Feuerwehren im Siebengebirge: Stadt und Politik stecken Millionen in die Ausrüstung

Feuerwehren im Siebengebirge : Stadt und Politik stecken Millionen in die Ausrüstung

Die Freiwilligen Feuerwehren haben Zukunft - da ist Königswinters Dezernentin Heike Jüngling sicher. Sie nennt die Ehrenamtlichen "extrem leistungsstark und motiviert". Nachwuchssorgen gibt es nicht.

In zwei Wochen ist Richtfest. Am 31. Oktober wird der Rohbau des Feuerwehrgerätehauses der Löscheinheit Uthweiler in Oberpleis stehen. Mitte nächsten Jahres könnten die zurzeit 44 Männer und eine Frau dann vom neuen Standort aus zur Brandbekämpfung ausrücken.

Im April war der alte Bauhof abgerissen worden. Im Juli war mit den Erdarbeiten und dem Rohbau auf dem städtischen Grundstück begonnen worden. Der Neubau wird unter anderem einen großen Unterrichtsraum bieten, in dem bei Veranstaltungen bis zu 100 Menschen Platz finden können, dazu eine große Fahrzeughalle mit einer Fläche von 286 Quadratmetern für die vier Fahrzeuge der Einheit.

Der Boden hat eigens ein Gefälle, damit das Gemisch aus Öl und Wasser von den Fahrzeugen in eine Rinne und dort weiter in einen Ölabscheider laufen kann, bevor es in die Kanalisation geleitet wird. Das ist modernste Technik.

Neues Gerätehaus für 2,175 Millionen Euro

2,175 Millionen Euro investiert die Stadt in das neue Gebäude. Die relativ hohen Kosten haben mit der Geschichte des Grundstücks zu tun. Dort waren in früheren Zeiten die Werkstätten für Lokomotiven der Bröltalbahn. Das alte Bahnhofsgebäude steht noch nebenan. Später befanden sich hier der Busbahnhof und der städtische Baubetriebshof. Die Entsorgung der Altlasten, die bei der Baugrunduntersuchung gefunden wurden, verteuerte den Neubau.

Für die Stadt Königswinter ist die Baumaßnahme in Oberpleis eine Investition in die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenso wie es die Neubauten 2010 in Bockeroth und 2012 in Oberdollendorf waren. Die Gebäude in Niederdollendorf, Ittenbach, der Altstadt und Eudenbach wurden saniert.

Politik und Verwaltung machen reichlich Mittel locker, um für eine gute Ausstattung zu sorgen. „Stadt und Politik tun alles dafür, das Ehrenamt zu stärken“, sagt die zuständige Dezernentin Heike Jüngling. Und die Einheiten würden das mit guter Arbeit mehr als zurückzahlen.

„Unsere Feuerwehr ist sehr gut aufgestellt, extrem leistungsstark und motiviert“, so Jüngling. Das über vergleichbaren Kommunen mit einer Freiwilligen Feuerwehr schwebende Damoklesschwert des Kräftemangels sieht sie in Königswinter nicht. „Ich glaube fest an die Kameraden, die für ihren Job regelrecht brennen“, sagt sie. Sie habe die intensive Hoffnung, dass die Stadt auch in fünf oder zehn Jahren noch Gerätehäuser für eine ehrenamtliche Wehr wird einweihen können.

Konstante Zahlen beim Nachwuchs

Auch Stadtbrandinspektor Michael Bungarz betont, man habe in Königswinter noch nie personelle Nöte oder Probleme mit dem Nachwuchs gehabt. „Wenn jedes Jahr ein oder zwei Nachwuchskräfte aus der Jugendfeuerwehr nachrücken, haben wir konstante Zahlen“, sagt er. Probleme gebe es höchstens mit der Tagesverfügbarkeit, die aber dadurch gelöst würden, dass zwei Einheiten parallel alarmiert werden. Pro Jahr kommt die Königswinterer Feuerwehr auf 500 bis 600 Einsätze.

Bruno Lemke, Servicebereichsleiter Feuerwehr und Rettungsdienst bei der Stadt, hat beobachtet, dass die Technik gerade die jungen Leute fasziniert. Bestes Beispiel sei die neue Drehleiter der Löscheinheit Uthweiler. „Die drängeln sich geradezu um die Lehrgänge.“ Zurzeit zählt die Jugendfeuerwehr 104 Mitglieder, unter ihnen 15 Mädchen.

Und wer einmal dabei ist, der bleibt in der Regel lange. Lemke, der seit 45 Jahren der Feuerwehr angehört, ist selbst ein gutes Beispiel. Auch Michael Bungarz rückt seit 39 Jahren, davon 18 Jahre in leitender Funktion, zu Bränden aus. Es scheint auch ein bisschen Familiensache zu sein: Sein Vater war ebenfalls bei der Feuerwehr, und auch sein 16-jähriger Filius ist schon bei der Jugendfeuerwehr.

"Ein bisschen verrückt muss man schon sein"

„Ein bisschen verrückt muss man schon sein. Wenn nachts der Piepser geht, muss man raus“, sagt Bungarz. Zum Jahreswechsel macht Königswinter bei der Nachwuchsgewinnung sogar noch einen weiteren Schritt. Mit Unterstützung der Verwaltung wird in Oberdollendorf exemplarisch eine Kinderfeuerwehr für Sechs- bis Zwölfjährige gegründet.

Für die Löscheinheit Uthweiler bedeutet der Umzug nach Oberpleis die Abkehr vom eigenen Ort. Dabei wird sie immerhin ihren bisherigen Namen behalten. „Ziel war es, mit dem Neubau näher ans Ortszentrum von Oberpleis zu kommen“, erklärt Bungarz. Und somit dichter an einen großen Teil der Bevölkerung im Ausrückegebiet der Löscheinheit.

Das gehört zu den größten in der Stadt und reicht von Scheuren bis Oberpleis sowie von Berghausen bis Eisbach. Zudem befinden sich in Oberpleis das Schulzentrum und ein Altersheim. Bisher fahren die Mitglieder der Löscheinheit oft erst vom Brandort weg nach Uthweiler, um Fahrzeuge und Ausrüstung zu holen.

Ein Kompliment für Bungarz ist, dass viele Bürger davon ausgehen, bei den Königswinterer Löscheinheiten handele es sich um eine Berufswehr. So professionell verrichten die ehrenamtlichen Löschkräfte offensichtlich ihre Arbeit. Freuen würde ihn hin und wieder aber ein bisschen mehr Selbsthilfe, wodurch die hohen Einsatzzahlen seiner Leute ein wenig reduziert werden könnten. „Die Leute müssen uns nicht immer rufen, wenn nur ein Papierkorb brennt.“

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