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Siebengebirgsmuseum in Königswinter: "Rheinromantik heute": Wie ein Spaziergang im Sonnenschein

Siebengebirgsmuseum in Königswinter : "Rheinromantik heute": Wie ein Spaziergang im Sonnenschein

In der Galerie Rheinromantik ist derzeit bereits die sechste Serie der Sammlung "RheinRomantik" zu sehen. Im Siebengebirgsmuseum eröffnete Bürgermeister Peter Wirtz eine weitere Ausstellung, die allerdings der "Rheinromantik heute" auf der Spur ist.

An der Düsseldorfer Akademie wurde 1827 der "Landschaftliche Componierverein" gegründet, dessen Schüler am Rhein und in der Eifel ihre Motive suchten. Die aktuellen "Componierer" sind aus dem Siebengebirge: Ulrike Hansen, Helene Ramershoven, Ilse Wegmann, Andreas Rein und Kurt Roessler. Auch sie haben wie die Romantiker des 19. Jahrhunderts Drachenfels und Rhein im Blick. Kunsthistorikerin Gudrun von Schoenebeck beleuchtete in ihrer Einführung die Arbeiten.

"Lese" nannte Andreas Rein sein wuchtiges Werk. Ein Boot voller blauer Trauben fährt führerlos über den Strom. Im Hintergrund ragt der Drachenfels empor. Von Schoenebeck: "Die 'Lese' ist vielleicht das romantischste Bild in dieser Ausstellung." Hinzu komme das stimmungsvolle Licht, das die Atmosphäre dramatisch auflade.

Den Himmel malte Andreas Rein sechs Mal, bis die Romantik stimmte. Gudrun von Schoenebeck: "Das Boot sind wir selbst, angefüllt mit allem, was wir erlebt, kennengelernt und an Erfahrungen gesammelt haben. Genauso wie jedes Jahr im Herbst die Erntezeit in den Weinbergen kommt, fragen wir uns, was unseren inneren Reichtum ausmacht, für was wir stehen. Das Boot im Bild fährt rheinaufwärts und auch hier liegt die Metapher nahe, denn das Leben ist meist kein langer, ruhiger Fluss."

Auch darin sah sie eine Gemeinsamkeit mit den romantischen Malern. Auch sie malten die Landschaft nicht streng nach Vorbild ab, sondern komponierten sie aus verschiedenen Versatzstücken. Auch bei Ulrike Hansen, der in Berlin lebenden Bad Honneferin, ist nicht die Genauigkeit der landschaftlichen Situation das Thema.

Bei ihr zählt der Gesamteindruck. Zwei große Rheinbilder mit Panoramablick stehen im Mittelpunkt ihres Beitrags. Mit ihrer selbst angerührten Ei-Tempera-Farbe erzeugt die Malerin eine ungemeine Leuchtkraft, die Lust auf einen Spaziergang am Rhein im Sonnenschein macht.

Hansen lässt wie die "alten" Romantiker einen Sehnsuchtsort entstehen. Das Besondere: Wer sich in der Ausstellung von den Bildern entfernt, erkennt die Berge und kleinen Orte sofort. Beim näheren Herantreten löst sich das Motiv in impressionistische Farbflächen auf. Denn Ulrike Hansen trifft beim Malen einen ganz besonderen Punkt zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Für Helene Ramershoven aus Rheinbreitbach ist die Rheinlandschaft mit ihren romantischen Facetten seit vielen Jahren ein Thema. Auch die Gedichte dazu setzte sie immer wieder in grafische Poesie um. Die Welle ist ihr Motiv. Die Künstlerin zeigt Linolplatten und Collagen mit Radierungen und sogar mit auf Leinwand aufgespannten Häkelarbeiten. Besonders schön: Die Collage, die den Betrachter auf eine Reise vom Kölner Dom zum Drachenfels schickt.

Ilse Wegmann aus Bad Honnef, die den Anstoß für diese Gemeinschaftsausstellung gab, stelle mit Witz und subversivem Charme in ihren Arbeiten Zusammenhänge her, sagte Gudrun von Schoenebeck. "Ihre Farb- und Formensprache ist auf knappe Verdichtung ausgelegt."

Mal betrachte sie die Rheinlandschaft als Kulisse, dann wieder mache sie aus dem Siebengebirge eine Art Ersatzteillager, das in der mehrteiligen Arbeit mit dem Titel "Verschiffung" auf einem Frachter abtransportiert wird. Humorvoll ist die Antwort auf die Frage "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" in ihrer Serie mit Foto-Abzügen gemalter Angler-Bilder: "Die Fische!"

Info

Die Ausstellung ist bis zum 9. November im Siebengebirgsmuseum zu sehen, und zwar dienstags bis freitags 14 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Dazu finden Sonderveranstaltungen statt.

Internet: www.siebengebirgsmuseum.de