Heimatforscher schreibt Buch: Robert Simon kennt jedes Dorfgeheimnis von Rauschendorf

Heimatforscher schreibt Buch : Robert Simon kennt jedes Dorfgeheimnis von Rauschendorf

Seit frühester Jugend beschäftigt sich Robert Simon mit Rauschendorfer Geschichten. Jetzt hat der 80-Jährige sein 17. Buch vollendet, ein 500-Seiten-Werk mit 408 Kapiteln.

Pferdehofromantik, mehr als 100 Ponys, die drei Schwestern Dalli, Dick und Angelika mit Oma Jantzen: Für den Film „Die Mädels vom Immenhof“ wurden in den 50er Jahren Islandpferde aus dem Bonner Raum zum Drehort in Schleswig-Holstein gebracht. Und den Kremser, mit dem Oma Jantzen (Margarete Haagen) ihren Helfer und Verehrer Doktor Pudlich (Paul Henckels) kutschiert, hat sogar einen Bezug zu Rauschendorf. Diese Filmkutsche steht nämlich bis heute in einem Schuppen in dem Königswinterer Ortsteil und war auch schon im Karnevalszug im Einsatz.

Solche Geschichten kennt nur einer - Robert Simon. Er ist quasi das lebende Lexikon von Rauschendorf. Der 80-Jährige weiß einfach alles über den Höhenort, dessen Historie und Dorfentwicklung, aber auch die vielen Geheimnisse. Jetzt hat er sein Buch „Oh du mein Rauschendorf“ fertiggestellt. Zwei Jahrzehnte lang hat er daran gearbeitet.

Mehr als 500 Din-A 4-Seiten hat sein Werk, das 408 Geschichten enthält und mit vielen farbigen Fotos bebildert ist. „Es gibt aber nur dieses eine Exemplar“, sagt Simon und blättert in dem Wälzer. „Ich war überall dabei und habe mir alles stets sofort aufgeschrieben. Neben dem Bett hatte ich einen Zettelkasten. Bereits als junger Mann habe ich damit angefangen“, verrät er seine Arbeitsweise. Mit diesem Kraftakt vollendete er sein 17. Buch.

Liebeserklärung an sein Dorf

Es ist das Rauschendorf von A bis Z, aber auch eine „Liebeserklärung an ein Dorf und seine Menschen“, an „ein Pünktchen in der Stadt Königswinter“. Seine Mutter stammte von hier, sie lebte im Haus Am Tor 8, das mit der aufsehenerregenden Fassade. Die Kriegszeit verbrachte Robert Simon mit ihr im Dorf, „zum Teil im Keller“. Und auch danach war er viel öfter hier als in Niederpleis, dem Wohnort der Eltern. Beim ersten Martinszug nach dem Krieg 1946 war er mit seinem Bruder in Rauschendorf dabei. „Als wir auch einen Weckmann wollten, hat uns Sankt Martin verscheucht: Wir kämen doch nicht von hier. Dabei stammte das Mehl für die Weckmänner von meinen Verwandten“, erzählt der 80-Jährige schmunzelnd.

Das Erlebnis tat seiner Liebe zu dem Ort keinen Abbruch. Als die alte Donatus-Kapelle abgerissen wurde, half er als junger Mann dem Onkel, die Steine für den Neubau herzurichten. Ein Gebet über den heiligen Donatus hat er natürlich ebenso geschaffen wie eines über Margareta, die Schutzheilige des Kirchspiels Stieldorf, zu dem Rauschendorf zählt.

408 Untertitel hat Simon in seinem Heimatbuch, das entspricht 408 Themen, 1000 Geheimnissen, zig Geschichten, die einfach nicht zu glauben sind, wie er sagt. Er hätte den Titel „Stadtschreiber“ verdient. Einige Kostproben: Der Mainzer Sänger Ernst Neger hatte sein Lied „Rucki-Zucki“ noch nicht auf die Fernsehbühne gebracht, da sang ein weitgereister Rauschendorfer den Hit schon im Gasthaus Velten. Simon: „Er hatte das irgendwo aufgeschnappt.“ Auf einigen Dächern liegen noch Rauschendorfer Dachziegel, die wurden als Standardsteine für den Hausgebrauch nach dem Zweiten Weltkrieg aus Bimssteinen geformt und im Hof getrocknet.

Oder: Mehr als 40 Jahre brannte „das ewige Licht“ in dem Haus, in dem heute der Kindergarten „Die kleinen Strolche“ untergebracht ist. „Über welchen Zähler das lief, war unbekannt.“ Die „vergessene Leitplanke“ an der A 3 zwischen Birlinghoven und Dambroich wurde für Rauschendorfer zur „privaten“ Autobahnabfahrt. „Die habe ich selbst genutzt“, erzählt Simon, der 42 Jahre lang als Baukaufmann tätig war.

Geschichten aus nahezu allen Bereichen des Lebens

Das Inhaltsverzeichnis fasst die Geschichten in großen Blöcken zusammen mit den Obertiteln „Das Dorf“, „Die Kapelle“, „Ditt + Datt“, „Dorfvereine“, „Gedichte + Reime + Sprüche“, „Gott und die Welt“, „Haus + Hof + Heimat“, „Heute“, „Historie“, „Lieder“, „Internationales“, „Jahreszeiten“, „Kurioses“, „Landschaft + Natur“, „Nicht zu glauben“, „Novellchen“, „Rheinischer Kalender“ und „Nach Redaktionsschluss“. Ob das Mühlengespenst, Hexen in Rauschendorf, Eulenspiegel als Bauknecht, das gestohlene Schwein, das Gespenst auf dem Kirchhof und in der Kirche oder der Schatz im Brunnen – immenses Wissen steckt in diesem Buch, das es leider nur einmal gibt.

„Darüber bin ich aber nicht traurig“, sagt der Autor und Heimatforscher bescheiden, „wenn es Zeit ist, werde ich es dem Heimatmuseum vermachen.“ Sein Fazit über Rauschendorf: „Es hat Herz und Seele und hoffentlich in der Zukunft immer Bewohner, die sich um das Wohl des Ortes im Allgemeinen und um seine Menschen im Besonderen kümmern.“