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Aktion in Heisterbacherrott: Pfarrerin will zum Ostergottesdienst Porträts in der Kirche aufstellen

Aktion in Heisterbacherrott : Pfarrerin will zum Ostergottesdienst Porträts in der Kirche aufstellen

Eigentlich feiert Pfarrerin Pia Haase-Schlie die Gottesdienste in der Emmaus-Kirche in einer leeren Kirche. Ostern soll das anders sein: Sie will Porträtfotos von Gemeindemitgliedern aufhängen.

Die Selfie-Messe eines italienischen Pfarrers in der vom Coronavirus besonders betroffenen Lombardei ist für die Heisterbacherrotter Pfarrerin Pia Haase-Schlie ein echtes Vorbild. Die Seelsorgerin der evangelischen Kirchengemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott hat am Wochenende die Gemeindemitglieder per E-Mail aufgerufen, Fotos von sich oder der ganzen Familie zu schicken. Die Reaktion ist überwältigend.

„Don Giuseppe Corbari hat in seiner Kirche in Italien Bilder der Gemeindemitglieder in die Stühle gehängt als Zeichen der Gemeinschaft. Das möchte ich Ostern in der Emmaus-Kirche genauso machen“, schrieb Haase-Schlie in ihrem Aufruf.

In die Gesichter der Gemeindemitglieder schauen

Der Betreff ihrer E-Mail: „Da simmer dabei“. Beim Ostergottesdienst könne sie auf diese Weise in die Gesichter der Gemeindemitglieder schauen und für sie beten. „Wir feiern Ostergottesdienst auf diese Weise gemeinsam“, so die Pfarrerin. Und da der Ostergottesdienst per Video übertragen wird, können die Menschen indirekt dabei sein.

Bis Montagmorgen hatte Haase-Schlie bereits mehr als 40 Rückmeldungen erhalten. Sie geht davon aus, dass das erst der Anfang ist. „Sehr viele Leute haben auch Familienbilder geschickt“, berichtet sie.

Pfarrerin erlebt große Resonanz

Manche schrieben, sie hätten eigentlich gar keinen Anspruch auf einen Platz, weil sie nur so selten in die Kirche kämen, fänden aber die Idee so toll und rührend. Andere würden sich sogar mit den Zöllnern und Sündern in der Bibel vergleichen, aber dennoch gerne teilnehmen.

„Die erhalten einen Platz in der ersten Reihe“, so Haase-Schlie. Viele Menschen gingen ja selten in Gottesdienste, aber schon mal in die Kirche, um eine Kerze anzünden. Das sei vielleicht vergleichbar.

Seit die Gottesdienste durch die Infektionsschutzauflagen nicht abgehalten werden dürfen, bete sie jeden Sonntagmorgen um 11 Uhr in der Emmaus-Kirche für ihre Gemeinde. Gleichzeitig beiere ein Gemeindemitglied draußen die Kirchenglocken. „Da kommen mir jedes Mal die Tränen“, sagt die Pfarrerin.

Am Ostersonntag wird sie sich in der Kirche ganz sicher nicht mehr allein fühlen. Sie geht davon aus, dass zumindest der vordere Teil der Kirche, die 130 Plätze hat, gut gefüllt sein wird. Theoretisch kann der Kirchenraum sogar auf 350 Plätze erweitert werden. Heiligabend besuchten schon mal 450 Menschen den Gottesdienst.

Die Aktion ist auch ein Trostpflaster dafür, dass es in diesem Jahr keine gemeinsamen Gottesdienste am Karfreitag und am Ostersonntag geben wird. Auch das Treffen am Ostermorgen am Osterfeuer mit anschließendem Frühstück wird ausfallen.

Aus den Fotos möchte Haase-Schlie anschließend eine Collage anfertigen und sie neben der Orgel an der Kirchenwand aufhängen. So soll die besondere Aktion auch über Coronazeiten hinaus Bestand haben.