Das Besondere ist die Gemeinschaft: So wird in Königswinter gemeinsam gefastet

Das Besondere ist die Gemeinschaft : So wird in Königswinter gemeinsam gefastet

54 Frauen und Männer nehmen an der Fastenwoche in der Evangelischen Kirchengemeinde Heisterbacherrott teil. Beim Suppenessen genossen sie den Austausch, auch mit Ärztin Brita Larenz.

Christine Hammer brüht noch schnell Waldfrüchtetee auf. Denn der Andrang ist groß: 54 Teilnehmer sind es diesmal bei der Fastenwoche der Evangelischen Kirchengemeinde Heisterbacherrott. „Wir mussten beim Anmelden stoppen“, so Ärztin Brita Larenz, die zum 17. Mal mit Christine Hammer die Aktion organisiert. Selbst aus Bonn kommen einige, um in der Gemeinschaft eine Woche lang Verzicht zu üben. Larenz: „Das Geheimrezept ist die Gemeinschaft.“

Nichts zu essen außer einer Fastensuppe – das wäre auch zu Hause machbar. Aber mit einem Tee empfangen zu werden, sich an den hübsch gedeckten Tisch zu setzen, gemeinsam zu singen und den beiden Damen zuzuhören, gibt dem Heilfasten das Besondere.

Einige unterstützen Christine Hammer beim Schnippeln des Gemüses, andere waschen hinterher mit ab. Das verbindet. Hammer braucht bei diesem Andrang zwei große Kessel Suppe, denn für jeden soll noch Nachschlag drin sein von der köstlich duftenden Brühe. Im Laufe der Zeit wurde die „Fasten-Köchin“ immer gewiefter.

Heilfasten kurbelt den Stoffwechsel an

Sie hat Rezepturen für Tomaten-, Kartoffel- und Möhrensuppe kreiert. „Ich nehme mehr Gemüse. Und mittlerweile sind auch mehr Gewürze erlaubt – etwa Kreuzkümmel oder Kurkuma.“ Zwei Stunden lässt sie die Suppe köcheln, ehe sie das Gemüse von der Brühe trennt. Ein Berg Petersilie steht bereit. Hinzu kommen Hefeflocken.

„Das ist ja keine Null-Diät. Jeder nimmt 200 bis 300 Kalorien täglich zu sich, es gibt keinen Eiweiß-, keinen Muskulaturverlust“, erklärt Brita Larenz. „Fasten gehört zum menschlichen Lebensrhythmus – tagsüber arbeiten und essen, nachts ruhen und fasten.“ Die meisten freuen sich, einige Pfunde zu verlieren, aber bei diesem Heilfasten geht es um mehr: um Geist und Seele, um mehr Gesundheit durch Veränderung des Stoffwechsels.

Larenz: „Die Blutzuckerspeicher leeren sich, Fette werden reduziert, die Fettverbrennung ist schon nach einem Tag messbar. Der Blutdruck wird gesenkt, 'Zellmüll' verbrannt. Schon eine Woche reicht, um diese Stoffwechselvorgänge zu aktivieren.“

Die 35-jährige Margarete aus Oberdollendorf fastet zum fünften Mal, bisher allerdings im Urlaub in Hotels. „Hier ist es sehr angenehm. Und die Andacht ist ein Impuls. Nun bin ich auf die Suppe gespannt.“ Seit sie faste, habe sie anschließend eine Erfahrung mit in den Alltag übernommen.

Verzicht auf Kaffee, Alkohol, Zucker und Fleisch

„Ich trinke seit Jahren keinen Kaffee mehr“, so die Beamtin. Vor dem Fasten habe sie bereits einige Wochen lang auf Zucker, Alkohol, Fleisch oder Mehlprodukte verzichtet. Nach dem ersten Teller Suppe ist sie begeistert: „Das ist die beste Fastensuppe, die ich je gegessen habe.“

Petra Convent-Menzen aus Niederholtorf ist Neuling. „Ich wollte unbedingt heilfasten unter ärztlicher Betreuung“, so die 52-Jährige. Hier habe sie die richtige Adresse gefunden. „Ich fühle mich wie in einer großen Familie.“ Ein alter Hase in Sachen Fasten ist Walfried Niedersberg. Der 84-jährige Thomasberger kommt von Anfang an: „Wegen der Gemeinschaft“, sagt er und holt sich noch Suppe.