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Gebäude soll zur Alm werden: Rhöndorfer will den Burghof auf dem Drachenfels sanieren

Gebäude soll zur Alm werden : Rhöndorfer will den Burghof auf dem Drachenfels sanieren

Bernd Siebdrat will den Burghof wieder zu dem machen, was er einmal war. Das traditionsreiche Gebäude soll zur Alm werden.

Bernd G. Siebdrat mag keine halben Sachen. Als der 63-Jährige vor eineinhalb Jahren hörte, dass Marc Asbeck den Burghof im Siebengebirge verkaufen wollte, sprach er den Bonner Unternehmer bei einem gemeinsamen Stammtisch an. Zu dem Zeitpunkt war er schon gut vorbereitet. „Ich habe mich vorher mit der Geschichte des Gebäudes auseinandergesetzt und erfahren, dass diese genauso wertvoll ist wie die des Hauses im Turm. Das hat mir die Entscheidung leicht gemacht“, sagt er.

Auch als er im Jahr 2006 das Haus im Turm in Rhöndorf vom Erzbistum kaufte, hatte er sich zuvor ausführlich mit der Geschichte und der Substanz der ehemaligen Landvolkshochschule auseinandergesetzt. Drei Jahre später war aus dem ältesten Gebäude Rhöndorfs nach einer umfangreichen Sanierung ein Schmuckstück geworden.

Siebdrat begutachtete zudem das marode wirkende Gebäude des Burghofs selbst und gemeinsam mit Fachleuten – mit einem Ergebnis, das ihn selbst überraschte. „Die Substanz, die Statik und das Innenleben des Burghofs sind vollkommen in Ordnung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Dach höchstens 35 Jahre alt ist und die fehlenden Fenster für ausreichend Belüftung gesorgt haben.“ Das Treppenhaus zum Beispiel sei ein Traum und voll funktionsfähig. Neben der Geschichte und dem Zustand des Burghofs überzeugte ihn auch die besondere Lage. „Ich bin ja nicht allein der Meinung, dass das einer der schönsten Plätze im Siebengebirge ist.“

Bauantrag noch in dieser Woche

Noch in dieser Woche soll nun nach zahlreichen Gesprächen mit den Behörden bei der Stadt Königswinter der Bauantrag für die Sanierung eingereicht werden. Zugrunde liegt ein Konzept, das bis zum endgültigen Kauf im Herbst 2019 bereits einige Monate in Siebdrats Kopf gereift war. Seine Devise lautet: Zurück in die Zukunft.

Der Burghof soll wieder zu dem werden, was er zwischen dem Jahr 1811 und seiner endgültigen Schließung im Jahr 1989 fast 180 Jahre lang war: ein einfaches Gasthaus mitten im Naturschutzgebiet. Das ist mit zahlreichen Auflagen verbunden. „Der Naturschutz schreckt mich aber nicht ab. Er ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil des Objekts“, so Siebdrat.

Den Titel hat er sich bereits schützen lassen: „Burghof – die Siebengebirgsalm“. Auf den für einige Jahrzehnte durchaus glamourösen Charakter im Schweizer Chalet-Stil, den Asbeck wiederherstellen wollte, verzichtet der Unternehmer dabei ganz bewusst. Der Burghof solle ein Landhaus mit Café und Jausenstation und einem kleinen Angebot an Speisen werden – eben wie eine Alm.

Wanderherberge mit 16 Zimmern

Das sei schon der erschwerten Logistik mitten im Naturschutzgebiet geschuldet. Im Landhaus sollen außerdem fünf oder sechs Ferienwohnungen entstehen. In der benachbarten Remise ist eine Wanderherberge mit 16 Zimmern geplant – ausschließlich für Wanderer, die mit der Drachenfelsbahn oder zu Fuß kommen.

Siebdrat ist sich sicher, dass dieses Konzept voll dem Zeitgeist entspricht. Wandern werde schließlich immer beliebter – auch bei der jüngeren Generation. „Die Gegebenheiten an diesem Platz sind einzigartig. Die einfache Gastronomie hat dort fast 200 Jahre lang funktioniert“, sagt er. Um das Naturfeeling abzurunden, könnte er sich auch ein paar Esel, Schafe oder Hühner auf dem Gelände rund um den Burghof vorstellen.

In den zurückliegenden Monaten hat der Bad Honnefer bereits viele Gespräche geführt. Bürgermeister Peter Wirtz und Landrat Sebastian Schuster hätten sich dabei sehr engagiert gezeigt, auch wenn das Verfahren durch die Corona-Pandemie etwas ins Stocken geraten sei. Weitgehend abgeschlossen seien die Tauschgeschäfte mit anderen Grundstückseigentümern. So gehörte zuvor ein Teil der Fläche, auf dem der Burghof steht, der Stadt Königswinter, der öffentliche Wanderweg hingegen dem Burghof.

Wiederherstellung der 100 historischen Fenster

„Die Sanierung wird natürlich eine echte Herausforderung und kein Spaziergang. Der Denkmalschutz macht es dabei noch ein bisschen schwieriger, aber das haben wir ja schon beim Haus im Turm geübt. Es ist keine Aufgabe, vor der ich Angst habe“, so der Unternehmer. Sicherlich werde aber die Wiederherstellung der allein rund 100 historischen Fenster ein Mammutprojekt.

