Vom Spielbetrieb abgemeldet: Zukünftig kein Handball mehr beim HSV Bockeroth

Vom Spielbetrieb abgemeldet : Zukünftig kein Handball mehr beim HSV Bockeroth

Der Vorstand des Handball-Sport-Vereins hat bei der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend das Ende einer sportlichen Tradition verkündet. Man will sich künftig auf das Breitensportangebot konzentrieren.

Nach 88 Jahren ist Schluss mit Handball beim Handball-Sport-Verein (HSV) Bockeroth. Der traditionsreiche Verein hat seine beiden letzten verbliebenen Jugendmannschaften, eine weibliche C-Jugend und eine E-Jugend, vom Spielbetrieb abgemeldet. Am Dienstagabend wurde den Mitgliedern der Beschluss bei der Jahreshauptversammlung im Stieldorfer Pfarrheim verkündet.

„Wir mussten jetzt den radikalen Schnitt machen. Wir konnten mit nur noch eineinhalb Mannschaften nicht mehr den Betrieb aufrechterhalten“, sagte Vorsitzender Lothar Lehmacher dem General-Anzeiger. In den besten Zeiten hatte der HSV drei Herrenmannschaften, eine Damenmannschaft und sieben Jugendmannschaften.

Die D-Jugend wurde 1977 sogar Mittelrheinmeister gegen den VfL Gummersbach. Seit 2017 gibt es keine Herrenmannschaft mehr. Die Damenmannschaft, die zuletzt in der Verbandsliga gespielt hatte, wurde 2018 abgemeldet.

Werbeaktionen brachten keinen Handballnachwuchs

In den vergangenen Monaten hatten die Verantwortlichen zusammen mit dem großen Nachbarn HSG Siebengebirge verschiedene Möglichkeiten von Kooperationsformen ausgelotet. „Doch das war vergebene Liebesmüh. Wir mit zwei Jugendmannschaften als Juniorpartner neben der übermächtigen HSG – das hat nicht funktioniert“, sagt Lehmacher.

Trotz Werbeaktionen wie einem Schnuppertraining in der Grundschule Stieldorf habe sich gezeigt, dass die beiden Jugendmannschaften für die neue Saison keine belastbare Basis für einen eigenen Spielbetrieb bilden.

„Wir haben uns daher schweren Herzens entschlossen, den eigenständigen Handballspielbetrieb und die aktive Teilnahme im Ligabetrieb im HSV Bockeroth bis auf Weiteres einzustellen“, so Lehmacher. Die jugendlichen Handballer, die nun ohne Verein dastünden, könnten bei der HSG Siebengebirge weiter ihrem Sport nachgehen.

Viele Vereine im Siebengebirge sind verschwunden

Lehmacher hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft noch nicht ganz aufgegeben. „Wir sind bemüht, wieder was auf die Beine zu stellen. Aber das wird natürlich immer schwieriger“, sagt er. Nach und nach seien die Handballvereine im Siebengebirge wie Heisterbacherrott, Thomasberg, Ittenbach, Stieldorferhohn und Dollendorf von der Bildfläche verschwunden. Seit Saisonbeginn 2016/17 bildet die HSG Siebengebirge eine Spielgemeinschaft mit dem TuS Dollendorf.

„Wir bündeln lieber die Kräfte in anderen sportlichen Aktivitäten“, sagt Lehmacher. Die rund 400 Mitglieder, vor 13 Jahren hatte der HSV noch 634, sollen sich im Breitensport für Senioren und Jugend und im Badminton betätigen können. Programme wie Mutter-Kind-Turnen, Bauch-Beine-Po oder Pilates laufen gut. „Wir sind auch auf der intensiven Suche nach anderen Angeboten, was aber in Ermangelung von Übungsleitern schwierig zu etablieren ist.“

Ein Versuch ist auch die geplante Kooperation mit der Bürgergemeinschaft Bockeroth, mit der man Veranstaltungen wie das Milchbockfest am 14. Juni oder das Familienfest auf dem Sportplatz am 29. Juni gemeinsam auf die Beine stellen möchte. Was man auf keinen Fall ändern möchte, ist der Name. Der HSV soll weiter Handball-Sport-Verein heißen.

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