Sinfonia Königswinter: Vom Konzertdrama zu Swing und Ragtime

Sinfonia Königswinter : Vom Konzertdrama zu Swing und Ragtime

Ein völlig neues Konzerterlebnis. Die Sinfonia Königswinter führte in der Zehntscheune "Pelleas und Melisande" auf, ein Konzertdrama nach dem Stück von Maurice Maeterlinck aus dem Jahre 1893.

Und für die Rolle der beiden Titelhelden hatte Dirigent Tobias van de Locht zwei Schauspieler gewinnen können, die Konzertbesuchern vielleicht schon vom Fernsehen her bekannt waren.

Réne Heinersdorff, Gründer und Direktor des Theaters an der Kö in Düsseldorf, sprach in Heisterbach den Pelleas, im Fernsehen stand er beispielsweise bei "Die Camper" oder "Derrick" vor der Kamera. Seine Kollegin Vasiliki Roussi mimte die Melisande und war schon im "Tatort" zu entdecken. Die beiden ausdrucksstarken Erzähler harmonierten in Tempo und Tonhöhe hervorragend mit dem Orchester, das die Schauspielmusik, die der finnische Komponist Jean Sibelius 1905 schrieb und von Tobias van de Locht adaptiert wurde, einfühlsam darbot.

Das Drama über die todgeweihte Liebe der Titelgestalten erschloss sich den Besuchern über Text und Musik in eindrucksvoller Weise. Sie belohnten die Künstler mit sehr viel Applaus. Nach diesem eher düsteren Stoff begeisterte nach der Pause Pamela Coats, die US-amerikanische Klarinettistin, bei der Aufführung des Konzerts für Klarinette und Orchester Nr. 2 von Sir Malcolm Arnold (1921-2006). Der britische Komponist war von Freund Sibelius (1865-1957) stilistisch beeinflusst.

Während Arnolds Musik also oft nordisch-herb geprägt ist, schrieb er sein zweites Klarinettenkonzert 1973 spritzig. Der Dreisätzer endet mit einem echten Ragtime-Rausschmeißer. Pamela Coats freute sich, unter Leitung des ehemaligen Assistenten Arnolds nun dieses Konzert spielen zu dürfen. Sie trug dazu ein Kleid im Stil der Zwanziger Jahre und eine eigens kreierte Frisur. Viel Beifall auch für die weltweit agierende Künstlerin.

Mit der "Promenade" von George Gershwin (1898-1937) folgte ein weiteres fröhliches und swingendes Stück. Abschließend spielte die Sinfonia eine Komposition von César Franck (1822-1890). Tobias van de Locht hatte dessen Orgelstück Prélude, Fugue et Variation für Orchester bearbeitet, das nun erstmals erklang und mit seiner melancholisch wirkenden Musik den Kreis zu Sibelius schloss.

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