Siebengebirge: Das steckt hinter der Wolkenburg

Der fast vergessene Berg : Das steckt hinter der Wolkenburg im Siebengebirge

Auf der Wolkenburg, einst Sitz einer Trutzburg und riesiger Steinbruch im Siebengebirge, sollte das Grandhotel gebaut werden. Ein Blick auf einen fast vergessenen Berg im Siebengebirge.

Sie war einst Sitz der mächtigen Trutzburg des Kölner Erzbischofs gegen den Grafen von Sayn. Dann diente sie als gewaltiger Steinbruch, aus dessen Latit zum Beispiel das Bonner Rathaus gebaut wurde. Und sie wäre fast zum Standort eines Grandhotels geworden, das dann jedoch auf dem benachbarten Petersberg entstand.

Eigentlich bringt die Erhebung namens Wolkenburg im Siebengebirge alle Voraussetzungen zur Prominenz mit. Stattdessen referiert Elmar Scheuren am kommenden Sonntag, 11. August, beim Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) über „einen fast vergessenen Berg“. Dem General-Anzeiger hat der frühere Leiter des Siebengebirgsmuseums schon Einblicke gewährt.

Gerne hätte er auch Wanderer anlässlich der Veranstaltungsreihe „Stadt Land Fluss“, die der Landschaftsverband Rheinland im September im Siebengebirge durchführt, über die Wolkenburg geführt, doch es gab keine Ausnahmegenehmigung. Auf dem Berg soll allein der Naturschutz das Sagen haben. Vor einigen Jahren hat das Vogelschutz-Komitee die Flächen von der Familie Streve-Mülhens erworben.

Steine waren ein Exportschlager

Scheuren räumt mit der Legende auf, die Wolkenburg sei einst viel höher als heute gewesen. Ab dem Dreißigjährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 dauerte, wären ihre Steine zu einem „richtigen Exportschlager“, geworden, berichtet er. Nicht nur das Bonner Rathaus, auch die Fassade des Siebengebirgsmuseums und unzählige Wegekreuze seien aus diesem Material gebaut worden.

Latit war beliebter als der Trachyt vom Drachenfels, weil filigraner zu verarbeiten. Mehr als sechs Meter Höhe habe der heute 324 Meter hohe Berg jedoch durch den Steinabbau nicht verloren, wie Berechnungen des Geografen Joern Kling – im Rahmen eines Forschungsprojekts des Siebengebirgsmuseums – anhand der Höhenlinien ergeben hätten. Jedenfalls nicht die 30 Meter, von denen schon mal die Rede war.

Als die Wolkenburg zum Steinbruch wurde, hatte sie ihre erste Epoche als mächtige Höhenburg freilich schon hinter sich. Von der Burg ist heute nichts mehr übrig. Der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenberg, der 1131 auf der Burg starb, war Initiator der Baumaßnahme. Das Bauwerk sollte den Weg von Rhöndorf in den Westerwald sichern. Sein Nachfolger gewährte der kompletten jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt für viel Geld auf der Burg Unterschlupf, sodass sie den Pogromen in Köln entging. Später bildete sie einen Stützpunkt gegen die Expansionsbestrebungen des Grafen von Sayn, dem die Löwenburg gehörte.

Wichtiger als der Drachenfels

Seit 1344 sprechen die Quellen von einem kurkölnischen Amt Wolkenburg. „Die Wolkenburg war die wichtigere Burg als der Drachenfels und die kurkölnische Machtzentrale überhaupt. Sie war die größte Kölner Burg“, berichtet Scheuren. Wie ein Keil mit Zugang zum Rhein schob sie sich in das Bergische Gebiet. Bereits im 16. Jahrhundert verfiel die Burg jedoch, der Drachenfels übernahm die Amtsfunktion.

Im 19. Jahrhundert gewann die romantische Perspektive der Wolkenburg zunehmend an Bedeutung, obwohl sie sich nach Jahrhunderten als Steinbruch immer noch als Steinwüste präsentierte. Die nackten Felswände wurden nun als Zierde der Landschaft gesehen. Gottfried Kinkel aus dem benachbarten Oberkassel schrieb 1842 ein Gedicht über den Berg. Die Cölnische Zeitung berichtete 1864, die Wolkenburg sei durch einen neuen Fußweg jetzt ziemlich bequem zu besteigen.

Der VVS hatte erreicht, dass – wie auch auf anderen Bergen des Siebengebirges – die Steinbrucharbeiten eingestellt wurden. Die Vorlieben hatten sich inzwischen verschoben, anstelle einer „wilden“, felsigen Landschaft gewann jetzt eine gepflegte und bewaldete Landschaft den Vorzug. Der VVS feierte seinen Erfolg mit der Aufstellung eines Denkmals für seinen langjährigen Vorsitzenden Bernhard Stürtz am Fuße der Wolkenburg.

Allee mit Rosskastanien und Platanen

Um das Jahr 1900 wollte dann der Unternehmer Ferdinand Mülhens auf der Wolkenburg ein Grandhotel errichten. Bereits vor 1898 ließ er das Plateau planieren und eine Straße bauen. Die Allee mit Rosskastanien und Platanen, die er anlegen ließ, lässt sich heute noch erahnen. Sie zweigt vom Kutschenweg zum Drachenfels nach links ab, kurz bevor man die Zahnradbahn überquert.

„Mülhens wollte das Siebengebirge für die allererste Gesellschaft zugänglich machen“, sagt Scheuren. Dann kam es allerdings zum Rechtsstreit über die Nutzungsrechte an der Wolkenburg mit der Familie Bachem, der der Steinbruch gehörte. Das Reichsgericht in Leipzig entschied, dass Mülhens zwar bauen, der Steinbruch aber weiter betrieben werden durfte. So scheiterte das Projekt. Stattdessen ließ Mülhens 1913/14 das Hotel auf dem Petersberg errichten. Der 4711-Fabrikant soll 100.000 Reichsmark vergeblich investiert haben. Angeblich machte er seinem Ärger Luft, indem er den Dicken Stein, der am Parkplatz des Milchhäuschens an der L 331 steht, aus dem nahen Westerwald holen und dort aufstellen ließ.

Wie Gottfried Kinkel entdeckten auch der Bonner Fotograf Theo Schafgans, vor allem aber August Sander die Wolkenburg. Sander faszinierte an dem Berg vor allem die Mischung aus Natur- und Kulturlandschaft. „Sanders Fotos von der Wolkenburg wurden weltberühmt und sogar in den USA veröffentlicht. Sie sind Ikonen der Schwarz-Weiß-Fotografie“, sagt Scheuren. Besonders angetan hat es dem früheren Museumsleiter ein Foto von Sander aus dem Jahr 1940. In die Aufnahme hat der Künstler ein Verbotsschild einbezogen, das damals schon fast an der selben Stelle wie heute steht und vor der Steinschlaggefahr warnte.

Ende Oktober 1930 war es tatsächlich zu einem Bergrutsch am Südhang der Wolkenburg gekommen. Eine ältere Halde löste sich und stürzte als gewaltige Steinlawine zu Tal. Erst kurz vor dem Rhöndorfer Waldfriedhof kam sie zum Stillstand.

Der Vortrag „Die Wolkenburg – Ein fast vergessener Berg“ von Elmar Scheuren findet am Sonntag, 11. August, um 18 Uhr im Forsthaus Lohrberg statt.

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