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Oberpleiser Realschule wird am Freitag in Bonn ausgezeichnet: "Schule der Zukunft" läuft 2018 aus

Oberpleiser Realschule wird am Freitag in Bonn ausgezeichnet : "Schule der Zukunft" läuft 2018 aus

Am Freitag erhält die Realschule Oberpleis in der Aula der Bonner Universität den Preis "Schule der Zukunft". Ein Kuriosum angesichts der Tatsache, dass die Schule 2018 ausläuft.

Sie laden für den 20. März zur Präsentation der Projekttage unter dem Titel "50 Jahre RSO - Wir sind noch da" ein. Ist das eine Art Galgenhumor vor dem Hintergrund, dass die Schule 2018 nicht mehr weitergeführt wird?
Monika Mattke: Das ist eher ein bisschen kämpferisch gemeint. Wir wollen mit dem kleinen Fest zeigen, dass wir noch bis zum Ende aktiv sind. Außerdem wollen die Schüler beweisen, was sie können. Wir hoffen, dass ganz viele Leute kommen.

Wie viele Schüler hat die Realschule aktuell noch?
Mattke: 447 im siebten bis zehnten Schuljahr. Wir haben auch immer wieder Neuaufnahmen. Zuletzt vier Schüler vom Probsthof und vom Jugendwohnen Sankt Sebastian. Wir haben auch während des Schuljahres häufig Anfragen. Wenn Schüler an die Realschule wollen, sind wir ja die Einzigen, die sie aufnehmen können. Unsere achten und neunten Klassen sind daher rappelvoll. Wir haben bis zu 31 Schüler pro Klasse.

Drückt das nahende Ende der Schule nicht allen Beteiligten auf die Stimmung?
Mattke: Zurzeit sind alle noch sehr gelassen. Bei den Schülern gibt es gar keine Panik. Bisher läuft ja vom Fächerangebot her auch alles so wie früher. Die Schüler realisieren nur, dass die Kleinen fehlen. Unser Patenschaftsmodell, bei dem sich die Großen um die Kleinen kümmern, ist weggefallen. Dafür gibt es einige gemeinsame Projekte mit der Gesamtschule.

Wie sehen die aus?
Mattke: Unsere Sporthelfer übernehmen dort AGs für Fünftklässler. Auch die Streitschlichter oder Sanitäter sind an der Gesamtschule im Einsatz. Unsere Schüler zeigen gerade nachmittags enormen Einsatz, der auch positiv auf dem Zeugnis vermerkt wird. Dieses Jahr bilden wir im siebten Schuljahr noch Sporthelfer, Streitschlichter und Sanitäter aus.

Wie viele Lehrer hat die Realschule noch?
Mattke: Etwa 30, unter ihnen viele Teilzeitkräfte. Als ich vor eineinhalb Jahren hier angefangen habe, waren es noch 40.

Können die Lehrer nicht zur nebenan wachsenden Gesamtschule wechseln?
Mattke: Es gibt Kollegen, die das tun. Sie müssen einen Versetzungsantrag bei der Bezirksregierung stellen, in dem sie aber nur die Stadt und die Schulform, nicht aber eine konkrete Schule angeben können. Letztlich ist entscheidend, welche Fächer an einer Schule gebraucht werden. Bis auf Chemie, Sport und Religion können alle Lehrer fachfremd eingesetzt werden. Das heißt, die Kollegen müssen alles unterrichten.

Was kann das für die Lehrer im schlimmsten Fall bedeuten?
Mattke: Wenn es nicht genügend freiwillige Versetzungen gibt, kann die Bezirksregierung Kollegen abordnen. Dann kann drei Tage vor den Ferien die Anfrage kommen, auf welche Lehrer wir am ehesten verzichten können. Wir haben Kollegen, die wohnen in Aegidienberg, haben zwei kleine Kinder und wissen nicht, wo sie am Ende landen werden.

Käthemarie Gundelach hat den Wunsch geäußert, dass die Realschule zweizügig fortgeführt wird, um Schülern, die sonst in Königswinter nicht beschult werden können, eine Chance zu geben. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
Mattke: Das ist eine interessante Idee, aber nicht so einfach, weil man die Schule nach der derzeitigen Rechtslage nicht wieder öffnen kann. Trotzdem sehe ich eine absolute Notwendigkeit für ein weiteres Realschulangebot in Oberpleis. Denn die richtigen Probleme beginnen erst jetzt.

2016 sollen laut Schulentwicklungsplan in Königswinter 80 Kinder weniger von der Grundschule auf weiterführende Schulen wechseln. Löst sich das Problem dann nicht von ganz allein?
Mattke: Das sagt die Stadt. Aber das müssen wir abwarten. Es ist ein Unding, dass Kinder aus Oberpleis an einer Oberpleiser Schule nicht genommen werden. Eine zweizügige Realschule könnte das auffangen. An unserer Realschule kenne ich die meisten Schüler. Das ist an solch einem großen System wie der Gesamtschule gar nicht möglich. Viele Kinder brauchen aber das kleinere, geschütztere System. Diesen Lebensraum für ihre Schüler zu schaffen hat Käthemarie Gundelach als wichtigste Aufgabe gesehen.

Die bevorstehenden Projekttage sind also Ausdruck einer selbstbewussten Realschule ...
Mattke: Ja. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. An unserer Schule gibt es keinen Lehrer, dem die Schüler nicht sehr wichtig sind.

Im Sommer steht der Umzug der Hauptschüler in das Realschulgebäude an. Was erwarten Sie?
Mattke: Das werden wir sehr aktiv begleiten. Das ist kein Selbstläufer. Dafür müssen wir einiges tun. Wir wollen Lehrer und Schüler beider Schulen zusammenbringen, zum Beispiel bei Turnieren. Die Schüler müssen dann zum Beispiel aber auch auch auf die Lehrer der anderen Schule hören.

Heute erhält Ihre Schule in Bonn einen Preis. Wofür?
Mattke: Wir werden in der Aula der Uni Bonn bereits zum dritten Mal als "Schule der Zukunft" ausgezeichnet. Den Preis gibt es für ein besonders reges Schulleben. Das ist auch eine Anerkennung unserer vielen AGs in Naturwissenschaften und zur Bildung der Sozialkompetenz. Es geht dabei auch um die Nachhaltigkeit der schulischen Arbeit.

Zur Person

Monika Mattke, 44, arbeitet seit 2013 als stellvertretende Schulleiterin an der Realschule Oberpleis. Seit dem Ausscheiden von Käthemarie Gundelach am 31. Januar leitet sie die Schule. Zuvor unterrichtete die gebürtige Aachenerin zehn Jahre an der Realschule Hennef.

Mattke ist Mitglied im Personalrat für Lehrkräfte an Realschulen im Regierungsbezirk Köln. Sie ist verheiratet und wohnt in Erpel.