"Bettelgang" der Junggesellen: Sebastianer sammeln Spenden für Bedürftige in Oberdollendorf

"Bettelgang" der Junggesellen : Sebastianer sammeln Spenden für Bedürftige in Oberdollendorf

Mit dem "Bettelgang" setzen die Junggesellen der Sankt Sebastianus-Bruderschaft eine alte Tradition fort und sammeln in Oberdollendorf und Römlinghoven Geld für wohltätige Zwecke ein. Immer mit dabei: Schlenderpursch un Böölsche, also Weinkrug und ein Becher aus Ton.

"He wonnt de Herr von Dibbedibbedibb. Dä hät noch Wing em Fass, der moss jesoffe sin", klingt es am Samstagmorgen lautstark durch den Flur eines Mehrparteienhauses an der Laurentiusstraße. Alteingesessene Dollendorfer wissen gleich Bescheid, wenn sie das fröhliche Liedchen hören: Die Junggesellen der Sankt Sebastianus-Bruderschaft sind wieder unterwegs. Im ganzen Ort klingeln sie an den Haustüren und bitten um eine Spende für Menschen in Not – eine Jahrzehnte alte Tradition.

Der Erlös des jährlichen Bettelgangs bleibt zu einem Drittel im Ort und kommt hilfsbedürftigen Menschen zu Gute. Der zweite Teil soll in diesem Jahr an ein Waisenhaus in polnischen Opoczno, der Heimat von Pfarrer Dasiusz Glowacki gehen. Teil drei wird an die Diözese Kinkala im Kongo gespendet. "Von dort stammt unser ehemaliger Kaplan Charles Moukala. Uns ist es wichtig, immer Projekte auszusuchen, die in einem direkten Bezug zu unserem Ort stehen, und bei denen wir wissen, dass das Geld auch wirklich ankommt", erläutern Felix Ting und Philipp Brüßler. Die beiden Vorstandsmitglieder der Junggesellen sind die alte Hasen in dem kleinen Grüppchen von Bettelgängern, das sich an diesem ungemütlichen Morgen schon früh auf den Weg gemacht hat. Vor ihnen liegt ein langer Tag: Viele Straßen in Oberdollendorf und Römlinghoven sollen noch abgeklappert werden.

2018 kamen 6000 Euro zusammen

Um tatsächlich an allen Haustüren klingeln zu können, führen die Junggesellen ihren Bettelgang an zwei Wochenenden durch. Drei Sammelgruppen waren bereits am Samstag zuvor unterwegs gewesen und hatten volle Spendendosen mit nach Hause gebracht. Die Resonanz für die Aktion ist Jahr für Jahr groß. 2018 haben die Junggesellen beim Bettelgang mehr als 6000 Euro an Spendengeldern gesammelt, ein toller Rekord.

Auch in dem Haus an der Laurentiusstraße öffnen die Bewohner den Junggesellen bereitwillig ihre Türen. Wie viele andere steckt Jörg Lauf bereitwillig einen zusammengerollten Schein in die Spendendose. "Ich finde, das ist eine gute Sache", sagt er und erzählt, dass er früher selbst bei der Aktion mitgegangen ist. Heute freut er sich, dass die schöne alte Tradition immer weiter Bestand hat. Als Dankeschön für seine Gabe kredenzen ihm die Junggesellen ein Gläschen Dollendorfer Wein, auf Wunsch gibt es auch Schnäpschen. Die Flaschen sind tief in den beiden Kiepen versteckt, die André Reichel, Nils Hartmann, Kai Rosensteig und Philipp Elias Kolf wechselweise auf dem Rücken mit sich herum schleppen. Zur Ausstattung der Bettelgänger gehören außerdem Schlenderpursch un Böölsche, Weinkrug und ein Becher aus Ton.

Wegzehrung für die Junggesellen

"Die Leute sind sehr aufgeschlossen. Viele warten sogar schon darauf, dass wir kommen, und bieten uns etwas zu trinken oder auch mal ein Stück Kuchen an", so Felix Ting. Wegzehrung, die gerne angenommen wird. Schließlich ist der Trupp bis in die Abendstunden unterwegs – bei einem Wetter, bei dem man es sich am liebsten zu Hause gemütlich macht. Unterwegs treffen die Junggesellen auf eine Radfahrerin. "Seid ihr schon in der Bachstraße gewesen", fragt sie. Ting nickt: "Da waren wir schon letzte Woche Samstag sammeln." Die Frau kramt daraufhin in ihrer Börse. "Aber Spenden nehmt ihr doch trotzdem noch", sagt sie und füttert die Sammeldose mit Münzen. Auf die Frage der Junggesellen, ob sie noch singen sollen, winkt die Radfahrerin dann allerdings lachend ab. Den "Herrn Dibbedibbedibb" kennt sie wohl schon zur Genüge.