Mit Spezialtechnik im Steilhang: So wird ein Weinberg in Oberdollendorf bepflanzt

Mit Spezialtechnik im Steilhang : So wird ein Weinberg in Oberdollendorf bepflanzt

Der Oberdollendorfer Winzer Bernd Blöser pflanzt junge Reben mit einem speziellen Raupenfahrzeug von den Ahr-Kollegen. Früher mussten die Reben von Hand eingesetzt werden. Teilweise bei mehr als 50 Prozent Steigung.

Es war früher ein echter Knochenjob, das Pflanzen neuer Rebstöcke in Steillagen. Meter um Meter mussten sich die Winzer zu Fuß den Hang hinauf kämpfen, die Pflanzlöcher wurden mühsam mit Hacke und Spaten ausgehoben und die Reben von Hand eingesetzt – und das bei mehr als 50 Prozent Steigung. Der Oberdollendorfer Winzer Bernd Blöser ist froh, dass es dafür heute Maschinen gibt.

Allein in der Lage am Laurentiusberg müssen dieser Tage auf 2.000 Quadratmetern Fläche neue Reben gepflanzt werden; die alten wurden gerodet, da sie nach 40 Jahren nicht mehr genug Ertrag brachten. „Früher wären damit sechs bis sieben Mann zwei Wochen lang beschäftigt gewesen“, sagt Blöser. „Dank der Rebpflanzmaschine sind wir jetzt in nur einem Tag fertig.“ Besagte Maschine ist dafür eigens auf dem Anhänger eines Traktors über den Rhein ins Siebengebirge chauffiert worden. An der Ahr sind nämlich Spezialisten für Steillagen zu Hause, Leute wie Florian Stark vom Weingut Stark-Linden in Ahrweiler.

Sein RMS, kurz für „Raupenmechanisierungssystem“, ist eigens für die Arbeit an Hängen mit extremen Gefälle konstruiert worden und kam in dieser Woche auch in Oberdollendorf zum Einsatz.

Langsam, aber unermüdlich kämpft sich das Raupenfahrzeug den Weinhang am Laurentiusberg hinauf. Da Motorkraft alleine dort aufgrund der Steigung nicht ausreicht, hilft von oben noch ein Seilzug mit. Der verhindert auch, dass Raupe und Anhänger womöglich den steilen Hang wieder heruntersausen. Das Gefälle ist nämlich in der Tat beträchtlich: „Wir haben hier eine Steigung von 55 Prozent“, sagt Blöser. Dort zu arbeiten ist also nichts für Ängstliche.

Exakt vorgegebene Abstände

Angst haben Frederik Stark und sein Kompagnon, Winzer Heiko Schäfer, nicht, dafür aber eine Menge Vertrauen in die Technik. Der eine sitzt vorne und steuert die Raupe, der anderen hinten und bedient die eigentliche Pflanzmaschine. Dafür, dass das Fahrzeug genau die Spur hält und jede einzelne Rebe nach exakt vorgegebenen Abständen an der richtigen Stelle in die Erde kommt, sorgt ein Lasersignal.

Das Ausheben der Löcher übernimmt die Maschine, ebenso das eigentliche „In-die-Erde-Stecken“. Schäfers Aufgabe wiederum ist es, exakt nach jeweils 1,10 Metern eine neue Rebe in die Schaufel der Apparatur zu setzen.

Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, wo bereits eine Pflanze in der Erde steckt: Lediglich ein kleiner grüner Kopf schaut oben aus dem Boden. Das Grün ist ein Wachsüberzug, der zum Schutz der Pfropfrebe dient. Das Pfropfen ist eine weit verbreitete Veredelungsform. Die Weinrebe wird dabei sozusagen aus zwei verschiedenen Pflanzen zusammengesetzt, die dann verwachsen.

„Diese Reben sind widerstandsfähiger und werden nicht von der Reblaus befallen“, erläutert Blöser die Vorzüge. In den kommenden Tagen werden die neu gepflanzten Reben noch mit einer Art Tüte zum Schutz vor Verbiss durch Tiere versehen. Etwa drei Jahre wird es dauern, bis dann die ersten Trauben der Sorte „Weißer Riesling“ geerntet werden können.

Für diesen Freitag, 17. Mai, lädt das Weingut Blöser zum Frühlingsfest ein. Ab 17 Uhr können im Weingut an der Bachstraße in Oberdollendorf unter anderem die Jungweine des Jahrgangs 2018 gekostet werden.

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