Schwurgericht Bonn: Er hielt Nachbarin für Dämon und wollte sie töten

Schwurgericht Bonn : Er hielt Nachbarin für Dämon und wollte sie töten

Psychisch kranker Täter aus Troisdorf steht vor dem Bonner Schwurgericht. Das 75-Jährige Opfer leidet unter den Folgen

Die 75-jährige Frau im Zeugenstand vor dem Bonner Schwurgericht war immer ein lebensfroher Mensch, wie sie erklärt. Angst habe sie nicht gekannt. Bis zum frühen Morgen des 16. September: Da drang ihr Nachbar in ihre Wohnung in Troisdorf ein und schlug minutenlang mit einem Knüppel auf sie ein. Nun sitzt ihr der 31-Jährige im Gerichtssaal gegenüber, und wenn es nach dem Willen von Staatsanwältin Claudia Trauzettel geht, soll der psychisch kranke Mann in eine geschlossene Klinik gesperrt werden.

Denn die Anklägerin ist davon überzeugt, dass der Mann, der seit Jahren an einer durch Cannabiskonsum verursachten Psychose leidet, für die Allgemeinheit gefährlich ist. Laut Anklage wollte er die Nachbarin an jenem Morgen töten, weil er in ihr den Teufel sah.

Mit einem Holzknüppel bewaffnet kletterte er um 4.45 Uhr über ihren Balkon und schlich in ihre Wohnung. Sie war von Gepolter aufgewacht, und als sie ihn im Flur traf, schlug er laut Anklage mit einem Knüppel wieder und wieder auf die Nachbarin ein. Als sie ihn laut Anklage schließlich anflehte, es endlich zu Ende zu bringen, sei er weggelaufen mit den Worten: Er hole jetzt was, um es schnell zu beenden. Doch er kam nicht zurück. Denn in der Zwischenzeit hatte eine Nachbarin, alarmiert durch die Hilfeschreie, die Polizei gerufen. Als sie um Hilfe gerufen habe, so die 75-Jährige nun, habe er ihr in die Lippe gebissen. „Dann hat er auf mich eingeschlagen, auf Kopf, Hals, Körper, Füße, überall hin, fünf bis sechs Minuten lang.“ Und immer mit dem Knüppel. „Ich sah aus, ganz, ganz schlimm“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Ich hatte solche Schmerzen, ich hatte abgeschlossen.“ Dabei habe sie den 31-Jährigen nur flüchtig gekannt.

Mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Brüchen, Prellungen, Quetschungen, Platzwunden und Abschürfungen an Körper und Kopf landete sie auf der Intensivstation. Sie überlebte, aber an den Folgen leide sie immer noch sehr, sagt sie. Sie müsse starke Schmerzmittel nehmen, vor allem wegen Schmerzen im Rücken. Aber am schlimmsten seien ihre Angstzustände. Ohne Begleitung könne sie abends nichts mehr vor die Tür gehen: „Es ist schon schlimm.“ Sie hoffe sehr, wieder so lebensfroh zu werden wie vor der Tat.

Der Angeklagte sagt nichts zu ihr. Er hat ihr nach der Tat geschrieben, sie um Entschuldigung gebeten und erklärt, er wisse nicht, „was ihn geritten“ habe. Das kann er auch dem Gericht nicht erklären. Er sei in einer Psychose gewesen, sagt er. Und: „Ich habe in ihr den übermächtigen Teufel gesehen.“ Aber er versichert: Er habe sie nicht mit dem Knüppel, sondern mit der Faust geschlagen. Und auf keinen Fall habe er sie töten wollen. Der Prozess wir fortgesetzt. Von