GA-Interview: Nils Suchetzki führt SPD-Ortsverein in Königswinter an

GA-Interview : Nils Suchetzki führt SPD-Ortsverein in Königswinter an

Nils Suchetzki ist vor einigen Wochen zum Ortsvereinsvorsitzenden der SPD in Königswinter gewählt worden. Hansjürgen Melzer sprach mit dem 21-Jährigen, der der jüngste SPD-Ortsvereinschef im Rhein-Sieg-Kreis und einer der jüngsten in Nordrhein-Westfalen ist.

Wie wird man mit erst 21 Jahren SPD-Ortsvereinschef?

Nils Suchetzki: Das kam ja nicht ganz aus dem Nichts. Ich war vorher schon Stellvertreter. Als mich meine Vorgängerin Karin Klink fragte, ob ich mir vorstellen könnte, für dieses Amt zu kandidieren, habe ich auch nicht sofort zugesagt, sondern mir Bedenkzeit erbeten. Ich bin ja schon noch sehr jung, einer der Jüngsten, die das je gemacht haben. Nachdem ich mit einigen Leuten aus dem Ortsverein gesprochen habe, habe ich entschieden, dass ich mir das zutrauen kann. Dabei weiß ich, dass die nächsten 17 Monate bis zur Kommunalwahl sehr arbeitsintensiv werden können.

Ihre Vorvorgängerin Nina Freistedt, die vorher de Backer hieß, war auch erst 25 Jahre alt. Warum engagieren sich in Königswinter so viele junge Leute in der SPD?

Suchetzki: Es ist nichts Neues, dass man in Königswinter jungen Leuten was zutraut. Im Vorstand bin ich nicht mal der Jüngste. David Thiebes ist noch zwei Jahre jünger. David Kusserow und Nina Limbach sind Mitte zwanzig.

Nina Freistedt und Karin Klink waren jeweils nur zwei Jahre Vorsitzende. Wollen Sie den Job länger machen?

Suchetzki: Ich bin auf jeden Fall mit der Ernsthaftigkeit angetreten, das Amt mehr als eine Wahlperiode zu übernehmen. Die erste Vorstandssitzung und die ersten Treffen mit kleinen Teams waren auch schon sehr vielversprechend.

Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl im Ortsverein?

Suchetzki: Wir haben so um die 240 Mitglieder. Wir hatten einen Zuwachs durch Martin Schulz und die NoGroko-Bewegung, aber der Langzeittrend geht nach unten. Na klar.

Wie sind Sie zur SPD gekommen?

Suchetzki: Durch Frank-Walter Steinmeier. Ich habe ihn bei einem Fußballspiel als Außenminister kennengelernt und etwas mit ihm geredet. Da war ich 14. Ich war überrascht, wie normal er war. Damals begann mein Interesse für Politik.

Sie haben ein Semester International Business in Maastricht studiert. Warum nicht länger?

Suchetzki: Ich konnte mir nicht vorstellen, ein Leben lang nur im Büro zu sitzen. Das Lehramt reizt mich hingegen sehr. Auch alle Praktika haben mir bisher gezeigt, dass das der Beruf ist, den ich ausüben will.

Sie haben aber auch schon im Büro der Bundestagsabgeordneten Bettina Bähr-Losse gearbeitet?

Suchetzki: Das war mehr ein Zufall. Ich hatte ihren Mann am CJD als Lehrer in Deutsch und Politik und sie hat mich gefragt, ob ich in ihrem Wahlkreisbüro arbeiten möchte. Nachdem sie aus dem Bundestag ausgeschieden ist, wurde ich von Sebastian Hartmann übernommen. Dann bin ich als Mitarbeiter in die SPD-Kreistagfraktion gewechselt. Ich bin somit seit zweieinhalb Jahren beruflich im SPD-Kontext unterwegs, was ich gar nicht geplant hatte.

Könnten Sie sich vorstellen, Berufspolitiker zu werden?

Suchetzki: Daran denke ich nicht. Ich möchte erst mal mein Studium beenden und Lehrer werden.

Was wollen Sie in Königswinter bewegen?

Suchetzki: Wir wollen selbst die Verantwortung übernehmen und die Politik gestalten. Die Frage ist, ob uns das ab 2020 in neuer Konstellation im Rat gelingen kann.

Es soll schon Gespräche mit der Königswinterer Wählerinitiative gegeben haben. Wird die SPD einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen oder einen anderen Kandidaten unterstützen?

Suchetzki: Wir werden erst mal Gespräche bei uns führen. Es stimmt aber, dass es auch schon Gespräche mit den Köwis gegeben hat. Und der Grünen-Vorsitzende Thomas Koppe hat mir auf Facebook zu meiner Wahl gratuliert. Wir wollen uns zeitnah treffen.

Was wollen Sie inhaltlich verändern?

Suchetzki: Wir müssen über mehr Neubauprojekte mit gefördertem Wohnungsbau wie beim Paul-Carré nachdenken. Das Thema Mobilität ist ganz wichtig. Wir unterstützen es, wenn der Kreis auch in Königswinter ein Angebot mit Leihrädern installiert. Es müssen Versammlungsstätten für die Bürger geschaffen werden.

Ist es nicht mutig, sich in einer Partei zu engagieren, die sich auf Bundesebene im Dauertief befindet?

Suchetzki: Es ist für mich vielmehr ein Ansporn, auf kommunaler Ebene zu zeigen, dass es bei uns gut läuft. Und es gibt 10 000 Ortsvereinsvorsitzende, die das Ziel haben, gute Arbeit zu leisten. Mit 450 000 Mitgliedern sind wir auch immer noch die mitgliederstärkste Partei. Ich bin auch nach wie vor ein riesiger Martin-Schulz-Fan, und es schmerzt schon, wenn man sich diese Koalition in Berlin anschaut. Die Themen dort werden doch alle von der SPD gesetzt.

... aber die Bürger nehmen das offensichtlich nicht so wahr?

Suchetzki: Ja leider. Wenn ich das Allheilmittel wüsste, wäre ich vielleicht schon SPD-Bundesvorsitzender.

Mehr von GA BONN