Ausstellung "My Bare Self" in Königswinter zeigt intime Fotos: Weiblichkeit jenseits von Tabus

Ausstellung "My Bare Self" in Königswinter zeigt intime Fotos : Weiblichkeit jenseits von Tabus

Jede Gesellschaft ist von Tabus überzogen. Sie sind unsichtbar und unbewusst, werden kaum hinterfragt. Das merkt man oft erst, wenn man plötzlich mit offenen Augen auf ein solches Tabu gestoßen wird.

Königswinter an einem verregneten Samstagabend. Die Tür zum Atelier Meerkatze ist nur angelehnt, ein Schild lädt zum Eintreten ein. Im Fachwerkhaus findet die Vernissage einer Ausstellung der Fotografin Elisabeth Eichler mit dem Titel "My Bare Self" statt, angekündigt mit einem kaum zu identifizierenden Bildmotiv auf der Einladung.

Im Atelier befindet sich eine Handvoll Erwachsene, die in unbehaglichem Schweigen fast überall hingucken, nur nicht auf die Fotografien, die der Grund für ihr Kommen sind. Denn "My Bare Self" zeigt nichts anderes als die Vulven verschiedener Frauen.

Im Raum ist die Verlegenheit greifbar. Und weil die Motive "nicht jugendfrei" sind, wie ein Besucher anfangs mit einem unsicheren Lachen erwähnt, fragt man bezeichnenderweise nach der Entstehung. Immer mindestens eine halbe, manchmal aber auch bis zu zwei Stunden verbringe sie mit den Frauen, die sie fotografiert, berichtet Eichler.

Meist findet die Fotosession bei den Modellen statt, manchmal auch bei der Künstlerin zu Hause. Digital, damit die Modell stehenden Frauen nicht von der Technik abgelenkt werden und sich sicher fühlen können.

Im Raum steht die Frage nach dem Warum. Eichler antwortet mit einer Gegenfrage: "Wieso sollte man schließlich Teile seines Körpers ignorieren?" Statt der "Negierung oder der Reduzierung der Vulva auf ihre Funktionen" zeige die Ausstellung die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.

Ein Tabubruch, mit dem auch der Mitarbeiter einer Lokalzeitung zu kämpfen hat: Wie bebildert man eigentlich eine Ausstellung, die Genitalien zeigt? Und warum läuft die Ausstellung unter dem männlichen Aliasnamen Bob Jones?

Nicht nur, um den "male gaze", den begehrlichen Blick einer männlich konnotierten Welt auf Frauen, umzukehren, wie Eichler erklärt, sondern auch als Schutz vor Benachteiligung, etwa bei der Jobsuche.

Mit entsprechenden Reaktionen muss Eichler leben, die Literatur in Montpellier und Fotografie in Berlin studierte. In Berlin sei sie bei einem Bild gefragt worden, wie herum man das Bild drehen müsse, um das Motiv zu erkennen. In Neuseeland seien gar alle Fotografien heruntergerissen und aus der Galerie gestohlen worden. "Das tat weh", sagt Eichler, "weil dort gar nicht die Diskussion gesucht wurde."

Wo doch genau diese gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper Ziel der Ausstellung sei. Galerist Axel Wendelberger berichtet, er habe die Künstlerin unbedingt in Königswinter haben wollen. "Die Bilder sind unglaublich ernsthaft. Als ich ihnen das erste Mal ausgesetzt war, habe ich gemerkt, wie ich an Grenzen gestoßen bin. An Geschlechtergrenzen, Generationengrenzen, an gesellschaftlich-soziale Konditionierung." Seitdem diskutiere er mit Eichler ständig über Feminismus. Und über die Bilder.

Die Ausstellung von Elisabeth Eichler im Atelier Meerkatze, Meerkatzstraße 2, ist bis Sonntag, 10. November, zu sehen. Besuch nur nach Voranmeldung unter (02223) 2958600 oder per E-Mail an meerkatze@wendelberger.com.