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Sozialverband VdK: 22-Jähriger aus Oberpleis ist jüngster Ortsvorsitzender

Jonathan Koch : 22-Jähriger aus Oberpleis ist jüngster VdK-Ortsvorsitzender

In den Nachkriegsjahren vertrat der VdK Interessen von Kriegsopfern und Hinterbliebenen, heute gilt er als größter Sozialverband Deutschlands. Der 22-jährige Oberpleiser Jonathan Koch ist jüngster Ortsvorsitzender in NRW.

Wenn er nicht gewesen wäre, hätte es für die Zukunft des Ortsverbands Königswinter des Sozialverbands VdK düster ausgesehen. Deshalb trat Jonathan Koch aus Oberpleis-Herresbach im November zur Wahl an. Mit 22 Jahren ist er nun jüngster Ortsverbandsvorsitzender im VdK-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Unter dessen Dach sind immerhin rund 785 Ortsverbände in 43 Kreisverbänden organisiert.

Alters- und krankheitsbedingt sei der Vorstand des Ortsverbands nicht mehr vollständig und nicht mehr geschäftsfähig gewesen, berichtet Koch. Damit es weitergeht, habe er sich vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung im November bereit erklärt, im Vorstand aktiv zu werden. Der Kreisvorsitzende Gernot Mittermeier habe ihn dann dazu bewegt, doch für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren.

Viele Interessen und Hobbys

„Vielleicht gerade, weil ich so jung bin und mich durchbeißen und mich noch lange mit Energie einsetzen kann“, mutmaßt der gebürtige Bad Honnefer, der sich auch in zwei Tierschutzvereinen ehrenamtlich engagiert und Sport, Sprachen lernen, Filme und Videos schneiden zu seinen Hobbys zählt. Spontan ist er und offen für alles, was kommt. Privat reist er gern und lässt sich auch da manchmal treiben. „Einfach gucken, wo es einen hinträgt.“ Als er vergangenes Jahr einen Tapetenwechsel brauchte, sei er so „mit dem Auto schließlich in Den Haag gelandet“.

Beim Sozialverband VdK ist Koch „gelandet“, weil er vor vier Jahren sozialrechtliche Beratung brauchte. „Meine Mutter meinte, dass vielleicht der VdK helfen kann – und er konnte“, erinnert sich Koch. Danach seien sie beide Mitglieder geworden. Derartige Hilfe möchte er auch anderen Behinderten und Nichtbehinderten ermöglichen, wobei er lieber von „Benachteiligten“ statt von „Behinderten“ spricht. „Vor allem möchte ich erstmal wieder Leben in den Ortsverband reinbringen“, sagt der Musikfestival-Fan mit Eintrittsband vom Rheinimpuls-Festival am rechten Handgelenk.

Nach seinem Ausbildungsabschluss Mitte 2018 leistete der Fachinformatiker für Systemintegration zunächst für ein Kölner Telekommunikationsunternehmen EDV-Support für Schulen, mittlerweile beim Bundesministerium für Gesundheit in Bonn. Ein Computer-Nerd ist er aber nicht. „Schon als Kind habe ich nicht nur drinnen gesessen, sondern bin auch gerne raus und habe mich auch mal dreckig gemacht“, sagt er. Wenn es sein muss, kann er auch, neben Fachjargon oder Programmiersprachen, eine Sprache sprechen, die alle Bevölkerungsgruppen verstehen.

Für eine offene und tolerante Gesellschaft

„Noch viel mehr Menschen sollen erfahren, dass es uns gibt und was wir eigentlich machen“, sagt er mit Blick auf den VdK. „Der VdK ist nicht mehr nur ein Verband für Kriegsopfer und -hinterbliebene, als der er von manchen noch oft angesehen wird.“ Dass der Sozialverband auf Bundesebene sich für weniger Sanktionen für unter 25-jährige Hartz-IV-Empfänger ausgesprochen habe, findet er gut.

Eine offene und vor allem tolerante Gesellschaft, mehr soziale Gerechtigkeit, Pflegeberatung, Grundrente und der Kampf gegen Altersarmut sind weitere Themen, für die er sich einsetzen möchte. Auf lokaler Ebene könne sich der Sozialverband mehr um Barrierefreiheit kümmern und noch sichtbarer als Ansprechpartner in sozialen Fragen werden.

Generationenwechsel an der Spitze des Ortsverbands

Durchaus bewusst ist er sich, dass er den Altersdurchschnitt „von so etwa 63 oder 64 Jahren“ im VdK deutlich senkt. Der Generationenwechsel an der Spitze des rund 683 Mitglieder zählenden Ortsverbands bedeute aber keine Verlagerung des Fokus auf andere Altersklassen oder mehr Werben um jüngere Menschen.

„Erst einmal geht es darum zu sehen, was unsere aktuellen Mitglieder brauchen und wünschen.“ Deshalb möchte sich der neue Vorstand, zu dem als Schriftführerin auch die 46-jährige Martina Schmelzer gehört, etwa beim Neujahrsempfang an diesem Samstag „unters Volk mischen“ und bei der Mitgliederversammlung im März eruieren, wie die Vorhaben für das Jahr 2020 ankommen.

Geplant sind beispielsweise eine Grillveranstaltung, Ausflugsfahrten und auch ein regelmäßiger Stammtisch, vielleicht auch ein Vortrag zum Schwerbehindertenrecht und ein PC-Einsteigerkursus für ältere Menschen, „wenn wir dafür einen Raum finden“. Eigene Räume hat der VdK nämlich nicht. Der frühere Vorstand habe kaum mehr Aktivitäten angeboten. „Aber die Leute wollen nicht nur Beitrag zahlen, sie wollen auch etwas erleben“, findet Schmelzer. „Wir möchten frischen Wind reinbringen.“

Mit 40 Anmeldungen für den Neujahrsempfang am Samstag hatten sie gerechnet. Es sind mindestens doppelt so viele geworden. „Da mussten wir sogar einen anderen Raum im Haus Schlesien buchen.“