsteig-Killers

Der Hennefer Michael Wagner fesselt Krimi-Fans mit seinem seinem Thriller „Oliver Hell – Todesstille“. Der Krimiautor geht im Verlauf der Lesung mit seinem Publikum nicht gerade zimperlich um.

. Eine junge Sportlerin wird tot im Wald bei Siegburg-Kaldauen gefunden. Keine 24 Stunden später taucht die Leiche einer weiteren jungen Frau im Wald bei Hennef auf – der Siegsteig-Killer hat wieder zugeschlagen.

Es war der sechste Fall von Kriminalkommissar Oliver Hell, den der Hennefer Autor Michael Wagner am Donnerstagabend in der Buchhandlung am Markt vorstellte. Trotz hoher Temperaturen war die Lesung ausverkauft, kein Platz blieb frei. Wagner nahm sein Publikum mit an bekannte Schauplätze in der Region rund um Bonn, Sankt Augustin und Siegburg und den Natursteig Sieg entlang bis nach Hennef.

Die exemplarisch gewählten Szenen zeigten dabei das ganze Spektrum menschlicher Abgründe: Der Killer – kalt, strategisch und bedacht, sicher in seinem Tun, wenn er mit einem Lächeln im Gesicht sagt: „Hier wird alles enden. Schaue es dir genau an, Mädchen!“ Die Mutter des ersten Opfers, Nelli Rogosky, verzweifelt und überzeugt, dass ihre Tochter, trotz polizeilicher Vermutungen, niemals Suizid begangen hätte: „Diese Frau behauptet, ich könne Nelli nicht sehen, weil sie in der Gerichtsmedizin sei. Hörst du? Dort gehört Nelli nicht hin! Diese Leute haben keine Ahnung! Sie hat sich nicht umgebracht . . . nein!“

Wagner ging im Verlauf der Lesung mit seinem Publikum nicht zimperlich um. Dasselbe gilt auch für das Ermittlungsteam rund um Oliver Hell, das er in diesem Fall auch privat an den Abgrund führt. So sieht sich einer der Ermittler mit einer weitreichenden Entscheidung konfrontiert, bei der es auch für ihn um Leben und Tod ging. Kommissar und Publikum folgten der Spur entlang des Natursteigs, immer auf der Jagd nach dem Killer. Und nicht nur einmal hörte man aus den Reihen der Gäste Sätze wie „Ich glaube, in den Wald bei Kaldauen gehe ich jetzt nicht mehr so gerne.“

Die Reaktion des Publikums an diesem Abend bewies: Michael Wagner versteht sein Handwerk. Er weiß seine Leser geschickt zu fesseln und sie mitzunehmen auf die Jagd – nach dem Opfer, nach dem Killer. Dabei kam er eher zufällig zum Schreiben. Sein erster Roman „Noras Tod“ entstand aus einer persönlichen Erfahrung, die er in den 90er Jahren auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste gemacht hatte. Dort verschwand während seines Aufenthaltes mit Freunden ein Mädchen. Tage später wurde es ermordet aufgefunden.

„Diese drei Tage Horror vor 20 Jahren haben so lange an mir genagt, bis ich es aufgeschrieben hatte.“ Ein Buch daraus zu machen, war eigentlich nie geplant, zeigte sich aber letztendlich als Initialzündung für die Schriftstellerei.

Mittlerweile gibt es zehn Bände um Kommissar Oliver Hell, ein elfter ist in Arbeit. Fünf der Bücher sind mittlerweile im unabhängigen Buchhandel erhältlich, die restlichen Teile folgen in naher Zukunft.

Michael Wagner: „Oliver Hell – Todesstille. Oliver Hells sechster Fall“. Erhältlich als Taschenbuch, 13,99 Euro.

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