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Austausch nach China: Zum Joggen auf die Chinesische Mauer

Austausch nach China : Zum Joggen auf die Chinesische Mauer

Dafür, dass es bald losgeht, wirkt Florian Hecking sehr entspannt. An diesem Freitag steigt der 23-Jährige in den Flieger nach Peking. Damit beginnt sein vierwöchiger Aufenthalt in Fernost.

Der Ittenbacher nimmt Teil an dem Studentenprogramm „Seeds for the Future“ des chinesischen Technologieunternehmens Huawei. Als Schüler hat Hecking bereits fünf Monate in Kanada verbracht, nach dem Abitur dann ein Freiwilliges Soziales Jahr in Thailand absolviert. „Im Vergleich dazu ist der Monat in China eher eine Schnupperfahrt“, meint der Student der Asienwissenschaften an der Universität Bonn. Für ihn sind das Reisen und auch längere Aufenthalte im Ausland nichts Ungewöhnliches. „Meine Oma kann sich so etwas natürlich nur schwer vorstellen, aber für viele meiner Freunde ist das ganz normal“, erzählt der junge Mann.

Allzu große Sprachschwierigkeiten wird er nicht haben während seiner Tour, denn er studiert im Nebenfach Chinesisch. Aufmerksam geworden auf das Programm des Unternehmens ist er während seines Praktikums bei der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung in Köln. Seine Bewerbung inklusive Lebenslauf und Motivationsschreiben musste er bis Ende November 2015 bei einer Jury einreichen. Darin führte er aus, dass er sich besonders für die Digitalisierung in China interessiere. Am 23. Januar trafen sich die 20 Ausgewählten von insgesamt 300 Bewerbern aus ganz Deutschland zu einem Kennenlernwochenende in Berlin. Hecking gehörte dazu.

In der Hauptstadt erfuhren die jungen Leute unter anderem den genauen Plan ihrer Reise, deren Finanzierung das Technologieunternehmen trägt: Die ersten beiden Wochen verbringen die Studenten an einer Universität in Peking, nehmen dort an Sprachkursen und einem Kulturprogramm teil. Hecking freut sich besonders auf einen Besuch an der Chinesischen Mauer. Er hat gelesen, dass Teile des Bauwerks zum Joggen freigegeben sind – und packt deswegen seine Sportsachen ein. „Wenn der Smog es zulässt, will ich das gerne mal versuchen“, sagt der passionierte Läufer.

Danach reist die Gruppe weiter in die Millionenstadt Shenzhen, dem Hauptsitz des Konzerns, bevor die Reise schließlich mit einem Besuch in Schanghai ausklingt. Das Treffen in Berlin sollte die Teilnehmer aber auch für den einen oder anderen Kulturunterschied zwischen Deutschen und Chinesen sensibilisieren.

Ein weiterer Punkt, den Hecking recht gelassen sieht: „Ich bin nicht so der Fan davon, die Kulturen zu vergleichen. Es gibt ja auch bei uns große Unterschiede zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen“, sagt der 23-Jährige. Erfahren hat Hecking dennoch, dass er und die anderen Studenten mit vielen Einladungen zum Essen rechnen können und dass es wahrscheinlich häufig Baozi – eine Art chinesische Maultaschen – geben wird.

Auch weiß Hecking, dass man in dem asiatischen Land Visitenkarten und andere Dinge mit zwei Händen überreichen sollte, um nicht als unhöflich zu gelten. Apropos die gute Form: Für ihre Hospitation in dem Unternehmen sollen die jungen Leute „business wear“, sprich Anzug oder Kostüm, einpacken.

Auch mit der Aussicht, vier Wochen in einem autoritären Einparteiensystem zu leben, kommt der Student gut zurecht. „Für jemanden, der wie ich in einer Demokratie aufgewachsen ist, wirkt das natürlich befremdlich, aber es ist auch ein sehr interessantes Land“, sagt er.