Moschee in Königswinter: Muslime und Christen im Dialog

Moschee in Königswinter : Muslime und Christen im Dialog

Bernsteinfarben schimmerte die heiße Flüssigkeit, in einem gläsernen Gefäß. Auf einem silbernen Unterteller, neben einem kleinen Stück Würfelzucker, stand ein Glas "Türkischer Tee". Beim Christlich-Islamischen-Dialog trug das warme Getränk gleich zu einer gemütlichen Atmosphäre bei.

Im Gemeinderaum der Moschee trafen sich am Freitag rund 50 Teilnehmer, unter anderen CDU-Stadtratsmitglied Josef Griese, um über das gesellschaftliche Engagement von Muslimen und Christen zu diskutieren. Gastgeber waren die Moscheegemeinde Königswinter und die Evangelische Gemeinde.

Als Referenten der beiden Glaubensrichtungen wurden der Geschäftsführer der Christlich-Islamischen Gesellschaft, Thomas Lemmen, und ein Vertreter der Türkisch-Islamischen Union, Rafet Öztürk, eingeladen. Mit den Worten "Muslime sind mit ihrem Glauben Teil unserer Gesellschaft", leitete Moderator Rudolf Grupp den Dialog ein.

In seinem Vortrag verwies Lemmen darauf, dass Christen und Muslime mehr Gemeinsamkeiten hätten, als man denke. Trotz aller Unterschiedlichkeit würde der Dialog vor Ort zeigen, dass durch gegenseitige Achtung und Respekt, das Miteinander gelingen könne, so Lemmen weiter. Aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Situation fügte er hinzu, dass Ideologien - ob Salafismus oder Pegida - allein davon leben würden, die andere Glaubensrichtung schlecht zu machen. Die Gesellschaft in Deutschland würde sich zu sehr von Negativbildern aus anderen Teilen der Welt beeinflussen lassen. In Teilen der Bundesrepublik mangele es an gegenseitigem Interesse und Offenheit. "Wir wissen zu wenig voneinander. Im Fastenmonat Ramadan wurde für muslimische Flüchtlinge als Zeichen der deutschen Gastfreundlichkeit gekocht. Eine Muslima bedankte sich bei den deutschen Frauen, wies allerdings daraufhin, dass sie vor Sonnenuntergang davon nichts essen dürfe." Lemmen weiter: "Christen und Muslime repräsentieren über die Hälfte der Weltbevölkerung. Wir haben den Auftrag, den Frieden in die Welt hinauszutragen."

Sein muslimisches Pendant, Rafet Öztürk, konnte sich den Worten seines Vorsprechers nur anschließen. Er erklärte die gesellschaftliche Situation seiner türkischen Mitmenschen in einem historischen Rückblick: "Die erste Generation türkischer Einwanderer kam mit einem gepackten Koffer, um schnellstmöglich wieder in die Türkei zurück zu kehren. Die zweite Generation schielte hin und wieder mal in den Koffer hinein. Und die heutige Generation hat den Koffer geöffnet, da sie Deutschland als zu Hause ansieht und fragt sich: "Wo finde ich hier eine Moschee?"" Um auch eine solche Frage gesellschaftlich zu diskutieren, wünschten sich beide Sprecher allerdings mehr Engagement von der muslimischen Gemeinschaft. Den ersten kleinen Schritt, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, böten Gremien in den Schulen oder Sportvereinen.

Die anschließende Diskussionsrunde wurde von allen Teilnehmern emotional geführt: Das Vorstandsmitglied der Türkisch-Islamischen Gemeinde, Halit Döndürmez, stellte klar: "Gerade von unseren Männern würde ich mir da mehr Engagement wünschen. Wer sich nicht engagiert, hat auch kein Recht sich beispielsweise über die schlechte Schule oder die krumme Straße zu beschweren."

Ein muslimischer Teilnehmer der Dialogrunde begründete seine bisherige Zurückhaltung, mit den Vorurteilen der Gesellschaft vor Muslimen, die aufgrund der medialen Berichterstattung ein falsches Bild vom Islam hätte und die Glaubensrichtung mit Terrorismus gleichsetzen würde. Döndürmez entgegnete ihm: "Was tun Sie für den Islam? Schreiben Sie doch der Zeitung, dass Ihnen die Berichterstattung nicht gefällt." Man müsse als Vorbild vorangehen und den Vorurteilen gegenüber Muslimen und ihrem Glauben entgegenwirken. Auch auf politischer Ebene wünsche man sich mehr Einsatz der Muslime in Königswinter.

"Die Fraktionsarbeitskreise 'Bildung und Soziales' wie auch 'Stadtentwicklung' stehen für Jedermann offen," sagte Uwe Guttzeit von der Köwi-Fraktion, der im Plenum das Wort ergriff. "Und wenn die Tür zur politischen oder gesellschaftlichen Teilhabe auch mal verschlossen sein sollte", fügte Öztürk hinzu, solle man tausendmal an sie klopfen. Und wenn dann die Tür immer noch verschlossen sein sollte, müsse man es halt über die Hintertür probieren. Nach rund zwei Stunden Gesprächsrunde klang der Dialog an einem Buffet mit türkischen Spezialitäten aus