Laichsaison im Siebengebirge: Vorsichtig Fahren während der Krötenwanderung

Laichsaison im Siebengebirge : Vorsichtig Fahren während der Krötenwanderung

Feuchtes Wetter und mindestens fünf Grad sind das Startzeichen für Amphibien: Sie machen sich auf zu den Laichgewässern. Damit die Tiere nicht überfahren werden, sorgen die Tunnel, die vor zwei Jahren gebaut wurden. Und Schüler vom Hagerhof.

Sonnenschein und steigende Temperaturen sorgen für Frühlingsgefühle: Bereits mit den ersten warmen Tagen Ende Februar sind auch Kröten, Frösche und Molche aus ihrer Winterstarre erwacht und haben sich auf die Wanderschaft in ihre Laichgewässer begeben.

„Es ist schon einiges gelaufen“, berichtet Klaus Weddeling von der Biologischen Station des Rhein-Sieg-Kreises. „Gelaufen“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf dem Weg in das Gewässer, in dem sie einst geboren wurden, legen Kröten mitunter viele Kilometer zurück und machen auch an Straßen nicht Halt.

Nachdem die frostigen Nachttemperaturen die Wanderlust der Amphibien vorübergehend gebremst hatten, geht es jetzt erneut los: „Die Krötenwanderung ist noch nicht vorbei“, sagt der Biologe. Für Autofahrer heißt das: runter vom Gas, und zwar überall dort, wo Hinweisschilder auf die Krötenwanderung aufmerksam machen.

Auch vorbeifahrende Autos können die Tiere töten

Denn auch wenn die Tiere nicht unter dem Autoreifen landen, kann schon der Luftdruck vorbeifahrender Wagen so groß sein, dass Knochen und innere Organe beschädigt werden. Experten gehen davon aus, dass Erdkröten, die übrigens per Gesetz besonders geschützt sind, schon bei einem Tempo von mehr als 30 Stundenkilometern kaum eine Überlebenschance haben.

Die Zeiten, in denen sich auf der Kreisstraße 25 zwischen Vinxel und dem Kloster Heisterbach zu Krötenwanderungszeiten regelrechte Massaker abspielten, sind glücklicherweise vorbei. Die 14 Tunnel, die vor zwei Jahren als Querungshilfe für die Tiere gebaut wurden, erfüllen ihren Zweck.

Mitarbeiter der Biologischen Station haben unlängst die Wanderungsbewegungen an den Tunnelausgängen überwacht und die vierbeinigen Passanten gezählt: Mehr als 1000 Exemplare der Gattung „Bufo bufo“ wurden dabei an sechs Tagen registriert.

„Das zeigt, dass die Tunnellösung funktioniert“, so Weddeling. Nur ein paar Meter weiter ist allerdings noch Handarbeit angesagt: Entlang der Landesstraße 490 auf Höhe der Kreuzung mit der Kreisstraße gibt es einen etwa 150 Meter langen Krötenzaun. Die Tiere, die am Ende des Zauns in die bereitgestellten Eimer purzeln, werden täglich von ehrenamtlichen Helfern über die Straße getragen.

Weitere Krötentunnel sind geplant

Seit einigen Jahren hoffen die Tierfreunde hier ebenfalls auf eine Tunnellösung – und die soll auch kommen. „Die Planungen sind abgeschlossen“, teilte Sabrina Kieback, Pressesprecherin des Landesbetriebs Straßen NRW, auf Anfrage des General-Anzeigers mit. Bevor es an die Umsetzung gehen könne, müssten allerdings noch einige Bäume gefällt werden. Dies sei frühestens in der nächsten Fällperiode im Herbst möglich.

Auch im Bad Honnefer Süden geht es für Kröte, Frosch und Co. quasi mit dem Taxi in die Frühlingszeit. Ihr Ziel ist der Löschteich auf dem Gelände des Schlosses Hagerhof – und seit 2011 sorgen Schüler dafür, dass sie dort auch sicher ankommen.

„Früher konnte man hier ein wirkliches Drama erleben“, erinnert sich Biologie-Lehrer Martin Lehnert. Seit er gemeinsam mit den Schülern der siebten Klassen täglich den 350 Meter langen Folienzaun nebst Fangeimern entlang der Zufahrtsstraße zur Schule kontrolliert, werden nur noch wenige Tiere überfahren.

Schüler retten Hunderte Amphibien

Nächtliche Straßensperrungen zu den Hauptwanderzeiten tun ein Übriges. Und bei den Anwohnern warben die Schüler mit selbst entworfenen Briefen und Schildern für Verständnis. Allein im ersten Jahr konnten die Schüler so 2000 Kröten das Leben retten. Die Zahlen werden seitdem genau protokolliert.

Lehnert: „Der Durchschnitt liegt bei 600 bis 800 Tieren im Jahr, 90 Prozent davon sind Kröten.“ Für Frösche ist der Teich kein bevorzugtes Ziel. Der Grund: In dem Gewässer leben Fische, für die der Amphibien-Nachwuchs eine Delikatesse ist. Die Krötenkaulquappen allerdings bleiben verschont, „sie schmecken nicht“.

In diesem Jahr sind den Schülern erst 200 Kröten in die Eimer gegangen, eine Zahl, die Lehnert beunruhigt. Er hofft auf regnerisches und warmes Wetter, „und einen großen zweiten Schwung an Tieren, die sich dann noch auf die Wanderschaft begeben“. Möglicherweise ist der Rückgang aber auch eine Auswirkung des trockenen Wetters im vergangenen Jahr. „Für die Amphibien war das ganz bitter, da ihnen die Nahrung fehlte.“

Um Eier zu produzieren, müssen die Krötenweibchen einen gewissen Body Mass Index aufweisen, wie der Biologielehrer erläutert. Natürliche Schwankungen in der Größe der Population könne es allerdings immer geben. „Es kann auch an der Qualität des Teiches liegen.“

Dieser verschlammt zusehends und müsste dringend ausgebaggert werden. Da es sich um ein großes Amphibienvorkommen handelt, wollen sich die Tierfreunde jetzt mit der Bitte um Unterstützung an das Naturschutzgroßprojekt Chance 7 des Rhein-Sieg-Kreises wenden.

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