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Petit Médoc in Königswinter: Oberdollendorf bringt Läufer und Wein zusammen

Petit Médoc in Königswinter : Oberdollendorf bringt Läufer und Wein zusammen

Beim Petit Médoc in Oberdollendorf findet zusammen, was nicht zusammengehört. Wein und Sport kommen bei Temperaturen um die 30 Grad zusammen. Die Veranstaltung ist damit inzwischen aber zur festen Institution geworden.

Laufen bei Temperaturen jenseits der 30 Grad, dazu Wein? Was objektiv nach einer denkbar schlechten Kombination klingt, ist mit dem Petit Médoc in Oberdollendorf mittlerweile zur festen Institution im Laufkalender geworden. Bei dem Volkslauf der SSG Königswinter joggen die gut 1000 Teilnehmer verkleidet durch die Oberdollendorfer Weinberge von einem Wein- und Essensstand zum nächsten. Dazu gibt es Livemusik. Kein Wunder, dass der Lauf in jedem Jahr sehnsüchtig erwartet wird.

Wie sehr, weiß Winni Penno, der den Petit Médoc 2012 nach dem Vorbild des „Marathon du Médoc“ in Frankreich aus der Taufe gehoben hat. „Es wird immer verrückter. In diesem Jahr war der Lauf nach acht Minuten ausgebucht.“ Das heißt: Die 800 online verfügbare Startplätze waren in einer neuen Rekordzeit vergeben. Wer mitmachen will, muss also schnell sein – aber nur bei der Anmeldung. Denn der Lauf ist ausdrücklich nicht wettkampforientiert. „Beim Petit Médoc geht es nicht um Zeiten oder Kilometer, sondern um den Spaßfaktor“, so Penno. Und deshalb ermahnten die Organisatoren und die rund 100 Helfer am Streckenrand und den Ständen die Läufer beständig, genug Wasser zu trinken und vor allem langsam zu machen.

Das lag auch an den besonderen Umständen in diesem Jahr. Nach der tagelangen Hitze waren besondere Vorkehrungen getroffen worden, damit die Läufer den Temperaturen standhalten. Der Hauptlauf, der eigentlich in drei Runden à 3,65 Kilometer durch das malerische Mühlental über Waldwege auf die Dollendorfer Hardt mit dem fantastischen Ausblick über das Rheintal und dann durch die Weinberge zurück zum historischen Ortskern von Oberdollendorf führt, wurde in diesem Jahr auf zwei Runden reduziert. An den Ständen bekam man immer zuerst einen Becher Wasser angeboten, es gab Getränke mit Elektrolyten, um den Verlust bei den hohen Temperaturen auszugleichen. Außerdem hatten Veranstalter und Anwohner, die den Lauf wie immer tatkräftig unterstützten, auf der Strecke zur Abkühlung Regenduschen installiert. „Und trotzdem ist das Wunderbare: Das Wetter ist keine Ausrede. Es kommen ja trotzdem alle und verkleiden sich“, freute sich Penno vor dem Start. Denn wenn man kostümiert läuft, erhält man im Ziel eine Flasche Wein und ein Weinglas. Bei den Kostümen in diesem Jahr ganz besonders beliebt: Dem Wetter angemessene Bademeister- und Südsee-Verkleidungen.

Anspruchsvoller war da schon der „Dollendorfer Hardt-Liner“, ein von sechs Matrosen getragenes Schiff. Das war im vergangenen Jahr bereits dabei, wurde in diesem Jahr aber modifiziert: „Wir setzen jetzt auf erneuerbare Energien zum Antrieb“, sagte Lothar Sauerborn, der aus Oberdollendorf kommt, und zeigt auf die Fähnchen über seinem Kopf und die Schaufelräder an der Seite. Der wahre Antrieb funktioniere aber „durch Kühlung von innen“, fügte sein Nebenmann mit einem Lachen hinzu. Ins Wasser zurück wünschte sich die Gruppe um Andrea und Sebastian Kumm, die als Clownfische in Anemonen liefen. Sie waren für die besondere Atmosphäre und den lokalen Wein aus Lohmar angereist. Eine weite Anreise ist nichts Ungewöhnliches: Eine englischsprachige Läuferin erzählt, dass sie für die Teilnahme am Petit Médoc extra aus Irland angereist sei. Für Christiane Krämer, eine Rheinländerin im Schafspelz, nur zu verständlich: Sie nahm die Anreise aus Hamburg für heimatliche Gefühle gerne auf sich. „Diese Berge, dieser Blick, der Wein und die verkleideten Leute. Das ist Rheinland pur.“

Für die originellsten Kostüme wurden eine als Tour-de-France-Teilnehmer angetretene Radler-Gruppe (Platz 1), ein Melonen-Mann (Platz 2) und eine Schafherde (Platz 3) ausgezeichnet. So ist und bleibt der Petit Médoc eine Win-Win-Veranstaltung. Für die Teilnehmenden ein toller Lauf mit Volksfest-Charakter, für den Verein ein kreativer Weg, um seine Jugendarbeit zu finanzieren. Von den Überschüssen wird ein Trainingslager für die Jugend in Bad Bergzabern finanziert.