Flüchtlingsunterbringung in Oberpleis: Plädoyer für mehr Gelassenheit

Flüchtlingsunterbringung in Oberpleis : Plädoyer für mehr Gelassenheit

Bürger in Oberpleis informieren sich über die Unterbringung von Flüchtlingen an der Grundschule Sonnenhügel.

Nach eineinhalb Stunden gab es in der Aula der Grundschule Sonnenhügel offenbar keine Fragen mehr. Rund 100 Bürger waren am Montagabend gekommen, um sich über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im Gewerbegebiet Krahfeld zu informieren. Dabei wurde deutlich: Einige Eltern haben durchaus Bedenken gegen den Standort. Bei anderen stand die Frage, wie man sich einbringen oder helfen kann, im Vordergrund. Die meisten wollten jedoch einfach nur über die Planungen informiert werden.

„Wer garantiert mir, dass meinem Kind nichts passiert?“, fragte ein Vater, der mit seiner Kritik, dass die Kinder die Unterkunft auf dem Weg zur Schule passieren müssen, offenkundig nicht alleine war. „Keiner“, antwortete Bürgermeister Peter Wirtz. Denn das könne niemand. Das sei aber immer schon so gewesen. Und selbstverständlich sei jeder aufgefordert, in einem akuten Fall Polizei oder Ordnungsamt zu rufen, ergänzte Sozialdezernentin Heike Jüngling. „Aber es wäre ein Vorurteil, zu glauben, hier würde eine Gefahrenzone entstehen.“

Die Stadtverwaltung, die mit ihrer kompletten Spitze vertreten war, und auch einige Sachbearbeiter sowie Gert Mainzer, Leiter der Wache Ramersdorf, und Jochen Beuckers vom Forum Ehrenamt mit aufs Podium gebeten hatte, verwies auf die Erfahrungen in der Altstadt. Dort leben im ehemaligen Haus Katharina, in unmittelbarer Nähe zur Lemmerz-Grundschule und dem CJD, seit drei Monaten 220 Flüchtlinge. „Es hat in dieser Zeit keinen einzigen Zwischenfall gegeben“, so Wirtz. Das einzige Problem sei, dass die Flüchtlinge über das Schulgelände liefen, um zur Bahn zu gelangen. Daran werde aber gearbeitet.

Eltern fordern Sicherheitssysteme

Dennoch wünschten sich einige Eltern gerade zu Beginn eine erhöhte Polizeipräsenz. Ein Vater forderte ein Sicherheitssystem in der Schule, das den Zugang von außen während der Unterrichtszeit verhindere. Jüngling versicherte, die Einrichtungsleitung sei ganztags in der Unterkunft und auch der Ordnungsdienst werde verstärkt vor Ort sein; eine 24-Stunden-Kontrolle werde es aber nicht geben. Bisher habe man mit den 600 Flüchtlingen und Asylbewerbern, die in Königswinter untergebracht sind, nur gute Erfahrungen gemacht.

Fünf oder sechs von ihnen seien auffällig geworden – allerdings habe es sich dabei um Streitereien untereinander gehandelt. Wirtz: „Wir bleiben da dicht am Ball.“ Eine andere Mutter berichtete von ihren guten Erfahrungen mit der Flüchtlingsunterkunft in Sandscheid. Ihr jüngeres Kind besuche dort den Kindergarten, es habe nie Probleme gegeben, im Gegenteil. „Obwohl dort nur junge Männer sind, ist es ein gutes Miteinander.“ Und sie plädierte für mehr Gelassenheit: „Ich gehe jetzt erst einmal davon aus, dass hier keine Schwerverbrecher auf Freigang hinkommen.“

In die gleiche Richtung argumentierte auch Beuckers: Wenn man Kontakt mit den Flüchtlingen aufnehme, „dann wird die Angst ganz klein, weil man feststellt, dass diese Menschen selbst Angst haben“. Er warb dafür, sich als Pate für die Neuankömmlinge zur Verfügung zu stellen, „um ihnen Oberpleis vorzustellen und ihnen zu zeigen, wie wir hier leben“.

Da die Stadt keine verlässliche Zahlen hat, wie viele Flüchtlinge ihr künftig zugewiesen werden, lasse es sich derzeit nicht abschätzen, ob und wenn ja, wie viele Kinder künftig die katholische Grundschule besuchen werden. Schulleiterin Ingrid Kremer: „Wir haben derzeit vier Flüchtlingskinder, die sehr gut integriert sind.“ Würde die Schule mehr als 15 Kinder aufnehmen, „könnten wir eine Vorbereitungsklasse einrichten und bekämen eine halbe Lehrerstelle zusätzlich.“

Gleich in mehreren Wortmeldungen wurden Angebot und Inhalt der Bürgerinformation gelobt: „Prima, dass es eine solche Veranstaltung gibt und dass man so offen spricht“, so eine Besucherin. Allerdings wollten die Anwesenden auch weiterhin auf dem Laufenden gehalten werden.

Die Flüchtlingsunterkunft Krahfeld

Derzeit ist geplant, im Gewerbegebiet Krahfeld drei Gebäude in Leichtbauweise für jeweils 40 Personen aufzustellen – insgesamt also für 120 Personen. Zudem wird es Gemeinschafts- und Haushaltsräume sowie Verwaltungsräume in einem vierten Container geben.

Platz ist an dieser Stelle für doppelt so viele Menschen. Allerdings hat der Rat beschlossen, zunächst die anderen Standorte zu bebauen – in folgender Reihenfolge: Niederdollendorf (80 Flüchtlinge), Thomasberg (40) und Stieldorf (80). Zudem soll nach weiteren Grundstücken gesucht werden. Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sollen am Krahfeld weitere Container für dann insgesamt 240 Personen aufgestellt werden.

Das Gelände rund um die Flüchtlingsunterkunft soll einen Zaun erhalten, der begrünt werden soll. Außerdem wird die Stadt einen Hausmeister anstellen, der tagsüber Ansprechpartner für Flüchtlinge und Bürger ist. Zudem soll der Ordnungsdienst der Stadt verstärkt im Einsatz sein.

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