Für das gesamte Vorhaben kalkuliert er zwei bis drei Jahre ein. Falls die Baugenehmigung noch im Sommer erteilt werden sollte, könnte vielleicht schon im Herbst mit der Sanierung begonnen werden. „Priorität haben dabei das Landhaus und das Café. Dafür setze ich ein Jahr an. Wir wollen dem Publikum schnell ein Ergebnis zeigen“, so Siebdrat. Man wolle sich aber auch die notwendige Zeit lassen, weil Fehler bei Denkmalschutzobjekten besonders teuer würden. Es solle so viel der alten Substanz wie möglich erhalten werden.

Nachdem andere Interessenten von einem Kapitalbedarf von sieben bis acht Millionen Euro ausgegangen waren, will sich der Unternehmer nicht auf einen Betrag festlegen lassen. „Ich kann keine Schätzung abgeben. Die genannten Zahlen sind für ein glamouröses Hotel sicher nicht unrealistisch. Ich glaube aber, dass man eine Siebengebirgsalm günstiger bewerkstelligen kann“, so Siebdrat.

Ausstellung zum Wildnisgebiet

Verhandlungen über Fördermittel des Landes hat er noch nicht geführt. Dafür gab es aber schon Gespräche mit dem Verschönerungsverein für das Siebengebirge, der daran interessiert ist, seine Ausstellung zum Wildnisgebiet im Burghof anzusiedeln. Bei einer Fläche von 1000 Quadratmetern allein im Landhaus mit Keller müsste dafür ausreichend Platz sein. Mit der Wanderherberge sind es sogar rund 1500 Quadratmeter.

Das Küchenteam des Rhöndorfer Gasthauses unter Leitung von Harry Müller soll später auch im Burghof die Gastronomie leiten. Mit eingebunden ist hier auch Siebdrats Sohn Niclas. Der 24-Jährige hat einen Master in International Business. Eines verspricht Siebdrat seinen zukünftigen Gästen schon heute. Wie im Haus im Turm soll auf den Toiletten Vogelgezwitscher erklingen. Eine Idee seiner Frau. „Das wirkt beruhigend und schafft ein Bewusstsein für die Natur, in der man sich befindet.“

Wein- und Kaffeewirtschaft seit 1811

Die Ursprünge des Burghofs reichen wohl bis ins 12. Jahrhundert zurück. Er diente damals der Versorgung der Burgen Drachenfels und Wolkenburg. 1811 wurde er zur Wein- und Kaffeewirtschaft. 1881 erwarb Stephan Sarter, der Erbauer von Schloss Drachenburg, den Burghof und nutzte ihn als repräsentativen Wohnsitz. 1885 wurde nach 30 Jahren Pause auch die Gastwirtschaft wiedereröffnet. Sarters Erbe Jakob Hubert Biesenbach ließ das Hauptgebäude im Jahr 1904 nach erfolgtem Abbruch als Berghotel im Schweizer Chalet-Stil neu aufbauen.

Bis Mitte der 1980er Jahre gehörte der Burghof zum Besitz von Schloss Drachenburg. 1989 erlosch die Konzession für das Hotel. Seitdem steht der Burghof leer. 2004 erwarb die Familie Streve-Mülhens den Burghof. 2016 verkaufte Dieter Streve-Mülhens das Gebäude dann an den Bonner Unternehmer Marc Asbeck, der dieses wieder als Wohnhaus im Schweizer Chalet-Stil nutzen wollte. Als sich die Planungen nicht realisieren ließen, verlor er sein Interesse und verkaufte den Burghof im Herbst 2019 an Bernd G. Siebdrat.

Der Unternehmer

Bernd G. Siebdrat kennt sich mit Wein aus wie kaum ein anderer. Der 63-jährige Rhöndorfer, der in Beuel aufwuchs und 25 Jahre lang in Bad Godesberg lebte, gehörte bis 2016 dem Vorstand der Hawesko Holding AG, einem Anbieter von hochwertigen Weinen und Champagner, an.

Bereits 1981 gründete er mit einem Geschäftspartner die Vorläufergesellschaft von Wein Wolf (heute Wein Service Bonn GmbH), an der die Hawesko 1999 eine Mehrheitsbeteiligung erwarb. Heute ist Siebdrat noch Beirat der Hawesko für das Großhandelssegment. 2006 kaufte der Unternehmer das Haus im Turm in Rhöndorf, das im 17. und 18. Jahrhundert eines der prägenden Weingüter am nördlichen Mittelrhein war. In den vergangenen Jahren erwarb der Unternehmer sechs Hektar brachliegende Weinanbaufläche in Unkel, von denen 3,5 Hektar bewirtschaftet werden.

Er ging dazu eine Projektpartnerschaft mit dem Unkeler Winzer Oliver Krupp ein. Am Sonnenberg werden Spätburgunder und Weißburgunder und mittlerweile auch Merlot angebaut, die viel Sonne brauchen. Seine Leidenschaft für den Wein hat Siebdrat an seinen Sohn Niclas vererbt. Der 24-Jährige arbeitete in seinen Semesterferien im Weinberg und machte sich in den vergangenen Corona-Wochen verdient, indem er einen Online-Weinhandel für das Weingut Haus im Turm aufbaute.