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Siebengebirge: Wildschweine dringen in Siedlungen vor

Nur Zäune helfen : Wildschweine dringen im Siebengebirge in Siedlungen vor

Immer häufiger macht sich Schwarzwild über Gärten in Siedlungen her, denn die Population im Rhein-Sieg-Kreis ist groß. Und obwohl die Tiere normalerweise Menschen meiden, treffen Frühaufsteher sie mitunter sogar auf der Straße.

Da staunten die Passanten nicht schlecht: Frühmorgens auf der Reichenberger Straße in Bad Honnef unterwegs, bekamen sie auf dem Bürgersteig Gesellschaft – von einem Wildschwein. Auch in Ortsteilen wie Rommersdorf oder Selhof tummelt sich das Schwarzwild zurzeit besonders gerne, haben die Tiere Wiesen und Wege systematisch auf Links gedreht.

„Wir haben unsere Population in diesem Jahr besser im Griff“, sagt Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft. „Unsere Population“ – das sind die Wildschweine in den Wäldern des Forstamtes. Das bedeute aber nicht, dass es nun weniger Wildschweine gebe. Es heiße lediglich, dass sie den Wald, in dem sie vermehrt gejagt werden, meiden.

Sie ziehen sich zunächst in die Grenzgebiete zurück. Und von dort ist es für die schlauen Schweine nicht weit bis zu den Siedlungen und Gärten, wo sie zum einen ein reichhaltiges Nahrungsangebot finden und zum anderen sicher vor den Jägern sind.

Wildschweine immer mehr im Alltag

Für die Orte im Siebengebirge bedeutet das wie für viele Bereiche des Rhein-Sieg-Kreises: Wildschweine gehören zunehmend zum Alltag. Hans-Heribert Krahe kennt das Thema zur Genüge. Seit gut 25 Jahren ist er bestätigter Jagdaufseher im gemeinschaftlichen Jagdbezirk Honnef-Tal, ein „schmaler Streifen“ zwischen den Weinbergen und den Siebengebirgshängen rund um Bad Honnef.

Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht von Anwohnern angesprochen wird. Denn wenn die Wildschweine bevorzugt nachts auf Futtersuche gehen, lassen sie sich von handelsüblichen Maschendrahtzäunen nicht abhalten. „Ich rate Anwohnern immer, die Grundstücke mit einem stabilen Zaun einzufrieden, am besten einem, der tief in die Erde reicht. Aber es nutzt eben auch nichts, wenn der Garten an drei Seiten gesichert ist wie Fort Knox und vorne das Tor offensteht“, sagt Krahe. Werden dann auch noch Essensreste offen kompostiert, dann ist das wie eine Einladung. Und: Die Bedingungen für die Tiere sind seit Jahren gut, teils gibt es mehr als eine Generation Nachwuchs pro Jahr – zum Leidwesen von Gartenbesitzern und trotz Regulierung durch die Jagd. Noch dazu mehren sich aktuell die Sorgen, dass sich die Afrikanische Schweinepest verbreiten könnte.

Die Jäger tun das Ihrige, die Population einzudämmen. Allein im Jagdbezirk Honnef-Tal wurden laut Krahe in der vergangenen Jagdsaison 125 Wildschweine erlegt. Seit April sind es schon wieder an die 100, „die Vorjahreszahl werden wir wohl toppen“, so Krahe. Sein Appell lautet aber auch: Bürger sollten Hinweisschilder auf Jagden nicht ignorieren, wie es leider immer wieder der Fall sei. Zwar bestehe keine Gefahr für Passanten, da stets strengste Sicherheitsvorkehrungen getroffen würden. Aber wohin ganz genau ein Wildschwein laufe, auf das Druck ausgeübt wird, könne niemand sagen.

Eigentümer bleiben auf Schaden sitzen

Was viele Hauseigentümer bedrückt: Wühlen Wildschweine die Gärten von Privatleuten durch, müssen weder eine Jagdgenossenschaft noch Jagdpächter für den Schaden aufkommen. Sie sind nur zuständig für Schäden in jagdbaren Gebieten – und dazu gehören Wohngebiete eben nicht, wie auch die Jagd ausschließlich auf den Jagdbezirk beschränkt ist und an der Ortsgrenze Halt machen muss.

Eine Ausnahme in Sachen Entschädigung bilden im Falle eines Falles landwirtschaftliche Betriebe, so sie im Jagdbezirk liegen. Eine Einbahnstraße ist aber auch das nicht: Jeder Grundstückseigner muss dazu beitragen, sein Areal zu schützen, so das Gesetz.

Was den Schweinen zu allem Überfluss zugute kommt: Sie sind schlau, so Krahe, und „mittlerweile an den Menschen gewöhnt“. Bedeutet: Wenn wie bei der großen Gemeinschaftsjagd Druck auf die Tiere aufgebaut worden ist, „dann verkrümeln sie sich in verwilderte Gärten, da fühlen sie sich sicher“, berichtet Krahe aus Erfahrung. Generell lieben es die Tiere, sich im Unterholz zu verstecken.

Auch das Freizeitverhalten der Menschen hat erheblichen Anteil daran, dass die Tiere auf neue Areale wie Gärten ausweichen. Beispiel, so Krahe: Freilaufende Hunde im Wald, im Naturschutzgebiet Siebengebirge ohnehin verboten, bedrängten die Tiere zusätzlich, aber auch Mountainbiker, die im Wald teilweise sogar nachts mit Beleuchtung unterwegs seien, und andere Freizeitsportler.

Verletzte oder sich auffällig verhaltende Tiere solle man melden, im Zweifelsfall beim Ordnungsamt oder der Polizei. Diese nehme, falls nötig, Kontakt mit den Jägern auf.