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Awo dankt Mitarbeitern: Arbeiterswohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg gibt Ausblick für das Jahr 2020

Awo dankt Mitarbeitern : Arbeiterswohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg gibt Ausblick für das Jahr 2020

Die Arbeiterswohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg dankt Mitarbeitern für ihren Einsatz für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Doch die Bürokratie macht ihr oft das Leben schwer. Ein Ausblick auf die Aufgaben des kommenden Jahres.

Der Dank an Mitarbeiter, die über das Jahr und insbesondere über Weihnachten und Neujahr Dienst machen, hat in vielen Unternehmen und Einrichtungen Tradition. Und doch sei der Dank, den die Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg (Awo) ihren Mitarbeitenden ausspricht, alles andere als eine Floskel, sagte der Awo-Vorsitzende Heinz-Willi Schäfer am Neujahrstag bei einem Gespräch in der „Awo City“, dem Quartier der Einrichtungen an der Schumannstraße. „Es ist ein Dank von Herzen für den Einsatz über das Jahr und insbesondere für die letzten Tage, die nicht immer einfach sind für die Bewohner.

Den Dank nahmen stellvertretend Katja Ruiters, Betriebsleiterin Eingliederungshilfe und Arbeit, und Angela Wittek, die das Awo-Dauerwohnheim Siegburg leitet, in Empfang. In der Einrichtung sind derzeit 24 Menschen von 29 bis 67 Jahren untergebracht, die unter chronifizierten psychischen Erkrankungen leiden. Menschen, die rund um die Uhr begleitet und betreut werden, spezielle Angebote der Therapie und der Unterstützung erhalten, um zu einem stabilen, selbstbestimmten Leben ohne die Notwendigkeit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung zurückzufinden.

13 Mitarbeiter in Nachtbereitschaft, die Angebote am Abend anbieten und anschließend die Nacht in der Einrichtung verbringen, zehn Mitarbeiter im Tagesdienst sowie eine ständige Rufbereitschaft betreuen die Dauerwohngruppen an der Schumannstraße – auch an Weihnachten und Silvester. Probleme, Mitarbeiter für die besonderen Tage zu finden, hatte Leiterin Angela Wittek nicht: „Dienst an Feiertagen ist für uns Gewohnheit. Die Mitarbeiterinnen melden sich freiwillig und sprechen sich untereinander ab.“ Ohnehin sei das Team- und Betriebsklima überdurchschnittlich gut, dankte Wittek dem Träger. Fluktuation gebe es so gut wie keine, das Gros der Mitarbeiterinnen arbeite bereits seit zehn oder sogar 20 Jahren, also seit der Eröffnung, in den Dauerwohngruppen und auch die Zahl und Qualität der Fortbildung sei lobenswert.

Die Bedeutung des Fachwissens sowie der regelmäßigen Supervisionen habe die Awo früh erkannt, erklärte Katja Ruiters. Ziel sei es, den Menschen Stabilität im Leben zu geben, so die Betriebsleiterin: „Mit den Wohngruppen, betreutem Wohnen, Arbeitstherapie, dem Sozialkaufhaus und Kooperationen haben wir viele gute Möglichkeiten, die Menschen hier zu unterstützen und auch zu beschäftigen. Wir werden die erkrankten Menschen hier nicht heilen – in der Psychiatrie arbeitet man mit ganz kleinen Schritten und Erfolgen.“

Angebote, die heute mehr denn je gefragt werden, weil die Zahl der psychologischen Erkrankungen steige und es in vielen Bereichen an Angeboten mangele: „Die Nachfrage bei den ambulanten Angeboten ist im vergangenen Jahr richtig explodiert.“ Verschärft hat die Situation die Einführung der dritten Stufe des Bundesteilhabegesetzes zum 1. Januar 2020, so Katja Ruiters und Heinz-Willi Schäfer: Wurden bislang viele Leistungen für die Klienten direkt mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) abgerechnet, müssen die Klienten nun die Erstattung der Kosten bei den Sozialämtern der Kommunen vor Ort beantragen. Das Geld werde dann zunächst den Klienten ausgezahlt, die damit mehr Selbstbestimmung erhalten – und in der Praxis mit dem neuen Prozedere ebenso überfordert sind wie manches Sozialamt, betonte Ruiters: „Als wir im September mit den Anträgen für unsere Klienten vorstellig geworden sind, wussten manche Ämter noch nicht einmal davon, dass sie ab 1. Januar zuständig sein würden. Wir mussten die Mitarbeiter darüber erst einmal aufklären.“

Grundsätzlich verfolge das Gesetz einen guten Ansatz, so die Awo-Mitarbeiter, es gebe aber Bedarf zur Nachbesserung. Damit die Klienten auch weiterhin bis zur Erstattung durch die Sozialämter in den Wohngruppen leben und Therapieangebote nutzen können, gehe die Awo nun in Vorleistung. „Das ist für uns ein finanzielles Risiko, weil wir noch nicht wissen, was am Ende tatsächlich wann und wie erstattet wird“, sagte Schäfer. Manch kleiner Träger habe aufgrund der notwendigen Vorleistungen und der wachsenden Bürokratie das Handtuch werfen müssen, ergänzte Ruiters: „Der Aufwand war auch für uns immens. Wir mussten für jedes Haus, jede Aufgabe, jedes Angebot und jeden Quadratmeter die Kosten einzeln aufschlüsseln und prüfen, ob es eine Wohnleistung oder eine Fachleistung ist.“ Und das alles im laufenden Betrieb mit Dienst am Menschen, wie Angela Wittek berichtete: „Das wird unsere größte Herausforderung im Jahr 2020 bleiben und wir müssen immer wieder darauf achten, dass wir unsere eigentliche Arbeit, die Hilfe bei der Stabilisierung der Menschen, nicht aus dem Fokus verlieren.“