Wetter im Rhein-Sieg-Kreis: Was der warme Winter für Mensch und Tier bedeutet

Frühling im Winter : Was das warme Wetter in der Region für Mensch und Tier bedeutet

Eigentlich ist jetzt Hochwinter, sagen die Meteorologen. Und dafür ist das Januar-Wetter viel zu mild. Nicht alle freut das: Allergiker leiden, Tiere beenden den Winterschlaf zu früh.

Der Januar fühlt sich an wie ein März. Gleich an mehreren Tagen kletterte das Thermometer seit Jahresbeginn tagsüber auf zweistellige Werte. Von Eis und Frost ist auch in den Höhenlagen des Rhein-Sieg-Kreises nichts zu spüren. Morgens zwitschern Vögel, vereinzelt sprießen die ersten Knospen. Und das zu der Jahreszeit, die Meteorologen als „Hochwinter“ bezeichnen – die kälteste Zeit des Jahres, die von Januar bis etwa Mitte Februar dauert. Obgleich die Wetterexperten für die kommenden Tage wieder sinkende Temperaturen vorhersagen, werde der Januar 2020 zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zählen, sagen sie. Erste Auswirkungen sind spürbar.

In der Bornheimer Praxis von Manuel Minnemann sitzt in diesen Tagen bereits der ein oder andere Patient mit allergischen Beschwerden. „Die Frühblüher Hasel und Erle machen sich bemerkbar“, sagt der Dermatologe und Allergologe. Ungewöhnlich früh? „Nein, eigentlich nicht“, sagt er. Eher die Fortsetzung eines Trends, der seit einigen Jahren zu beobachten sei. „Wir hatten auch schon mal im Dezember den ersten Pollenflug.“

Dass die Igel jetzt aus dem Winterschlaf erwachen, ist gefährlich für sie. Häufige Temperaturwechsel lassen ihre Fettreserven schwinden. Foto: Patrick Pleul

Eine Vorhersage, wie sich das Jahr für Allergiker entwickele, lasse sich trotz des frühen Starts in die Pollensaison nicht treffen: „Da ist trotz der derzeit warmen Witterungsperiode alles offen.“ Eine Einschätzung, die auch Minnemanns Kollege Ernst Cramer aus Rhöndorf teilt: „Die Saison für Allergiker startet bereits seit einigen Jahren früher“, sagt er. „Das setzt sich in diesem Jahr fort.“ Bereits jetzt stünden in seinem Garten die Haselnusssträucher in voller Blüte. Das sei zwar schön anzusehen, er selbst reagiere allerdings auch allergisch auf die Frühblüher. „Insofern behandele ich mich gerade auch schon selbst.“

Fürs Pflanzen ist es zu früh

Während die einen unter dem sonnigen Vorfrühling leiden, freut sich der Gartenbauer Alexander Ross aus Königswinter über das für seine Arbeit gute Wetter. „Wenn die Sonne rauskommt, melden sich auch bei mir die ersten Kunden“, sagt er. Und solange es nicht wirklich friere und schneie, könne er auch arbeiten. „Für mich heißt das nur, dass es in meinem Auftragsbuch in diesem Jahr das typische Januar-Loch nicht gibt.“

Sein Kollege Urban Kurscheid sieht das etwas anders. Auch bei ihm melden sich jetzt schon die ersten Kunden mit Aufträgen. „Wir machen das, was im Herbst wegen des nassen Wetters nicht ging“, sagt er. „Aber für alles andere ist es noch zu früh.“ Er setze jetzt noch keine neuen Pflanzen und rate auch all seinen Kunden, noch abzuwarten. Neben den möglichen Spätfrösten sei auch der Boden von den winterlichen Niederschlägen noch so aufgeweicht, dass jeder Schritt auf ein Beet schade. „Damit wird der Boden so verdichtet, dass die Pflanzen nicht mehr genug Sauerstoff bekommen und nicht richtig anwachsen können.“

Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch aus Bornheim sieht die Wetterkapriolen gelassen. Die Knospen seiner Apfel,- Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume treiben zwar jetzt schon aus, „aber die nächste Kältephase wird das auch wieder stoppen“, sagt er. So lange alles langsam gehe, sei das für die Obstbäume kein Problem. Gefährlich werde es erst dann, wenn es sehr plötzlich sehr viel kälter werde. „Wenn wir beispielsweise am Wochenende Temperaturen von zehn Grad unter Null bekämen, dann könnten die Bäume den Salz- und Wasserhaushalt in den Knospen nicht mehr regulieren.“ Die Gefahr sieht Schmitz-Hübsch aber derzeit nicht.

Temperaturwechsel sind für Tiere gefährlich

Ein solcher Kälteeinbruch nach zuvor warmen Tagen wäre laut Hannegret Krion, Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) Rhein-Sieg, auch für die Tiere problematisch. Das Gleiche gelte für einen ständigen Wechsel zwischen warmen und kalten Temperaturen. „Weil er den Tieren Kraftreserven raubt“, so Krion. Davon seien etwa Igel betroffen, die einen festen Winterschlaf halten. „Wenn sie immer wieder aufwachen und erneut in den Winterschlaf rein müssen, dann kann es sein, dass die Fettreserven nicht reichen.“ Hinzu komme: Für Igel und Fledermäuse sei derzeit kaum ein Futterangebot vorhanden. Anders ist es laut der Nabu-Vorsitzenden bei Tieren, die eine Winterruhe halten – wie Eichhörnchen. Sie unterbrechen ihre Ruhephasen sowieso zur Nahrungsaufnahme. „Bei denen ist es nicht so kritisch.“

Auswirkungen hat das milde Wetter auch auf Amphibien. Lägen die Temperaturen längere Zeit bei zwölf oder 13 Grad Celsius, könnten Frösche und Kröten früher munter werden. Entsprechend früher würden sie zu ihren Laichgewässern wandern. Und auch Schmetterlinge, von denen einige Arten als Falter in frostgeschützten Behausungen überwintern, könne die Sonne früher aus der Winterstarre nach draußen treiben. „Dort finden sie aber keine Nahrung und sterben“, sagt Krion.