Polizei klärt auf: Einbrecher sind in zehn Sekunden im Haus

Polizei klärt auf : Einbrecher sind in zehn Sekunden im Haus

Mit der dunklen Jahreszeit steigt die Zahl der Einbrüche. Die Täter kommen nur selten nachts. Sie bohren mitten in der Nacht das Türschloss auf und räumen stundenlang Schubladen und Schränke aus: Wer das über Einbrecher denkt, liegt in den meisten Fällen ziemlich daneben.

Das weiß Kriminalhauptkommissar Hans-Jürgen Hoppe, der auf Schulungen oder in Einzelberatungen Bürger zum Thema Einbruchprävention berät.

Mit der dunklen Jahreszeit schnellen jährlich auch die Einbruchszahlen in die Höhe: um 30 Prozent. In Swisttal und Bornheim gab es jüngst wieder eine Serie von Einbrüchen. Die Polizei reagierte diese Woche mit Schwerpunktkontrollen in Rheinbach, Meckenheim, Swisttal und Bornheim. Die Beamten überprüften mehr als 30 Fahrzeuge und rund 60 Personen - auch Fußgänger, Radfahrer und Bahnfahrer.

Solche Aktionen seien Teil eines breiten Maßnahmenpakets, erläutert Pressesprecherin Polizeihauptkommissarin Daniela Lindemann: "Nach jedem Einbruch gibt es eine Spurensuche durch Spezialisten, Bezirksdienstbeamte befragen das Umfeld, um so schnell wie möglich Hinweise zu erhalten." Mit den Präsenz- und Kontrolleinsätzen wolle die Polizei ein deutliches Signal setzen und potenzielle Täter erkennen. Den einen typischen Täter gebe es aber nicht: "Das ist ein Spiegelbild der Bevölkerung", sagt Hoppe.

Anders als in vielen Filmen suggeriert, kommen die meisten Einbrecher nicht mitten in der Nacht, sondern zwischen 16 und 20 Uhr, verrät die Statistik: Weniger als fünf Prozent aller Einbrüche in Wohnungen und Mehrfamilienhäuser ereignen sich demnach in der Zeit zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens. "In dieser Zeit gibt es eher Einbrüche in Gewerbegebieten." Das liege daran, dass in Privatwohnungen nachts meist jemand zu Hause sei. "Und jemanden anzutreffen, das wollen Einbrecher auf jeden Fall vermeiden."

Lange brauchen sie nicht, um ein ganz normales Fenster zu öffnen, selbst, wenn es ein kleines Schloss im Griff hat. Hoppe demonstriert das eindrucksvoll: In gerade einmal vier Sekunden hat er ein Fenster im Schulungsraum des Bonner Kriminalkommissariats aufgehebelt. Im Schnitt benötigt ein Einbrecher zehn bis 15 Sekunden. Ein zusätzliches Schloss an Fenstern und Türen empfiehlt Hoppe daher ausdrücklich: "Für Fenster in Neubauten eignet sich die Widerstandsklasse RC 3, für Haustüren RC 2 oder RC 3."

Diese zusätzliche Sicherung muss dann allerdings auch ordentlich angebracht werden: "Oft werden die Schlösser selbst montiert und wichtige Befestigungsschrauben vergessen." Zu den häufigsten Fehlern bei der Wohnungssicherung gehöre außerdem: "Das Fenster gekippt lassen: Das führt zu 14 Prozent aller Einbrüche und wird versicherungstechnisch wie ein offenes Fenster betrachtet." Und: "Eine nicht abgeschlossene Haustür." Denn die Täter haben in wenigen Sekunden überprüft, ob abgesperrt ist. "Am besten wird eine Tür noch zusätzlich mit einem innenliegenden Pilzkopf verriegelt", rät Hoppe.

Sind die Diebe erst einmal im Gebäude, nehmen sie am liebsten Bargeld und Schmuck mit, so die Erfahrung des Kriminalhauptkommissars. "Laptops werden fast nicht mehr gestohlen." Wer einen Einbrecher in seiner Wohnung hat, solle sich ihm auf gar keinen Fall in den Weg stellen: "Schneiden Sie ihm nie den Fluchtweg ab. Telefonieren Sie besser laut mit der Polizei - egal, ob Sie ein Telefon zur Hand haben oder nicht."

Damit die Polizei schnell das richtige Haus finden könne, sei es wichtig, eine gut lesbare Hausnummer zu haben oder wenn nötig, die Anfahrt am Telefon zu beschreiben. Für die Spurensicherung sei es wichtig, den Tatort möglichst so zu lassen, wie er vorgefunden wurde.

Aktionswoche Einbruchschutz

Im Rahmen einer Aktionswoche "Einbruchschutz" vom 18. bis 25. November bietet die Bonner Polizei folgende Infoveranstaltungen an:

Am Montag, 18. November, 13 bis 16 Uhr: Rheinbach, Hit-Markt, Meckenheimer Straße 8.

Am Dienstag, 19. November, 13 bis 16 Uhr: Meckenheim, Neuer Markt.

Mittwoch, 20. November, 11 Uhr: Diskussion und Information im Polizeipräsidium zum Thema "Opfer und Opferschutz". Anschließend, bis 20 Uhr: Information durch Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz, "Weißer Ring", Firma "ABUS-Sicherheitstechnik", Firma "PAX Fenster und Türen".

Weitere Informationen zur Kampagne "Riegel vor! Sicher ist sicherer" gibt es unter der Nummer 02 28/15 76 76.

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