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Siebengebirge: Wie die 4711-Familie Mülhens das Siebengebirge prägte

„De Naas von Kölle“ : Wie die 4711-Familie Mülhens das Siebengebirge prägte

Das Siebengebirge sähe ohne den Einfluss der Industriellenfamilie Mülhens anders aus. Das zeigt eine Ausstellung, die zurzeit nur im Internet zu sehen ist, nach Corona in der Talstation der Drachenfelsbahn gezeigt werden soll.

Das Foto des elfjährigen Dieter mit der persischen Kaiserin Soraya steht schon seit Jahrzehnten im Wohnzimmer der Familie auf Gut Wintermühlenhof. Den Brief, den ihr heute 76-jähriger Vater damals seiner Mutter über dieses Treffen schrieb, hat Fiona Achenbach aber erst kürzlich zufällig gefunden, als sie einen Ordner durchblätterte im Nachgang einer TV-Dokumentation über ihre Ahnen, die Industriellenfamilie Mülhens.

Schon lange davor war die Idee geboren, die Beziehung des Drachenfels zu Beethoven darzustellen. Aus der Fülle gefundener neuer Informationen entstand die Ausstellung „Familie Mülhens und Königswinter“, die eigentlich zum diesjährigen Saisonauftakt der Drachenfelsbahn in der Talstation gezeigt werden sollte.

Dokumente und Fotos erzählen Familiengeschichte

Reell. Doch weil auch die Bahn wegen der Corona-Pandemie stillsteht, ist die Ausstellung zunächst virtuell zu sehen – im Internet. „Es ist das erste Mal, dass die ‚Familiengeschichte’ mit der Hilfe von Dokumenten und Fotos aus der Sicht und den Worten der Familie erzählt wird und nicht von Außenstehenden“, sagt Achenbach.

Idylle im Grünen: Das Gemälde zeigt Ferdinand Mülhens. Er liebte die Landschaft des Siebengebirges. Foto: Privat

Ihr Ur-Ahn Wilhelm Mülhens hat einst das in Köln ansässige „4711“-Imperium begründet. Der gebürtige Troisdorfer und Sohn des Verwalters auf Burg Wissem soll der Legende nach das Rezept für ein „Aqua mirabilis“, dem späteren „Kölnisch Wasser“, zur Vermählung mit Catharina Moers 1792 von einem Mönch erhalten haben.

Der Wintermühlenhof wird 1840 Sommersitz

Ein anderes „Hochzeitsgeschenk“ bringt die Familie ins Siebengebirge, wie die Ausstellung offenbart: Der Sohn des Firmengründers Wilhelm Mülhens, Peter Josef Mülhens, erwirbt zur Eheschließung mit Emily Hannah Ries im Jahr 1840 den Wintermühlenhof, den sie zunächst nur als Sommersitz nutzen.

Zeitgenössische Darstellung der Drachenfelsbahn Foto: Privat

Da tut sich im Jubiläumsjahr des Komponisten auch ein Bezug zu Ludwig van Beethoven auf, denn Emilys Vater Ferdinand Ries ist laut Ausstellungstext „Bonner Komponist, Pianist, Orchesterleiter und besonders bekannt als Schüler, Sekretär, Freund und Biograph von Ludwig van Beethoven“.

Bilder und Artikel aus sechs Generationen

Achenbach hat die Exponate für die Schau zusammengetragen. Darunter ein handgeschriebener Brief ihres Vaters, den dieser selbst vergessen hatte. Aber auch viele weitere Dokumente, Zeitungsartikel, Zeichnungen, Gemälde und Aufnahmen in und vom Siebengebirge und der Familie Mülhens. „Begleiten Sie uns durch die Geschichte über sechs Generationen mit Bildern“, lädt die Schau ein.

Fünf große Tafeln sind entstanden und werden ergänzt durch eine Tafel mit einem Stammbaum der Familie Mülhens und zwei Tafeln über die Drachenfelsbahn. Der Besucher „bewegt“ sich auch im Internet von Tafel zu Tafel und sieht und liest auch über Ferdinand Mülhens, Enkel des Unternehmensgründers.

„De Naas von Kölle“, wie er genannt wurde, liebte die Landschaft des Siebengebirges. Ebenso seine Frau Maria Ottilie, die – gar nicht standesgemäß – ein österreichisches Blumenmädchen war und nur Tage nach dem Jawort starb.

Auf dem Alten Friedhof in Königswinter beigesetzt

Anrührend offenbart die Ausstellung, dass der erst 33-jährige Ferdinand danach nie wieder heiratete und dass bis heute im Park des Wintermühlenhofs eine Statue steht, die er bei einer Italien-Reise kaufte, weil sie ihn an seine große Liebe erinnerte. Neben ihr wurde Ferdinand 1928 wunschgemäß auf dem Alten Friedhof in Königswinter beigesetzt – und nicht im Familiengrab in Köln.

Luxusherberge auf dem Petersberg:1911 erwarb Ferdinand Mülhens das Hotel, das er umbauen und erweitern ließ. Foto: Privat

Viele Spuren hinterließ Ferdinand im Siebengebirge: Der weit gereiste Leiter eines Weltunternehmens ließ bereits 1909 eine Turnhalle für die Königswinterer Vereine und das heutige Gebäude „Am Palastweiher“ bauen, plante schon vorher ein Wolkenburg-Hotel und erweiterte später das Gut Wintermühlenhof.

Er machte das Haus auf dem Petersberg zur Prachtherberge, sorgte für zahlreiche Wege im Siebengebirge und erwarb Petersberg- und Drachenfelsbahn.

Tourismus wäre kaum vorstellbar ohne Ferdinand

„Der Tourismus im Siebengebirge wäre kaum vorstellbar ohne Ferdinand. Maßgeblich hat er das Siebengebirge nach vorne gebracht: nicht nur durch die Infrastruktur, sondern auch durch seine Anwesenheit und seine Bekanntheit“, sagt Klaus Hacker, Vorstand der Bergbahnen im Siebengebirge AG. Ferdinand Mülhens sei es zu verdanken, dass viele Prominente und Staatsmänner nach Königswinter kamen.

Wie Ferdinand Mülhens fanden auch dessen Enkelin Luise und deren Nachkommen ihre Heimat im Siebengebirge, obwohl sie vor allem in jungen Jahren die ganze Welt bereisten. Ferdinand Mülhens und auch seine Enkelin wurden mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Königswinter geehrt. Luise Streve starb 1990 in Ittenbach.

Dort hatte sie gelebt, seit sie 1970 den Wintermühlenhof an ihren Sohn Dieter und dessen Familie übergeben hatte. „Luise hat den Wintermühlenhof bis an ihr Lebensende täglich besucht und sich um seine Pflege und den Erhalt gekümmert“, heißt es in der Ausstellung. Diese soll möglichst bald in der Talstation der Drachenfelsbahn gezeigt werden, ergänzt um eine Broschüre zur Familiengeschichte.

Die virtuelle Ausstellung kann auf www.drachenfelsbahn.de besucht werden.