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Villa Leonhart in Königswinter: Neues Leben im ehemaligen Sternerestaurant

Villa Leonhart in Königswinter : Neues Leben im ehemaligen Sternerestaurant

In eines der prominentesten Gebäude in der Königswinterer Altstadt kehrt wieder Leben ein. Nachdem die Villa Leonhart zuletzt eher ein Schattendasein führte, haben Julia Schwarzer-Wild und Michael T. Wild sie jetzt als neue Tagungs- und Event-Location wiedereröffnet.

Betreiber ist die Wild Consulting Training Coaching GmbH, die dort Seminar- und Büroräume bezieht. Ihre Kunden sind große nationale und internationale Konzerne. Die 13 Räume mit einer Größe von 15 bis 490 Quadratmetern können aber auch für Tagungen, Seminare, Coachings und Events angemietet werden.

Für Bürgermeister Peter Wirtz und Andreas Pätz, den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG), die die Villa im Jahr 2005 vom Land NRW erworben hatte, war es am Donnerstag ein angenehmer Anlass, in die Villa zu kommen. „Was nutzt das schönste sanierte Gebäude mit Park, wenn es nicht bespielt wird“, sagte Wirtz. Die WWG hatte das Gebäude 2008 in Erbpacht an den Gastronomen Hermann Nolden verkauft.

Der ließ die Villa nach eigenen Angaben für mehr als eine Million Euro denkmalgerecht sanieren. Anschließend versuchte er, dort ein Sternerestaurant mit den beiden Köchen Martin Tetzner und Philipp Bahle zu etablieren. Dies gestaltete sich jedoch ebenso schwierig wie die vorübergehende Nutzung als Tasting-Location.

Den Kontakt zu den Eheleuten Wild knüpfte Nolden im Januar, als er ein Unternehmen suchte, das in der Villa Coaching- und Training-Seminare anbieten sollte. Beim Besichtigungstermin war Michael T. Wild dann aber „auf einen Schlag klar, dass wir entweder das Ganze oder gar nichts haben wollten“. Schließlich habe seine Frau schon immer von „einer weißen Villa am Rhein“ geträumt.

Die Eheleute erwarben das Gebäude und das Grundstück in Eigentümergemeinschaft mit einem anderen Ehepaar. Zwei Drittel des Parks gehören der Stadt Königswinter. Als Geschäftsführer von Wild Consulting sind die Eheleute zugleich Mieter der geräumigen Veranstaltungsetage im Erdgeschoss und der Büro- und Tagungsraum-Etage im ersten Obergeschoss. Die beiden möblierten kleinen Wohnungen im zweiten Obergeschoss werden an Mitarbeiter von Kunden vermietet.

Wild Consulting will seine Haupttätigkeit von seinem bisherigen Sitz an der Willy-Brandt-Allee in Bonn nach Königswinter verlegen und verspricht sich davon weiteres Wachstum. Kuriosum am Rande: Das Unternehmen zieht von der ehemaligen indischen Botschaft in die frühere Residenz des pakistanischen Botschafters (1952 bis 1995) um. Die Villa war 1893 von der Familie des Freiherrn von Leonhart-Kurtzrock erbaut worden. In den 1930er Jahren wohnte hier auch einmal Robert Ley, der Chef der Deutschen Arbeitsfront.

Andreas Pätz hatte keine Probleme, den Aufsichtsrat der WWG für den Verkauf der Leuchtturm-Immobilie am Eingang in die Fußgängerzone zu gewinnen. „Das Konzept hat überzeugt. Wir erhoffen uns davon einen Impuls für die Altstadt“, sagte er. Peter Wirtz erinnerte daran, dass die Villa in den 1950er Jahren gesellschaftlicher Treffpunkt in der Stadt war.

Dort hätten legendäre Sommerfeste stattgefunden, zu denen auch die Bonner Prominenz gekommen sei Pätz könnte sich gut vorstellen, dass auch der Park in Verbindung mit der Villa künftig Schauplatz für Matinees und Ausstellungen werden könnte. Wie heimisch sich die neuen Eigentümer bereits in Königswinter fühlen, mag zeigen, dass sie für die Eröffnungsparty am 24. September statt Geschenken um eine Spende für das Haus der Jugend bitten. Dort soll eine neue Basketballanlage entstehen.