Einzelhandel in Königswinter: Rote Karte für Waschkörbe und Tapeziertische

Einzelhandel in Königswinter : Rote Karte für Waschkörbe und Tapeziertische

Geschäftsleute in Königswinterer Altstadt unterliegen jetzt strengeren Regeln, wenn es um Präsentation ihrer Waren geht - Stadt erhofft sich Imagegewinn

Die Schuhe für neun, die Hemden für fünf und Hüte für drei Euro. Komplett neu einkleiden für weniger als 25 Euro - die Läden in der Königswinterer Altstadt machen es möglich. Weil sich selbst über extreme Geschmacksfragen trefflich streiten lässt, rührt auch die Stadt Königswinter nicht am Warenangebot. Sehr wohl aber hat sie sich der Frage angenommen, wie die Produkte in der Fußgängerzone präsentiert werden.

Das Ergebnis sind neue Restriktionen, die sich in einer Novelle der Sondernutzungssatzung niederschlägt. Sie gilt für alle Gastronomen und Gewerbetreibenden.

"Es geht uns nicht darum, jemanden unserer Einzelhändler zu strangulieren", betont Friedrich aus dem Spring vom Bauamt, aber: das Erscheinungsbild der Läden habe in Teilen eine derart missliche Qualität erreicht, dass sowohl von Besuchern - aber auch aus den Reihen der Geschäftsleute selbst - Klagen über die "Ramsch-Optik", "Kirmes- und Basar-Atmosphäre" laut geworden waren.

Zeit für die Verwaltung, so Baudezernent Hubert Kofferath, die Reißleine zu ziehen. Konkret beziehen sich die Regeln der Sondernutzungssatzung auf alle Geschäfte in Haupt-, Drachenfels- und Bahnhofstraße.

Geregelt werden darin die Ausdehnung sowie die Art und Weise, in der die Waren feilgeboten werden. Demnach dürfen die Betreiber die Fläche vor dem Geschäft - ausgenommen sind hier die Gastronomen - nur noch zur Hälfte mit Ständern und Regalen bestücken. Die andere Hälfte muss frei bleiben.

Gedulden müssen sich die Ladenbesitzer mit dem Aufbauen vor der Tür bis 11 Uhr; dies soll dem Lieferverkehr die Möglichkeit geben, seine Arbeit zu erledigen. Untersagt ist im Altstadt-Einzelhandel ferner - Stichwort Basar - die Benutzung von Tapeziertischen, Wäschekörben, Warenautomaten, handgeschriebenen Preisangaben und anderen semiprofessionellen Utensilien.

Bei diesen Einschränkungen soll es dann allerdings auch bleiben, den Vorwurf der Überregulierung will sich die Stadt ersparen: "Einige Händler haben die Straße so exzessiv genutzt, dass wir uns schlichtweg zum Einschreiten genötigt sahen", sagt Kofferath.

Er stellt den Betreffenden in Aussicht, dass sie in ihrer Werbestrategie etwas verändern müssen. Andernfalls wird die Stadt ihnen das Sondernutzungsrecht für den Fußgängerbereich beim nächsten Mal versagen. Es muss jährlich neu beantragt werden, pro genutztem Quadratmeter und Monat sind einige Euro an Gebühr fällig.

Andererseits sehen aber auch die Verwaltungsleute erste Veränderungen zum Positiven: "Es hat sich schon etwas getan", meint Friedrich aus dem Spring mit Blick auf die Fußgängerzone, in der einige Läden bereits völlig auf Außenauslagen verzichten.

"Die Sondernutzungssatzung ist ein kleiner Baustein im großen Rahmen der Altstadtsanierung", sagt aus dem Spring. Ein anderer Mosaikstein ist die bereits 2007 in Kraft getretene Gestaltungssatzung. Ihre Regelungen aber beziehen sich auf gestalterische Dinge wie Reklametafeln oder die Möbel der Außengastronomie.

Plastikstühle etwa sind nicht mehr gern gesehen in Königswinter. Allerdings will die Stadt auch hier eine Übergangszeit gelten lassen: "Eine komplette neue Garnitur hat ihren Preis, wir wollen da nicht von jetzt auf gleich zu viel verlangen", so Kofferath.

Mittelfristig, nach etwa einer Saison, will die Stadt mit der Durchsetzung aber ernst machen. "Wenn sich das Image der Stadt verbessert, kommt das auch dem Einzelhandel zugute", lobt Einzelhändler Kurt Trommeschläger die Neuregelung.

Er ist allerdings gespannt, ob wirklich alle Händler in der Hauptstraße mitziehen, oder sich die neue Satzung letztlich als Papiertiger erweist. Skeptisch ist auch ein benachbarter Souvenirhändler. "Einige Branchen sind auch auf die Außenständer angewiesen", bemerkt er. Die Bekleidungssparte gehöre nicht dazu.