Grippe: Zahlen im Rhein-Sieg-Kreis steigen - Grippeschutzimpfung empfohlen

Experten raten zur Grippeschutzimpfung : Zahl der Grippe-Fälle im Rhein-Sieg-Kreis steigt an

Die Zahl der Influenza-Fälle im Rhein-Sieg-Kreis steigt seit einigen Jahren an. 2014 wurden noch 17 Fälle gemeldet, ein Jahr später waren es schon 314. Das Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises empfiehlt deshalb eine Grippeschutzimpfung beim Hausarzt.

Die Zahl der Grippe-Fälle im Rhein-Sieg-Kreis hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. „Die Ärztin oder der Arzt muss aber auch nicht jede Grippeerkrankung melden. Nur ein Labornachweis und ein gehäuftes Auftreten, zum Beispiel in einer Senioreneinrichtung, Kita, oder Schule, sind meldepflichtig“, sagt Antonius Nolden von der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises. 2014 wurden noch 17 Influenza-Fälle gemeldet, ein Jahr später waren es schon 314.

„Die hohen Schwankungen der Zahlen erklären sich dadurch, dass die Hausärzte früher weniger Influenza-Schnelltests durchgeführt haben. Die höhere Bereitschaft dazu hat um 2017 begonnen“, sagt Nolden. Damit wurden dann auch 551 Fälle gemeldet. 2018 waren es schon 1460 Grippe-Fälle, in diesem Jahr sind es bereits weit mehr als tausend. Das Jahr 2018 war im Kreisgebiet ein wirkliches Hoch an Grippefällen, bestätigt er.

Das Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises empfiehlt jedenfalls eine Grippeschutzimpfung beim Hausarzt. Im Unterschied zur Erkältung ist die Grippe (Influenza) eine gefährliche Infektionskrankheit. „Eine Influenza kann schwerwiegende, gesundheitsschädliche Komplikationen mit sich bringen“, sagt der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Rainer Meilicke. „Dazu gehören beispielsweise Lungenentzündungen oder Schädigungen am Herz-Kreislauf-System.“

Für Menschen mit Herzerkrankungen ist die Impfung besonders wichtig, um das Risiko für ein tödliches Herzereignis, etwa einen Herzinfarkt, zu senken, so die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Aktuelle Studien belegen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse erneut. „Die Schutzwirkung der Impfung zur Vorbeugung eines Herzinfarktes ist vergleichbar mit einem Rauchstopp oder der Einnahme von Cholesterinsenkern. Dass sich Menschen mit Herzleiden jährlich gegen Influenza impfen lassen sollten, ist jedoch noch immer zu wenig bekannt“, sagt Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln und Vorsitzender der DGI. Auch für Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen sowie für Menschen ab 60 Jahren werde die Impfung besonders empfohlen.

Influenza wird durch Viren verursacht, die auf zwei Wegen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Beim Husten oder Niesen gelangen kleinste Tropfen in die Luft und auf umgebende Flächen. Diese werden eingeatmet oder können später über die Hände durch unbewusstes Berühren des Mundes beziehungsweise anderer Schleimhäute aufgenommen werden.

„Noch immer scheuen sich viele Menschen vor einer Grippeschutzimpfung. Ein häufiges Argument: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es auch durch die Impfung nicht. Das stimmt. Der Impfstoff muss in jedem Jahr angepasst werden – je nachdem, welche Influenza-Viren kursieren und wie sie sich verändern“, so Meilicke. Seit in Deutschland mit dem Vierfachimpfstoff geimpft wird, habe sich der Schutz deutlich verbessert.

Durch schwere Grippewellen sterben in Deutschland der DGI zufolge jedes Jahr Tausende Menschen. So kam es in der Saison 2017/18 nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zu rund 25.100 Influenza-bedingten Todesfällen. Ältere Menschen und chronisch Kranke sind besonders gefährdet, schwere oder tödliche Verläufe der Influenza zu erleiden. Zu den gefürchteten Komplikationen einer Grippe gehören Entzündungen des Gehirns oder des Herzmuskels – sogar junge Menschen ohne Vorerkrankungen könne dies betreffen.

Idealerweise sollte die Impfung bereits im Oktober oder jetzt im November durchgeführt werden. Bis ein vollständiger Impfschutz aufgebaut ist, vergehen nach der Impfung rund 14 Tage. In aller Regel beginnt die Zahl der Influenza-Fälle etwa zum Zeitpunkt des Jahreswechsels deutlich anzusteigen und erreicht ihren Höhepunkt meist im Verlauf des Februars oder Anfang März – im Rheinland besonders nach Karneval, wie Nolden bemerkt.

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