Sommerferien in der Region: Arbeiten, wenn andere Urlaub machen

Sommerferien in der Region : Arbeiten, wenn andere Urlaub machen

Sommerferien: Die einen fahren in Urlaub, die anderen gehen ins Freibad, in den Biergarten oder absolvieren Kurse. Und manche Schüler nutzen die freie Zeit, um in Nachhilfekursen den versäumten Schulstoff nachzuholen. Doch wer macht diese Angebote möglich?

Wir stellen vier Menschen vor, die arbeiten müssen, wenn andere frei haben. Was machen sie, was motiviert sie?

Katharina Raaf (21) absolviert momentan eine Ausbildung als Pferdewirtin in der Saga Reitschule Rosenhof in Swisttal-Buschhoven. Sie habe sich für dieses Berufsfeld entschieden, um in erster Linie Abwechslung mit Tieren zu haben. "Ich wurde dann gefragt, ob ich auch Reitunterricht übernehmen möchte und bin da sozusagen reingerutscht."

Die Aufgabe, einen Ferienkursus zu übernehmen, sei erst später dazugekommen. "Mit acht Kindern hatte ich von morgens bis abends viel zu tun. Es war echt anstrengender als sonst, aber es hat auch Spaß gemacht", sagt die 21-Jährige. "Die Kinder waren lockerer drauf, hatten keinen Zeitdruck. Wir haben spontan eine Wasserschlacht gemacht. Ich hätte während dieser Zeit sowieso arbeiten müssen, deswegen war die Abwechslung ganz schön. Durch den Kontakt mit den Kindern war mehr Leben auf dem Hof."

Michaela Huppertz (29) ist Mutter von zwei Kindern. Die gelernte Hotelfachfrau jobbt seit Sommeranfang als Kellnerin in der Waldschänke "Im Zuschlag" in Witterschlick. Am Kontakt mit Menschen liegt ihr viel: "Unsere Gäste unterscheiden sich in Alter und Nationalität, so ist der Job sehr abwechslungsreich."

Gerade im Sommer, wenn viele Leute Urlaub haben und das Wetter gut ist, seien die Gäste gut gelaunt und entspannt, sei ihre Erfahrung. "Mein Grundsatz ist, andere so zu bedienen, wie ich selbst bedient werden möchte", sagt sie. "Es stört mich nicht, zu arbeiten, wenn andere frei haben. Das war mir bewusst, bevor ich mich für diesen Beruf entschieden habe." Und sie ergänzt: "Meine Motivation besteht darin, dass ich Kontakt zu Menschen habe, etwas über sie erfahre und nicht jeder Tag gleich ist."

Gegen die Angst vieler Schüler vor Mathe möchte Petra Mooren (54) etwas tun. Sie gibt seit Mai 2009 bei der Schülerhilfe Meckenheim Nachhilfeunterricht und Ferienkurse in Mathematik. "Mir ist es wichtig, etwas mit Kindern zu tun zu haben und ihnen zu helfen. Die Schüler sollen keine Angst haben, zu fragen."

Sich selbst bezeichnet Petra Mooren als sehr fürsorglichen Typ. Oft mache sie sich noch zu Hause Gedanken über ihre Schüler. Die Motivation, gerade in den Ferien zu arbeiten, hängt mit Schülern und Eltern zusammen. "In den sechs Wochen sind Schüler und Eltern viel offener, entspannter und zufriedener. Sonst sind gerade die Eltern meist gehetzt und die Kinder im Schulstress. In den Ferien dagegen sind die Schüler viel eigenmotivierter."

Bademeister haben viel zu tun. Sie kümmern sich um die Sicherheit der Gäste, bieten Kurse an, sind für die Hygiene des Bades und für die Sauna zuständig. Kheirallah Habach ist einer von ihnen. Für den 35-jährigen Familienvater ist die Arbeit während der Ferienzeit ambivalent: "Mein Beruf geht klar in Richtung Freizeit und mir gefallen gut gelaunte Freizeitmenschen. Aufgrund der vielen Besucher ist man aber natürlich auch mit mehr Stress konfrontiert."

Eine besondere Rolle in seinem Beruf spielt jedoch ein ganz anderer Aspekt. "Die ernsthaften Gespräche mit den Kunden sind ein ständiges Geben und Nehmen. Egal, ob man von einem Senior Tipps für die Rente bekommt oder einer alleinerziehenden Mutter Tipps gibt. Was zählt, ist der zwischenmenschliche Austausch. Ich habe schon viele Charaktere kennengelernt, was mir so viel fürs Leben gebracht hat. Das lässt sich nicht mit Geld beziffern. Aus diesem Grund ist es auch mehr Berufung als Beruf - man muss dafür geboren sein."