Bei der Laurentius-Kirmes schwingen schöne Erinnerungen an 1956 mit: Pfarrer musste Königinvater überzeugen

Bei der Laurentius-Kirmes schwingen schöne Erinnerungen an 1956 mit : Pfarrer musste Königinvater überzeugen

Diesmal sitzt der Kirmeskerl hinter Glas. Quasi im „Hochsicherheitstrakt“. Nachdem der Paias im vergangenen Jahr kurz vor Beginn der Laurentius-Kirmes entführt worden war, ließen die Schlussoffiziere der Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft Oberdollendorf, Daniel Lauvenberg Cardoso und André Reiche, ihn diesmal im Schaufenster von Raumausstatter Zinke Platz nehmen – ein perfekter Standort, um das Kirmestreiben zu beobachten. Und das war bunt.

Festzüge, Paraden, Prozession, Fahnenschwenken und natürlich Böllerschüsse – ein ganzer Ort feierte am Wochenende mit den Junggesellen, die diese Kirmes auch diesmal wieder aufs Schönste nach alter Tradition ausrichteten. Und das ging schon gut los: Böllerschüsse, abgefeuert von der Beier- und Böller-Gesellschaft Sankt Barbara, begleiteten den Abmarsch des Festzuges am Samstag am Sankt Sebastianus-Platz. „Festzug halt! Rechts um! Gewehr ab! Rührt Euch!“ Hauptmann Kevin Bracke ließ den Zug vor dem Elternhaus des Präsidenten Felix Ting anhalten.

Nachdem Bracke durch seine Regentschaft ein Jahr lang als Hauptmann pausieren musste, wurde er am Sebastianus-Tag erneut in das Amt gewählt. Und es machte ihm sichtlich Spaß, nun wieder gekonnt die Sebastianer samt Knöppelches-Jonge und Decke Musik durch das mit Fahnen und Wimpelketten prächtig geschmückte Dorf zu dirigieren.

Präsident Ting, Brudermeister Robert Ott und der restliche Vorstand reihten sich ein, um den (noch) amtierenden König 2015, Marcel Reiche, abzuholen. Sämtliche Straßen des Ortes wurden abgegangen, ehe dann zur Kirchenparade angetreten wurde.

Im Festzelt fand die Heilige Messe mit Präses Dariusz Glowacki statt, in dessen Predigt das Wirken des heiligen Laurentius eine Rolle spielte. Ein schönes Bild: die Prozession zur Wiese an der Laurentiuskirche, wo der Geistlichkeit zu Ehren die Fahne geschwenkt wurde. Am Abend im Festzelt spielten dann die „Decke Musik“ und „Schläder, Schmitz & Brackelsberg“.

Bereits am frühen Sonntagmorgen mussten die Junggesellen raus. Das Königspaar, Marcel Reiche und Svenja Wirtz, wurde abgeholt. Die beiden erhielten schon bald Verstärkung. Nach dem Fahnenschwenken zu Ehren der Römlinghovener Bevölkerung mit den Fähnrichen Gregor Werfel und Michael Mertens wurde nämlich das Kindergartenkönigspaar, Jannick Breuer und Lara Miessen, abgeholt.

Am Nachmittag standen die Jubilare im Mittelpunkt. Der Festzug bewegte sich zu den Häusern der ehemaligen Königspaare. Silberjubiläum hatten in diesem Jahr Michael und Ursula Lamprecht, die den Königsvogel 2016 auf „Urmi“ tauften. Vor 50 Jahren hatte Winzer Lorenz „Renzi“ Blöser den Königsvogel abgeschossen und beging nun mit seiner Königin Anneliese Goldjubiläum. Deshalb machte der Zug auch im Weingut Blöser Station.

Ihr Diamantjubiläum feierten gar Kurt Trommeschläger und seine Königin Rita Wyrwoll. 1956 war König Kurt beim Vogelschießen erfolgreichster Schütze. Er hatte nur ein Problem. Seine Braut Hildegard, mit der er in dem 1956 von seinen Eltern eröffneten Spielzeugwarengeschäft in der Altstadt Generationen von Kindern glücklich gemacht hat, wohnte in Bonn und durfte deshalb nicht Königin werden. So bat er seine Cousine Rita, ihn zu begleiten.

Nur: Sie war erst 16 und ihr Vater, Willi Sülzen, deshalb dagegen. Rita Wyrwoll: „Mit priesterlichem Beistand klappte das dann doch. Pfarrer Johannes Neußer hat meinem Vater gut zugeredet.“ Sie wurde eine der jüngsten Königinnen der 1659 gegründeten Bruderschaft. Beim Jubiläumsball erinnerten sich die Jubilare an diese schönen Stunden im Leben eines Sebastianers gern.

Am Kirmesmontag findet nach dem Gottesdienst im Pfarrheim um 10 Uhr undder Kranzniederlegung am Ehrenmal ab 11 Uhr das Königsvogelschießen am Gut Sülz statt. Die Krönung ist um 16 Uhr auf dem Sebastianus-Platz. Ab 19 Uhr schließen sich die Parade und der Krönungsball an. Näheres auch unter www.bruderschaft-odd.de/jgs

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